<BR /> Neue Zahlen aus dem Südtiroler Sanitätsbetrieb zeigen mehrere schmerzhafte Stellen auf. Auf der einen Seite sind es lange Wartezeiten, auf der anderen die knappe Zeitspanne, die einem Mediziner für die Visite zugeteilt wird. <BR /><BR />Ärztliche Visiten werden im Sanitätsbetrieb nicht nach medizinischen Erfordernissen, sondern nach klaren Zeitvorgaben über die Einheitliche Vormerkstelle eingeteilt. „Die Qualität der Versorgung wird dadurch sicher nicht besser“, sagt Dr. Ivano Simioni von der Spitalsärztegewerkschaft BSK-VSK.<BR /><BR /><BR />Da vergehen einem die Zahnschmerzen schon fast von allein. 99 Tage betrug im Schnitt die Wartezeit für eine prioritäre zahnärztliche Erstvisite. 31 Tage warten heißt es für eine prioritäre geriatrische, 23 Tage auf eine dringende neurologische Erstvisite – und das in dringenden Fällen. Dabei garantiert der Sanitätsbetrieb Patienten in prioritären Fällen innerhalb maximal von 10 Tagen einen Termin im Krankenhaus zu bekommen.<BR /><BR />Noch düsterer schaut die Bilanz bei nicht dringenden Fällen aus. Da wartet man schon mal 150 Tage auf eine neurochirurgische, 149 Tage auf eine geriatrische Erstvisite, 129 Tage auf eine neurochirurgische Visite, 110 Tage auf eine allergologische Erstvisite. Die längsten Wartezeiten hingegen gab es im Juni bei diagnostisch-instrumentellen Leistungen. 228 Tage warten Patientinnen auf einen beidseitigen Ultraschall der Brust, 280 Tage auf eine beidseitige Mammografie. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="801986_image" /></div> <BR />Um die Wartezeiten abzubauen, gibt es klare Vorgaben, wie lange eine Visite dauern darf. Entsprechend werden von der Einheitlichen Vormerkstelle die Termine vergeben. 25 Minuten sind es im Schnitt. „Aber das ist je nach Fachbereich unterschiedlich“, sagt Dr. Simioni.<BR /><BR /> In einigen Bereichen stünden den Ärzten sogar noch weit weniger Zeit zur Verfügung. „Wenn im Rahmen der Visite eine Befund besprochen, eine nötige Operation besprochen werden muss, dann wird es halt sehr knapp“, so Dr. Simioni. Denn in der vorgegebenen Zeit müssten auch Dokumentation und einiges an Bürokratie erledigt werden. <BR /><BR /><embed id="dtext86-55680307_quote" /><BR /><BR />Die Stoßrichtung beim Sanitätsbetrieb ist klar: Mit der Verkürzung der Visiten sollen die teils langen Wartelisten abgebaut werden. „Damit versucht man zwar die Zahl der Visiten zu erhöhen, aber die Qualität der Versorgung wird dadurch sicher nicht besser“, bemängelt Dr. Simeoni. „Bedingt durch den Personalmangel ist die Decke immer gleich kurz. Wenn ich die Zahl der Visiten erhöhe, dann gibt es eben weniger OP-Termine.“ <BR /><BR />Um dem entgegenzuwirken hat die Landesregierung gestern den Beschluss um Gelder aus dem Wiederaufbaufonds für Mehrleistungen und Konventionen formalisiert. „Das hilft nur bedingt, denn mehr als 48 Stunden pro Woche dürfen Spitalsärzte arbeitsrechtlich nicht Dienst tun“, so Dr. Simeoni. „Mit Mehrstunden lassen sich zusätzliche Ärzte nicht ersetzen.“ Zudem drücke dies die Attraktivität einer Anstellung im Sanitätsbetrieb. Ein klares Zeichen dafür: Zahlreiche Wettbewerbe sind zuletzt leer ausgegangen.<BR />