160 Menschen standen vor einem Jahr im selben Zeitraum in Bozen auf der Warteliste für einen Schlafplatz im Winternotquartier. Aktuell sind es 65, von denen jedoch nur 29 die Voraussetzungen erfüllen. Grund dafür seien laut Stadträtin Patrizia Brillo die strengeren Zugangsvoraussetzungen für die Aufnahme in ein Winternotquartier in Bozen. Diese Hürde besteht in einem mindestens vierwöchigen Aufenthalt in der Stadt, der vor der Vergabe des Schlafplatzes bestätigt werden muss. Ausgenommen von dieser Regel sind schutzbedürftige Personen. Laut Brillo habe diese Maßnahme dazu beigetragen, den Zustrom von Personen zu verringern, die im letzten Jahr offensichtlich noch überzeugt waren, in Bozen sei für alle ein Platz vorhanden.<h3> 20 Plätze aufgestockt</h3>Dennoch wurden am vergangenen Freitag auch die 20 Notschlafplätze im ehemaligen Lemayr in Bozen Süd aktiviert. Wie in einer Vereinbarung zwischen Stadt und Land festgelegt, werden diese Plätze erst freigegeben, nachdem die 70 regulären Plätze sowie die Betten in den anderen vier Kältehilfezentren in Südtirol, unter diesen auch jenes in Bruneck, belegt sind. Obwohl dort die Plätze noch nicht alle voll belegt sind, wurden nun die Notschlafplätze in Bozen dennoch bereitgestellt. „Die Menschen wollen nicht nach Bruneck“, sagt Brillo und nennt auch die Gründe dafür: „Von Bozen aus müssten sie auf eigene Kosten mit dem Zug fahren, etwa 15 Euro, und dann noch zwei Kilometer zu Fuß durch den Wald bis zur Einrichtung laufen.“ <h3>Fahrtkosten sollen erstattet werden</h3>Als Lösung plädiert sie für eine Erstattung der Kosten für die Zugfahrt. Auch Soziallandesrätin Rosmarie Pamer bestätigt, dass die Fahrtkosten viele Bedürftige abschrecken würden. Eine Kostenübernahme werde bereits geprüft, die Verwaltung der Wartelisten bleibe aber weiter komplex. Grund dafür sei nicht nur die hohe Nachfrage, sondern auch die häufigen Absagen, die neu vergeben werden müssen.<BR />Zudem verändert sich die Zusammensetzung der Hilfesuchenden. „Ein erheblicher Teil der Personen, die derzeit ankommen, sind Saisonarbeiter, die für Jobs im Hotel- und Gastgewerbe nach Südtirol gekommen sind“, erklärt Brillo. Viele finden Unterkünfte in der Nähe ihres Arbeitsplatzes oder bei Freunden und Bekannten. Andere hingegen kehren in ihre ursprünglichen Gemeinden zurück, da die Bedingungen der vergangenen Jahre in den Notquartieren nicht mehr gegeben sind. Angesichts der bevorstehenden Wintersaison appelliert Pamer daher vor allem an die Wirtschaft: „Betriebe sollten sich, wenn möglich, auch um die Unterkunft der Personen kümmern.“ Außerdem sei es wichtig, Bezugspersonen einzusetzen, um eine lückenlose Betreuung sicherzustellen.<h3> Drei Fragen an Soziallandesrätin Rosmarie Pamer</h3><div class="img-embed"><embed id="1241643_image" /></div> <BR /><BR /><b>Welche Maßnahmen sind geplant, um die Unterkunft in Bruneck attraktiver zu gestalten?</b><BR /><KeinAbsatz></KeinAbsatz>Rosmarie Pamer: Einige Plätze sind in Bruneck durchaus belegt. Dennoch scheint eine Fahrkostenerstattung sinnvoll. Die Abteilung Mobilität wurde bereits kontaktiert, eine Lösung soll in den kommenden Tagen vorliegen. <BR /><BR /><b>Wie geht es im Winterquartier in Bozen weiter?</b><BR /><KeinAbsatz></KeinAbsatz>Pamer: Die 20 zusätzlichen Notfallplätze werden derzeit vergeben. Jetzt werden wir weiterhin beobachten, wie sich die Temperaturen entwickeln, und gleichzeitig die Situation der Saisonarbeiter im Blick behalten. Besonders im Winterquartier in Bozen wird die Lage genau verfolgt, um sofort auf Veränderungen und den steigenden Bedarf reagieren zu können.<BR /><BR /><b>Wann kann mit der Aufteilung bedürftiger Familien auf die Gemeinden gestartet werden?</b><BR /><KeinAbsatz></KeinAbsatz>Pamer: Wir arbeiten derzeit mit Nachdruck an klaren Rahmenkriterien: Wer übernimmt die Kosten, wer ist Ansprechpartner und Bezugsperson? So stellen wir sicher, dass niemand ohne Betreuung bleibt. Einige Gemeinden haben bereits Unterbringungsmöglichkeiten gemeldet, die endgültigen Vorgaben wollen wir in den nächsten Wochen der Landesregierung vorlegen.