Der aktuelle Ebola-Ausbruch war am 15. Mai in der Provinz Ituri im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo erklärt worden, auch Uganda ist betroffen. Die Gesundheitsbehörde der Afrikanischen Union (Africa CDC) registrierte bisher 1.077 Verdachtsfälle, darunter 246 Todesfälle. Die WHO hatte zuletzt von 223 mutmaßlichen Ebola-Todesfällen seit Beginn des jüngsten Ebola-Ausbruchs gesprochen; zehn Todesfälle seien bestätigt. Das tatsächliche Ausmaß des Ausbruchs dürfte nach Einschätzung der WHO allerdings größer sein.<BR /><BR />Indessen wird am Freitag der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, in Ituri erwartet. Er hatte sich zuvor zuversichtlich im Kampf gegen das Virus gezeigt und zugleich Reiseverbote kritisiert. Der Ausbruch könne „gestoppt werden“, sagte Tedros nach seiner Landung in der Hauptstadt Kinshasa am Donnerstag vor Journalisten.<BR /><BR />Weiter betonte er, die WHO unterstütze keine Reiseverbote zur Bekämpfung des Ebola-Ausbruchs, da diese „nicht viel bringen“. Die USA hatten wegen des Ebola-Ausbruchs Einreisebeschränkungen gegen Menschen aus den betroffenen Ländern verhängt.<BR /><BR />Unterdessen blockierte ein Gericht in Nairobi die Einrichtung einer Quarantäne- und Ebolaeinrichtung für US-Bürger im zu Uganda benachbarten Kenia. In seiner Entscheidung über einen Antrag der Juristenorganisation Katiba Institute untersagte es, „in Kenia im Rahmen einer Vereinbarung mit den Vereinigten Staaten oder einer anderen ausländischen Regierung oder Behörde Einrichtungen zur Behandlung, Quarantäne, Isolation oder zum Umgang mit Ebola-Fällen zu errichten.“<BR /><BR />Bis zum 2. Juni soll die kenianische Regierung eine Antwort auf den Antrag des Katiba Institute einreichen. Außerdem untersagte das Gericht, Menschen, die im Rahmen der beanstandeten Vereinbarung Ebola ausgesetzt oder infiziert sind, nach Kenia zu verlegen oder ihre Einreise zu ermöglichen.<BR /><BR />US-Medienberichten zufolge will die US-Regierung keine Amerikaner ins Land lassen, die Ebola ausgesetzt waren und möglicherweise infiziert sind. Sie sollen diesen Berichten zufolge stattdessen in einer noch zu schaffenden Einrichtung in Kenia in Quarantäne gehen.<BR /><BR />Offiziell hat die kenianische Regierung die Einrichtung einer solchen Einrichtung bisher nicht entschieden. Das kenianische Gesundheitsministerium hatte in einer Mitteilung am Mittwoch lediglich über laufende Diskussionen mit der US-Regierung und internationalen Partnern über Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des Ebola-Virus berichtet.<BR /><BR />Der Direktor der afrikanischen Gesundheitsbehörde Africa CDC, Jean Kaseya, sagte am Donnerstag beim wöchentlichen Briefing zu Ebola und anderen Infektionskrankheiten, die kenianische Regierung habe ihm keine endgültige Entscheidung über eine solche Quarantäne-Einrichtung mitgeteilt. Er selbst habe Bedenken wegen der zusätzlichen Belastungen für das kenianische Gesundheitssystem. „Kenia ist für uns bereits ein Hochrisikoland“, sagte er. „Es ist ein regionales und logistisches Drehkreuz. Die Aufhebung der internationalen Quarantänepflicht für ausländische Staatsangehörige könnte die nationalen Kapazitäten überfordern.“<BR /><BR />Die Berichte hatten in der kenianischen Öffentlichkeit für Unruhe gesorgt. Kenia sei ein souveränes Land, „keine geopolitische Isolierstation“, betonte Dhavji Bhimji Atellah von der Medizinergewerkschaft KMPDU. In einer Stellungnahme der Gewerkschaft hieß es: „Wir werden nicht dasitzen und zusehen, wie Kenia als Lagerkolonie für einen tödlichen Erreger behandelt wird.“