Der betroffene Patient hat sich mit dem Subtypus H9N2 angesteckt und wird laut italienischen Medienberichten aktuell isoliert im Krankenhaus San Gerardo Krankenhaus in Monza versorgt. Nach Angaben der Behörden soll er bereits an mehreren Vorerkrankungen leiden, die möglicherweise eine Infektion begünstigt haben. Der Krankheitsverlauf gilt jedoch als mild, und es besteht keine Lebensgefahr für den Mann.<h3> Übertragung und Risiko</h3>Nach aktuellem wissenschaftlichem Stand erfolgt die Übertragung des Virus hauptsächlich durch direkten Kontakt mit infizierten oder verendeten Tieren sowie deren Produkten oder Ausscheidungen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wurde bislang nicht nachgewiesen.<BR /><BR />Das italienische Gesundheitsministerium, die Regionen und Italiens oberste Gesundheitsbehörde (ISS) haben unmittelbar nach Bekanntwerden des Falls koordinierte Maßnahmen eingeleitet. Dazu gehören die Identifizierung und Überwachung von Kontaktpersonen sowie die Mitteilung an internationaler Gesundheitsbehörden. „Die Situation wird kontinuierlich überwacht, derzeit bestehen keine kritischen Entwicklungen“, heißt es aus dem Ministerium.<h3> Epidemiologe Rezza: „Kein Anlass zur Sorge“</h3>Auch Fachleute sehen derzeit keinen Grund zur Beunruhigung. Der Epidemiologe Giovanni Rezza etwa betont gegenüber der italienischen Nachrichtenagentur Ansa, dass es sich um einen importierten Einzelfall handle, der zwar Aufmerksamkeit erfordere, aber keine unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung darstelle.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1293546_image" /></div> <BR /><BR />Der Fall betreffe eine Person, die sich außerhalb Europas infiziert habe. „Dies sollte uns nicht übermäßig alarmieren“, erklärte Rezza. Gleichzeitig sei das Ereignis ein indirekter Hinweis auf die weite Verbreitung dieses Virustyps unter Vögeln, insbesondere in Teilen Asiens und Westafrikas.<h3> Niedrige Pathogenität, geringere Virulenz</h3>Beim Subtyp H9N2 handelt es sich um ein Virus mit niedriger Pathogenität bei Vögeln – heißt der Erreger führt selten oder nur zu milden Symptomen. Auch beim Menschen verläuft eine Infektion in der Regel mild. (Anm. d. Red.: Die Pathogenität beschreibt die Fähigkeit eines Erregers, Krankheiten zu verursachen. Diese Eigenschaft ist entscheidend im Bereich der Infektionsschutzbelehrung. Erreger, die eine hohe Pathogenität aufweisen, können schwere Erkrankungen auslösen.)<BR /><BR />Die Virulenz sei „deutlich geringer als bei bekannteren und gefährlicheren Stämmen wie H5N1 oder H7N9“, so Rezza. (Anm. d. Red.: Die Virulenz ist die Fähigkeit eines Krankheitserregers, eine Erkrankung hervorrufen. Sie bestimmt den Grad der Pathogenität.)<BR /><BR />Seit Ende des 20. Jahrhunderts wurden weltweit etwas mehr als 170 menschliche Infektionen mit H9N2 registriert. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch konnte bislang jedoch nicht nachgewiesen werden. Dies sei ein wesentlicher Grund dafür, warum auch der aktuelle Fall in Italien keine größere Besorgnis auslöse.<h3> Mutationen, aber keine effiziente Übertragung</h3>Zwar habe das Virus im Laufe der Jahre Mutationen entwickelt, die seine Bindung an menschliche Rezeptoren verbessern, erklärte der Experte. Dennoch reiche dies nicht aus, um eine effiziente Übertragung zwischen Menschen zu ermöglichen.<BR /><BR />Trotz der insgesamt geringen Gefährdung wertet Rezza den Fall als bedeutendes Warnsignal: „Es erinnert uns daran, dass unterschiedliche Viren tierischen Ursprungs – ob aus der Vogel- oder Schweinepopulation – die Artgrenze überwinden können und damit ein potenzielles pandemisches Risiko bergen.“<BR /><BR />Vor diesem Hintergrund forderte er eine stärkere internationale Überwachung, insbesondere in Ländern mit schwächer entwickelten Gesundheitssystemen. Zudem sei es wichtig, frühzeitig geeignete Gegenmaßnahmen wie Medikamente und Impfstoffe zu entwickeln.<h3> Fälle und Todesfälle weltweit</h3>Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden laut RKI (Robert Koch Institut) seit 2003 weltweit über 2.600 humane Erkrankungen und 1.100 Todesfälle mit aviärer Influenza nachgewiesen. Die häufigsten Infektionen wurden bislang durch die Subtypen A (H7N9) und A (H5N1) verursacht, wobei der letzte Fall mit A (H7N9) im Jahr 2019 berichtet wurde. Andere beim Menschen nachgewiesene Influenzaviren waren unter anderen A (H5N6) und wie in dem aktuellen Fall A (H9N2). <BR /><BR /> <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/erster-bekannter-vogelgrippe-infizierter-in-usa-gestorben" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Wie berichtet</a>, starb im November 2025 der weltweit erstmals nachweislich mit dem Vogelgrippevirus H5N5 infizierte Mensch.