Für eine gute Ausbildung war Gasser Da Rui nie ein Weg zu weit oder zu steinig. Sie prägte die Ausbildung für Gastronomie- und Ernährungsberufe über Jahrzehnte, arbeitete mit unzähligen Externen zusammen und hatte immer einen Plan – nur jetzt bald nicht mehr. Denn am 31. Dezember tritt die gebürtige Brixner Direktorin (Jahrgang 1956) in den Ruhestand. <BR /><BR /><b>Das Berufsbildungszentrum bildet für verschiedenste Berufe für Gastronomie und Ernährung aus. Wie wurden Sie Herrin so vieler Zweige?</b><BR />Brigitte Gasser Da Rui: Ich habe einen Bachelor im medizinisch-technischen Bereich absolviert und im Krankenhaus gearbeitet. Als sich das mit der Familie nicht mehr vereinbaren ließ, musste ich meinen Job aufgeben. 1985 begann ich an der Landesberufsschule zu unterrichten. Zudem studierte ich neben Beruf, Familie und Kinder Psychologie, Psychotherapie und Pädagogik, da ich Psychoanalytikerin werden wollte. Ich machte auch eine Ausbildung für Coaching. Danach war ich in der Berufsbildung für die Lehrerausbildung zuständig und Vizedirektorin. Als Sepp Kusstatscher in Pension ging, wurde ich im Herbst 2001 Direktorin.<BR /><BR /><b>In den vergangenen 22 Jahren hat sich sicher viel verändert?</b><BR />Gasser Da Rui: Wir haben uns relativ früh auf den Weg gemacht, neue pädagogische Lernkonzepte umzusetzen. Zudem waren der Zubau mit 16 Klassenräumen sowie die Öffnung und der Bau der Bar als Herz der Schule, in dem sich so viel abspielt, ein Meilenstein. Wir konnten mit den offenen Lernformen beginnen. Daraus resultiert auch das neuste Projekt: die Begabtenförderung. Das alles ist aber nicht mir, sondern dem Team zu verdanken. Ein Einschnitte war auch die Entstehung der Fachschule mit der Schulreform. Seit wir Matura anbieten, kommen ganz andere Schüler an die Schule. Die Jugendliche wollen Bäcker werden und mit der Matura abschließen. Wir haben eine ganze Reihe super Schüler, die mit Höchstnoten von der Mittelschule kommen. <BR /><BR /><b>Haben sich die Schüler in den vergangenen 2 Jahrzehnten und damit die Herausforderungen an die Schule verändert?</b><BR />Gasser Da Rui: Ja, sehr. Es gibt heute sehr viele berührende Geschichte. Schule ist für viele oft Heimat geworden.<BR /><BR /><b>War das früher anders?</b><BR />Gasser Da Rui: Früher wurde Schule oft als Pflichtveranstaltung wahrgenommen, in der man funktionieren musste. <BR /><BR /><b>Warum suchen Schüler heute Geborgenheit?</b><BR />Gasser Da Rui: Sie suchen sie nicht, aber sie brauchen sie, weil viele es Zuhause nicht einfach haben. Sie haben mehr Bedarf an Unterstützung. Gerade an unserer Schule erhalten sie diese Sicherheit und fühlen sich aufgehoben.<BR /><BR /><b>Warum?</b><BR />Gasser Da Rui: Wir führen auch ein Heim mit 200 Plätzen. Wenn wir ein Problem haben, trifft es Schule und Heim. Darum haben wir ein Netzwerk aufgebaut, mit dem wir früh reagieren können.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="976264_image" /></div> <BR /><BR /><b>Was heißt das konkret?</b><BR />Gasser Da Rui: Wir besprechen ein Mal die Woche Probleme, suchen Lösungen und entlasten dadurch die Lehrer. Unsere Schule trägt eine große Verantwortung. Während Oberschüler einfach Schule wechseln, müssen wir schauen, dass wir Schüler mit Problemen im Unterricht und beim Praktikum soweit auf die Arbeit vorbereiten, dass sie ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft werden. <BR /><BR /><b>Was kommt auf Ihren Nachfolger zu?</b><BR />Gasser Da Rui: Die Komplexität dieser Schule ist zu stemmen. Unsere Schule ist ein Betrieb mit 90 Lehrern und insgesamt 150 Mitarbeitern. Einerseits muss die fachliche Ausbildung, andererseits die pädagogisch-didaktische Linie stimmen. Die Herausforderungen einer so großen und vielfältigen Schule sind komplex.<BR /><BR /><b>Gibt es bereits einen Nachfolger als Direktor?</b><BR />Gasser Da Rui: Wegen des neuen Führungskräftegesetzes wird der Wettbewerb erst im April durchgeführt. Inzwischen ist Vizedirektorin Lisi Stürz erste Mitarbeiterin. Die Leitung übernimmt Gustav Tschenett, deutscher Bildungsdirektor. <BR /><BR /><b>Was haben Sie für Ihren Ruhestand geplant?</b><BR />Gasser Da Rui (lacht): Da hatte ich noch keine Zeit, mich zu organisieren. Ich werde sehen.<BR />