Freitag, 12. Juni 2020

Erstmals mehr als 47.000 Zivilinvaliden in Südtirol

Aktuell leben 47.046 anerkannte Zivilinvaliden in Südtirol. Das sind 433 Personen mehr als im Vorjahr, bei denen eine allgemeine Arbeitsunfähigkeit von mindestens einem Drittel festgestellt wurde.

Zivilinvalidität nimmt zu: 47.046 Südtiroler sind anerkannte Zivilinvaliden.
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Zivilinvalidität nimmt zu: 47.046 Südtiroler sind anerkannte Zivilinvaliden.
Angesichts der 533.439 Einwohner in Südtirol macht das beinahe ein Zehntel der Gesamtbevölkerung aus. In einer aktuellen Statistik zeigt die Vereinigung der Zivilinvaliden (ANMIC Südtirol) die derzeitige Anzahl und Entwicklung der Südtiroler Zivilinvaliden.

„Wie jedes Jahr haben wir auch heuer einen Datenvergleich zum Vorjahr durchgeführt. Die vom Amt für Rechtsmedizin sowie Prävention, Gesundheitsförderung und öffentliche Gesundheit übermittelten Daten zeigen, wie vielen Personen welcher Invaliditätsgrad zuerkannt wurde und wie sich dieser im Jahresvergleich verändert hat. Die Statistik hilft den verschiedenen Interessensvertretungen und öffentlichen Institutionen die Gesamtsituation zu erkennen und zeigt, wie sich die Lage rund um die Zivilinvalidität entwickelt und welche Aspekte verbesserungsfähig sind“, erklärt Thomas Aichner, Präsident der ANMIC Südtirol.



Aktuell gibt es 0,9 Prozent mehr Zivilinvaliden als im Vorjahr. Mit einem Plus von 239 Personen lässt sich der größte Zuwachs bei Zivilinvaliden mit einem Invaliditätsgrad von 74-99 Prozent beobachten. Weitaus weniger Personen wurde hingegen das Begleitgeld zuerkannt: Hier ist die Zahl der Vollinvaliden (100 – prozentige Invalidität), welche das Begleitgeld erhalten, um 95 Personen gesunken. Laut Thomas Aichner hängt dieser Rückgang mit einer weiteren finanziellen Leistung zusammen: „Im Unterschied zum Rest Italiens wird den Südtiroler Zivilinvaliden – je nach Gesundheitszustand – entweder das Begleitgeld oder das Pflegegeld ausbezahlt. Bei jenen Antragstellern, welchen das Pflegegeld zuerkannt wird, entfällt somit das Begleitgeld.“

Beinahe 13.000 Südtiroler leben mit einer schweren Behinderung

Die aktuell deutlichste Veränderung konnte bei der Anerkennung um das Gesetz 104/92 verzeichnet werden: Mit einem Plus von 1486 Personen gibt es beinahe 13.000 Südtiroler, welche mit einer schweren Behinderung leben. Zivilinvaliden, denen die Schwere der Behinderung durch die Ärztekommission zuerkannt wird, erhalten eine Reihe von zusätzlichen Rechten wie beispielsweise die bezahlte Arbeitsenthaltung (entweder für die betroffene Person selbst oder für ein Familienmitglied) und diverse steuerrechtliche Begünstigungen.

Ab einem Invaliditätsgrad von 46 Prozent kann zudem um die sogenannte gezielte Arbeitseingliederung laut Gesetz 68/99 angesucht werden. Das bedeutet, dass der arbeitslose Betroffene in eine Arbeitslosenliste – die Liste der geschützten Kategorien – eingetragen wird, wodurch er mit Hilfe des zuständigen Arbeitsvermittlungszentrums leichter eine passende Arbeit finden kann. Im Vergleich zum Vorjahr gab es auch hier einen deutlichen Anstieg um 18,9 Prozent: Mit einem Plus von 864 Personen erfüllen nun 5440 Arbeitssuchende die Voraussetzungen zur gezielten Arbeitseingliederung.

Was die Rekursanträge anbelangt, so wurden im Vorjahr 145 bzw. 32,7 Prozent der gestellten Anträge angenommen. „Betroffene können einen Rekurs gegen die Entscheidung der Ärztekommission einreichen, falls die Entscheidung als ungerecht empfunden wird. Wird der Rekurs angenommen und die Zivilinvalidität (prozentuell) erhöht, verbessert sich die Lebenssituation des Betroffenen, indem ihm mehr Rechte anerkannt werden“, erklärt Thomas Aichner.

„Viele Zivilinvaliden und Menschen mit Behinderungen sind arbeitslos, obwohl sie arbeiten möchten.“

„Mit einem Plus von knapp 20 Prozent erzielte die Beanspruchung des Dienstes zur Arbeitseingliederung den deutlichsten Anstieg im abgelaufenen Jahr. Dies lässt sich damit erklären, dass noch immer viele Zivilinvaliden und Menschen mit Behinderungen arbeitslos sind, obwohl sie arbeiten möchten. Besonders hier herrscht leider noch immer das Vorurteil, diese Menschen könnten nicht dieselben Leistungen erzielen wie ein Arbeitnehmer ohne Behinderung. Dies ist jedoch ein Irrglaube, wie zahlreiche Studien belegen. In Zusammenarbeit mit diversen Partnern setzen wir uns als größte Interessensvertretung für Zivilinvaliden auch weiterhin täglich dafür ein, alle Menschen vollständig in den sozialen und beruflichen Alltag zu integrieren“, so Thomas Aichner.

jot

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