Samstag, 20. August 2016

Erwin Steiner: "Es rumpelte überall in Prags"

Am Freitag und Samstag ist es an der Kleinen Gaisl in Prags zu einem Felssturz mit gigantischem Ausmaß gekommen. "Es herrscht eine unheimliche Stimmung im Tal", sagt Erwin Steiner, der Vizebürgermeister der Oberpusterer Gemeinde, als STOL ihn am frühen Samstagnachmittag erreicht.

Das meiste lockere Material an der Kleinen Gaisl ist inzwischen abgebrochen. - Foto: Erwin Steiner
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Das meiste lockere Material an der Kleinen Gaisl ist inzwischen abgebrochen. - Foto: Erwin Steiner

Südtirol Online: Herr Steiner, wie gestaltet sich die aktuelle Lage bei der Kleinen Gaisl? 

Erwin Steiner: "Es gehen zwar laufend noch kleinere Mengen an Geröll ab, inzwischen hat sich die Lage jedoch beruhigt. Im Felssturzgebiet hängen noch einige größere Steinbrocken. Ich kann es nicht mit einer Prozentzahl ausdrücken, aber der größte Teil des abbruchgefährdeten Materials ist zu Tal gegangen. Das sagen auch die zuständigen Landesgeologen."

Welches Ausmaß hatte der Felssturz?

Erwin Steiner: "In genauen Zahlen lässt sich das schwer sagen. Wir schätzen, dass zwischen 600.000 und 700.000 Kubikmeter Material abgebrochen sind. Damit man die Dimension etwas erahnen kann: Der Felssturz, so sagten es die zuständigen Geologen, soll bei Weitem größere sein, als jener am Einserkofel in Sexten im Jahr 2007."

Foto: Erwin Steiner

Was war der Grund für diesen massiven Abbruch?

Steiner: "Verantwortlich für solche Felsstürze ist der permanente Rückgang des Permafrostes. Man kann es sich so vorstellen: Die unteren Steinschichten tauen auf und dehnen sich aus. Der Druck von unten wird immer größer, drückt gegen die obere Schicht und schiebt das ganze Material nach vorne, bis es schließlich abbricht - ein völlig natürlicher und normaler Vorgang."

Wie gefährlich ist die Situation?

Steiner: "Absolut ungefährlich. Zwar rumpelte es in Prags überall und rumpelt immer noch hin und wieder. Und zugegeben, etwas unheimlich ist die Stimmung im Tal schon. Wer aber nicht auf die Idee kommt, sich jetzt in den Abbruchkegel zu begeben, ist völlig sicher. Die Lage war zu jedem Zeitpunkt vollkommen unter Kontrolle, niemand war gefährdet. Mit dem Felssturz haben wir schon längere Zeit gerechnet."

Deshalb wurden auch mehrere Wanderwege frühzeitig gesperrt. Welche Pfade sind derzeit geschlossen?

Steiner: "Der Verbindungsweg von der Stolla-Alm über die Gaislleite zur Rossalm (Wanderweg Nr. 3; Anm. d. Red.) wurde bereits vor einer Woche geschlossen. Da ein Teilstück komplett verschüttet ist, wird dieser Weg noch für einen längeren Zeitraum gesperrt bleiben. Die Rossalm bleibt daher am Samstag geschlossen, öffnet aber am Sonntag wieder. Sie ist dann über die Wanderwege vom Pragser Wildsee (Nr. 1 und Nr. 4; Anm.) oder über die Postmeisteralm (Nr. 29, Nr. 28, Nr. 4; Anm.) erreichbar. Der normale Zustieg zur Rossalm ab Brückele (Wanderweg Nr. 4; Anm.) ist geschlossen worden, um die Sicherheit der Wanderer nicht zu gefährden. Die abgebrochenen Felsen kamen aber kurz oberhalb des Pfades zum liegen. Die Geologen sind sich auch relativ sicher, dass eventuell nachbrechende Felsbrocken den Wanderweg Nr. 4 nicht erreichen werden, weshalb wir ihn am Sonntag oder Montag wieder freigeben werden."

Foto: Erwin Steiner

Wie geht es nun weiter?

Steiner: "Da hilft nur Abwarten. Die Abbruchstelle wird weiter ständig beobachtet werden. Die Gemeindeverwaltung steht in ständigem Kontakt mit den Landesgeologen. Wie ich aber bereits erwähnt habe: Der größte Teil des lockeren Materials ist bereits abgegangen. Viel dürfte nicht mehr passieren."

Interview: Benedikt Mair

stol