Kommandant Andreas Gögele, der als Einsatzleiter in dieser Woche über 1000 Wehrmänner kommandiert hat, und Gruppenkommandant Peter Matzoll von der Löschgruppe Marlinger Berg ließen für uns diese Woche im Ausnahmezustand Revue passieren und schildern die kritischsten Situationen.<BR /><BR />Als Kommandant Andreas Gögele und Gruppenkommandant Peter Matzoll am Samstag gegen 16.50 Uhr von der Rauchentwicklung im Bereich der Stromleitung am Marlinger Berg erfuhren (die „Dolomiten“ berichteten, siehe digitale Ausgabe) und erste Schritte setzten, gab es noch keine Alarmierung durch die Landesnotrufzentrale. Doch beide wussten aufgrund des starken Windes: Das wird groß und schwierig. Und beide sagen, sie hätten den ganzen Tag aufgrund der Trockenheit und des Sturms ein ungutes Gefühl gehabt.<BR /><BR />Einsatzleiter Gögele ließ die Alarmierung auf Stufe 2 erhöhen: mittlerer Brand. „Das Interessante bei dem Feuer war, dass es sich in alle Richtungen gleichzeitig ausgebreitet hat; der Wind hat einen richtigen Sog erzeugt. Brennende Wurzelstöcke haben das Feuer auch nach unten getragen“, berichtet Peter Matzoll.<BR /><BR />Der Gruppenkommandant versuchte mit seinen Männern eine Barriere gegen das Ausbreiten des Brandes nach oben zu errichten. Da der Forstweg Flatscher aber im Wald endet, verloren sie durch den Umweg entscheidende Minuten. „Es fehlen nur 600 Meter und der Forstweg würde zum Marlinger Berg führen“, bedauert Andreas Gögele.<BR /><BR />Der Feuerwehrkommandant, sein Stellvertreter Stephan Hillebrand und ortskundige Tschermser Wehrleute fuhren in Richtung Holzmairhöfe. Der Außerholzmairhof lag genau in der Brandlinie und ist schlecht mit Löschwasser versorgt. Gögele ließ seine Männer eine rund einen Kilometer lange Löschleitung vom Löschbecken beim Senn am Egg legen. Gleichzeitig beauftragte er die Wehren von Töll und Partschins zu erkunden, wie weit sich der Brand bereits in Richtung Töll ausgebreitet habe. Außerdem alarmierte er die Feuerwehren von Lana, Pawigl und Aschbach.<h3> „Es wurde zu gefährlich“</h3>Der Einsatzleiter rannte die 250 Höhenmeter der Stromleitung entlang den steilen Berg hinauf, um zu sehen, ob die Ausbruchstelle gelöscht werden könnte. „Ich habe gesehen, dass die Stromleitung gebrochen ist und dass es zu stark brennt. Wir hätten keine Chance gehabt. Ich habe mir gesagt, dass es wichtiger ist, den Außerholzmairhof zu schützen“, erzählt Gögele.<BR /><BR />Peter Matzoll und seine Männer mussten 2 Löschleitungen aufgeben. „Der Sturm hat Bäume umgerissen. Es wurde zu gefährlich“, erinnert sich Peter Matzoll. Die Löschleitungen sind verbrannt.<BR /><BR />„Die Männer, die ganz vorne mit dem Strahlrohr löschten, waren sehr, sehr belastet“, betont Gögele. „Der Wind hat in Sekundenschnelle gedreht und kam plötzlich auf die Männer zu.“ „Wir haben uns mehrmals zurückgezogen“, stimmt Matzoll zu. Mit großen Strahlrohren konnte ein größerer Abstand zu den Flammen gehalten werden, aber der Wasserverbrauch war enorm. „Ich bin weitergegange, weil ich wusste, dass ich mich auf den Peter verlassen kann“, erzählt Gögele.<BR /><BR />Am Eingang zum Flatscher Steig traf er auf die Partschinser Wehr. „In den Flatscher Muren war die Hölle los“, berichtet er. „Dort gab es den Kamineffekt. Ich bin noch höher hinauf und habe die Lananer Wehr angewiesen, von der Oberwirtsalm in Richtung Marling Dorf eine Riegelstellung aufzubauen, damit das Feuer nicht den Nadelwald erreicht. Das ist trotz Wind super gelungen.“<h3> „Wir wären eingekesselt gewesen“</h3>Es war schon dunkel, als Gögele auf seinen Stellvertreter traf. Nun wussten sie, dass auf der Nord- und Westseite genügend Wehrleute im Einsatz waren, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. „Mein Stellvertreter und ich sind Gottseidank den Jochweg heruntergegangen und nicht entlang der Stromleitung, sonst wären wir mitten ins Feuer gekommen“, schildert Gögele. „Wir wären eingekesselt gewesen.“<BR /><BR />Als sie zum Außerholzmairhof kamen, waren sie sehr erschrocken. Der Christbaumwald stand in Vollbrand. „Um den Hof war es verheerend. Die Wehrleute haben massiv gelöscht“, erinnert sich Gögele. „Ich habe später gesehen, dass der Sturm Ziegel aus dem Stadeldach gerissen hat“, staunt Matzoll immer noch.<BR /><BR />Gögele ließ beim Höhenweg Barrieren errichten, damit brennende Wurzelstöcke nicht bis zum Waalweg fallen. „Das hat wunderbar geklappt. Wir sind zur Linder Rast gefahren und von dort dem Brand am Flatscher Steig entgegen. Eine Löschmannschaft hätte ich nicht geschickt. Das wäre zu gefährlich gewesen. Mir war selbst nicht mehr wohl.“ <BR /><BR />Es trafen immer mehr Freiwillige Feuerwehren zur Unterstützung ein, die Gögele koordiniert Löschleitungen legen ließ. Schließlich ließ der Wind nach. „Das war unser Glück, sonst hätte sich das Feuer bis nach Tscherms ausgebreitet.“ Die Feuerwehren von Schenna, Tirol, Algund und Marling hielten bei der südlichen Barriere die ganze Nacht die Stellung, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.<BR /><BR />Um 23.30 Uhr gab es eine Lagebesprechung in der Marlinger Feuerwehrhalle mit den Bezirksfunktionären. Auch die Forstbehörde war im Einsatz. Es wurden allein 15 Kilometer B-Schläuche (75 Millimeter Durchmesser) und 5 Kilometer C-Schläuche (52 Millimeter Durchmesser) gelegt.<h3> „Wir hätten auch Alarmstufe 3 ausrufen können, abe<h3> r...</h3> </h3> <h3> “</h3>Rückblickend sagt der Einsatzleiter: „Es war wichtig, die Nerven zu behalten. Wir hätten Alarmstufe 3, Großbrand, ausrufen können, aber wir hätten uns nur blockiert, wenn zu viele Wehrleute auf einmal gekommen wären. Ich hatte Vertrauen in jeden Kommandanten, Vizekommandanten und Abschnittsinspektor, der im Einsatz war. Sie haben mir Halt gegeben. Es gab nie Alleingänge, alle haben auf meine Anweisungen gewartet.“<BR /><BR />Nach der Lagebesprechung fuhren Matzoll und Gögele nach Meran, um sich das Ausmaß des Brandes anzusehen. „Wir sind erschrocken“, erinnert sich Gögele. „Ich habe mit 5 bis 7 Hektar gerechnet. Es waren 18!“ Die ganze Nacht hoffte der Einsatzleiter, dass der Wind am Sonntag nicht den Einsatz von Löschhubschraubern verhindern würde. „Geschlafen habe ich nicht, aber gebetet, dass der Chef auf uns schaut“, sagt der Marlinger Kommandant. Auch in den nächsten Tagen gab es für Andreas Gögele kaum mehr als einen Dämmerschlaf. „Das Verantwortungsgefühl hält einen aufrecht“, sagt er und ist froh, dass in all den Tagen niemand mutlos wurde.<BR /><BR />Am Freitag hat der Kommandant die Anzahl seiner Telefonate seit Samstag um 16.50 Uhr gezählt: Es waren 410. Der Großteil der Kommunikation fand aber über Funk statt.<h3> Meisterarbeit der Piloten</h3>Glücklicherweise kamen die von der Forstbehörde organisierten Löschhubschrauber am Sonntag und Montag bis Mittag zum Einsatz. „Die Piloten haben eine Meisterarbeit geleistet“, lobt Gögele. Sie verhinderten die Ausbreitung des Feuers im unwegsamen Gelände. Es wurden alle Beregnungsbecken im Umkreis geleert. Faltbecken mussten ständig gefüllt werden, damit die Löschhubschrauber im 1,5- bis 2-Minuten-Takt 500 Liter Wasser aufnehmen konnten. „Die Gruppe Pawigl hat das Wasser aus der Schwarzen Lacke am Vigiljoch in die Löschleitung eingespeist. Das haben wir nie geprobt, weil ich sicher war, dass wir das nie brauchen werden“, erzählt Peter Matzoll.<BR /><BR />Gögele und Matzoll waren am Sonntag und Montag mit ihrer blauen bzw. roten Vespa am Marlinger Berg unterwegs. „Das war das beste Fortbewegungsmittel“, schmunzelt Gögele, der froh ist, dass sich keiner der über 1000 Wehrleute bei dem Einsatz ernsthaft verletzt hat.<BR /><BR />„Montagmittag habe ich entschieden, dass es besser ist, ohne Hubschrauber weiterzulöschen, damit nicht brennende Wurzelstöcke ausgerissen werden“, erklärt Gögele. Ab Montag stellte sich noch ein weiteres Problem: Die Kälte machte den Gerätschaften arg zu schaffen. „Am Montagabend hatten wird das Feuer unter Kontrolle, den Brand noch nicht“, sagt er.<BR /><BR />Seit Dienstag sind nur mehr Marlinger Wehrleute für die kleineren Löscharbeiten im Einsatz. Von den 82 aktiven Marlinger Feuerwehrmännern hatte der Kommandant seit Samstag ständig 77 zur Verfügung. Gögele lobt die gute Zusammenarbeit mit der Bergrettung bei den Nachlöscharbeiten und bei der Verteilung der Lunchpakete am gesamten Marlinger Berg. Auch die Verpflegung durch den Zivilschutz des Weißen Kreuz sei fantastisch gewesen. „Die Konditorei Peter Paul aus St. Pauls hat uns Unmengen an Faschingskrapfen geschickt“, freut sich der Marlinger Kommandant über die Anteilnahme aus der Ferne.<BR /><BR />Dass alles so gut geklappt hat, ist auch den Wehrmännern am Funk in der Marlinger Feuerwehrhalle zu verdanken. Sie blieben ruhig und hatten sehr gute Ortskenntnisse.<h3> Ungutes Gefühl</h3>„Am Wochenende müssen wir uns auf etwas gefasst machen“, hat der Marlinger Kommandant ein ungutes Gefühl. „Florian Schmalzl (Facebook: Florians Wetterseite; Anm. der Red.) hat uns gesagt, dass am Samstagabend zu 60 Prozent Wind mit 30 bis 40 Stundenkilometer aufkommen wird. Wir haben am Samstagabend unsere Jahresversammlung. Das sind wir dann alle schon beisammen und werden auch einen Kontrolldienst einrichten. Die Tschermser, Partschinser und Töller Wehr haben sich auch schon angeboten. Es kann überall wieder losgehen“, fürchtet Andreas Gögele. „Aber die Beregnungsbecken sind alle wieder voll“, ergänzt Peter Matzoll zufrieden. <BR /><BR />Vorsorglich wurden die Forststraßen gesäubert, um mit den Tanklöschfahrzeugen überall hinzukommen. Löschleitungen liegen auch noch – für alle Fälle.<BR />