Die erste gemeinsame Fortbildung des Südtiroler Netzwerks für Essstörungen EAT NET gilt als Meilenstein in der regionalen Präventions- und Behandlungsarbeit. „Wir hatten mit etwa der Hälfte gerechnet – dass letztendlich doppelt so viele Experten kamen, ist ein klares Zeichen für das Engagement und die Dringlichkeit des Themas“, zeigt sich Sabine Cagol, Leiterin des Südtiroler Systemischen Instituts, beeindruckt von der Resonanz. Aufgrund des großen Zulaufs musste nämlich kurzfristig auf drei Säle des Bozner Pfarrheims ausgewichen werden.<BR /><BR />Raffaela Vanzetta, die Vorsitzende der Fachstelle für Essstörungen INFES – sie moderierte zusammen mit Dr. Roger Pycha, dem neuen Koordinator des Netzwerks und Primar der Psychiatrie in Brixen, die Veranstaltung – unterstrich die Wichtigkeit der Vernetzung und des gemeinsamen Handelns in Südtirol. <BR /><BR />Laura Dalla Ragione, die derzeit italienweit bekannteste Sachverständige zur Behandlung von Essstörungen, machte deutlich, dass Anorexie aktuell die tödlichste psychische Krankheit darstellt, mit 3.278 Todesopfern in Italien im Jahr 2024. Dalla Ragione erklärte genau, ab wann Patienten unbedingt ins Krankenhaus gehörten (ab einem Body-Mass-Index von 13), und worauf Todesfälle zurückzuführen seien: Weder Intensivmediziner noch Internisten noch Psychiater würden sich für solche Patienten zuständig fühlen, so Dalla Ragione. Bei der Versorgung minderjähriger Patienten durch Kinderpsychiatrie und Pädiatrie bestünden meist geringere Schwierigkeiten. Dort seien auch keine Todesopfer zu beklagen. Und dann legte sie Zahlen zum Zuwachs an neuen Patienten vor, die im öffentlichen Dienst behandelt wurden. 2019 waren es italienweit noch 680.000, 2023 bereits 1.680.000 – eine Zunahme um 120 Prozent.<BR /><BR />Von dieser kritischen Lage ausgehend, besprachen die Ärzte, Psychologen und Ernährungstherapeuten, wie sich in Südtirol Betroffene und ihre Familien Zugang zum Netzwerk EAT NET verschaffen können, wie rasch das gelingt und wer im Netzwerk noch fehlt: Hausärzte und Basiskinderärzte. Auch die dringend notwendige Einigung darüber, auf welcher Abteilung Patienten aufgenommen werden sollen, wurde angesprochen. Rom hat diesbezüglich 2018 eine Regelung erlassen, die in Südtirol aber erst noch präzise umgesetzt werden muss.<BR /><BR />Die Fortbildung markiert einen wichtigen Schritt für die Weiterentwicklung des Netzwerks EAT NET. Die hohe Beteiligung zeigt, wie dringend Handlungsbedarf besteht – sowohl bei der Prävention als auch bei der Behandlung von Essstörungen. Die Veranstalter und Experten blicken optimistisch in die Zukunft und planen bereits weitere gemeinsame Initiativen. Die Veranstaltung hat einmal mehr deutlich gemacht, dass Südtirol auf dem Weg zu einer verbesserten Versorgung und Sensibilisierung für Essstörungen ist – getragen von dem Engagement vieler Akteure und dem Willen zur Zusammenarbeit.