Dienstag, 08. September 2020

EU: 400.000 Menschen sterben jährlich durch Luftverschmutzung

Mehr als 400.000 Menschen in der Europäischen Union sterben jährlich vorzeitig an den Folgen von Luftverschmutzung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Europäischen Umweltagentur (EEA), die am Dienstag in Kopenhagen veröffentlicht wurde. Für den Bericht wurden Daten zum Einfluss der Umwelt auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Europäer analysiert.

Nicht nur in anderen Kontinenten ist die Luftverschmutzung ein Problem.
Nicht nur in anderen Kontinenten ist die Luftverschmutzung ein Problem. - Foto: © APA (AFP/Getty) / JUSTIN SULLIVAN
Demnach stellt in Europa die Luftverschmutzung nach wie vor die größte Umweltbedrohung für die Gesundheit dar. 1990 habe die Zahl der darauf zurückgehenden vorzeitigen Todesfälle allerdings noch bei einer Million gelegen, sagte Catherine Ganzleben von der EEA.

Viele Todesfälle vermeidbar

Die Untersuchungen stützen sich unter anderem auf Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu den Todes- und Krankheitsursachen von 2012. Demnach lassen sich rund 13 Prozent der jährlichen Todesfälle in Europa - das entspricht 630.000 vorzeitig Verstorbenen - auf Umweltfaktoren zurückführen und wären daher vermeidbar. Zu den häufigsten Todesursachen zählten Krebs, Herz- und Lungenerkrankungen sowie Schlaganfälle.

An zweiter Stelle stehe die Lärmbelastung, die zu 12.000 vorzeitigen Todesfällen führe, heißt es in dem Bericht weiter. Dabei sei Verkehrslärm die Hauptursache.

Klimawandel als Gesundheitsrisiko

Ein weiteres im Bericht erwähntes Gesundheitsrisiko ist der Klimawandel - mit Hitzewellen und Kälteperioden, Überschwemmungen sowie einer Zunahme von unter anderem durch Insekten übertragenen Krankheiten. In Teilen Nordeuropas ist beispielsweise die durch Zecken übertragene Frühsommer-Mengingoenzephalitis (FSME) zunehmend ein Problem.

Besonders Menschen in Städten betroffen

Menschen in städtischen Umgebungen seien von den Folgen des Klimawandels besonders betroffen, sagte Ganzleben. Sie betonte die Bedeutung von Parks und anderen Grünflächen in Städten, nicht zuletzt für benachteiligte Gruppen. Die Vorteile reichten von Angeboten für körperliche Aktivität, Entspannung und soziale Integration bis hin zu kühleren Temperaturen bei Hitzewellen und der Verbesserung der Luftqualität.

Chemikalien ebenfalls Bedrohung

Ein weiterer Faktor seien Resistenzen gegenüber Krankheitserregern, die auf einen zu starken Antibiotika-Einsatz zurückgehen. Außerdem seien chemische Verbindungen wie zum Beispiel in der Landwirtschaft genutzte Pestizide eine Bedrohung. Die WHO hat geschätzt, dass fast 3 Prozent der weltweiten Todesfälle auf die Exposition gegenüber Chemikalien zurückzuführen sind.

Unterschiede zwischen Ost- und Westeuropa

Auffällig sei der deutliche Unterschied zwischen den Ländern in Ost- und Westeuropa, hieß es von der EEA auch. In vielen osteuropäischen Länder sei die Rate vorzeitiger Tode durch Umweltfaktoren sehr viel höher als in Westeuropa. Den höchsten Anteil an Todesfällen in Zusammenhang mit Umweltbelastungen habe Bosnien und Herzegowina (27 Prozent), den niedrigsten hätten Island und Norwegen (9 Prozent).

apa