Mittwoch, 13. Mai 2020

EU-Kommission fordert mehr Garantien für europäische Reisende

Die Europäische Kommission hat am Mittwoch eine Empfehlungen an die EU-Mitgliedsstaaten veröffentlicht, damit deren Bürgern das Recht auf Rückerstattung von Reisen anerkannt wird, die aufgrund der Pandemie storniert wurden. Dazu informiert das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ).

Die EVZ fordert auch mehr Garantien für die von Stornierungen betroffenen Bürger.
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Die EVZ fordert auch mehr Garantien für die von Stornierungen betroffenen Bürger. - Foto: © shutterstock
Zu den wichtigsten Folgen der Maßnahmen, die auf nationaler und europäischer Ebene ergriffen wurden, um den schwerwiegenden Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Tourismus zu begegnen, gehört die seit Wochen diskutierte Frage der Gutscheinlösung statt Rückerstattungen: Am Mittwoch hat die Europäische Kommission ihre Empfehlungen an die EU-Mitgliedsstaaten veröffentlicht, damit deren Bürgern das Recht auf Rückerstattung von Reisen anerkannt wird.

Tatsächlich haben mehrere EU-Mitgliedstaaten die europäischen Normen zum Schutz von Reisenden erheblich geändert, indem die Mitgliedsstaaten die EU-Rechte durch nationale Bestimmungen wesentlich eingeschränkt haben: Bei Annullierungen ist anstelle von Rückerstattungen die Ausstellung des inzwischen viel diskutierten Gutscheins vorgesehen.

„Nur wenige Tage nach dem Europatag, der am 9. Mai begangen wurde, um den Beginn des europäischen Integrationsprozesses zu feiern, scheint die Mahnung der EU-Kommission, die EU-Gesetzgebung zum Schutz der Reisenden zu respektieren, angemessener denn je. Es ist, als wolle sie uns daran erinnern, dass die Vorteile, die die EU-Integration im Laufe der Jahrzehnte erreicht hat, nicht ignoriert oder gar geleugnet werden können,“ sagt Milena Favretto, Beraterin im Europäischen Verbraucherzentrum (EVZ) in Bozen.

Mehr Garantien für EU-Bürger

Selbstverständlich ist ein Gleichgewicht zwischen den Bedürfnissen aller Beteiligten notwendig, weshalb die EU-Kommission nicht beabsichtigt, die Gültigkeit von Gutscheinen als Kompromisslösung in vollem Umfang in Abrede zu stellen. Allerdings sei es notwendig, dass dieses Instrument in der Lage sei, den Reisenden in der EU ausreichende Garantien zu bieten.

Die EU-Kommission fordert daher erstens, auf nationaler Ebene eine angemessene Deckung vorzusehen, um die so genannten Covid-19-Gutscheine gegen mögliche Insolvenzen der Dienstleister abzusichern. Dies sei eine wesentliche Voraussetzung dafür, den Gutschein zu einer verlässlichen und sicheren Option für die Verbraucher zu machen, erklärt die EVZ.

„Eine große Zahl von Verbraucher die sich an das EVZ wenden“, erklärt Barbara Klotzner, Beraterin im EVZ in Bozen, „möchte wissen, was mit dem Gutschein geschieht, wenn er innerhalb eines Jahres nicht verwendet werden kann. Viele sind sich aufgrund der unvermeidlichen Auswirkungen auf ihre finanzielle Situation oder in einigen Fällen sogar des Verlustes des Arbeitsplatzes nicht sicher, ob sie innerhalb eines Jahres reisen können, und haben Angst, für immer auf das Geld für eine Reise verzichten zu müssen, die sie nie nachholen werden können.“

Diesbezüglich hofft die EU-Kommission, dass nach Ablauf der Fälligkeit des Gutscheins eine automatische Rückerstattung des Betrags erfolgt. Dadurch könnte auch der Gutschein selbst für die Verbraucher akzeptabler werden, da diese in diesem Falle die Gewissheit hätten, dass ihr Geld nicht verloren ist, wenn nicht eine sofortige Barauszahlung verlangt wird.

Forderung nach flexiblen Gutscheinen

Weitere Empfehlungen der EU-Kommission umfassen die Ausgabe flexibler Gutscheine, die ohne zusätzliche Kosten leicht auf andere Reisende übertragen werden können und die von dem Reiseziel oder der Dienstleistung, für welche die Reise ursprünglich gebucht wurde, freigegeben werden können, oder auch die Möglichkeit, als Anreiz für die Reisenden die Gutscheine über einen höheren Betrag als den ursprünglich gezahlten Preis auszugeben.

„Eine derart starke Einschränkung der Rechte der Reisenden könnte für immer einen großen Vertrauensverlust der EU-Bürger, nicht nur in die Wirksamkeit der europäischen Schutzmaßnahmen, sondern auch in die Tourismusindustrie hervorrufen“, befürchtet Monika Nardo; Leiterin des Büro in Bozen.

„Wir hoffen daher, dass die Regelungen, Gutscheine als obligatorischen Ersatz für Bargeldrückerstattungen vorzusehen, wie sie kürzlich auch in Italien angenommen wurde, bald durch weitere Maßnahmen abgemildert werden, welche die Empfehlungen der Kommission berücksichtigen, um eine faire Überwindung der gegenwärtigen Krise und ein erneuertes Vertrauen der europäischen Reisenden zu gewährleisten“, erklärt Nardo abschließend.

stol

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