Im Rahmen der Europäischen Woche der Gleichstellung der Geschlechter wurde er gestern vorgestellt. Katharina Crepaz, Mitglied der verantwortlichen Forschungsgruppe Gender Dynamics von Eurac Research sagt im Interview: „Vieles in Sachen Gleichstellung hängt an der gerechten Aufteilung der Sorgearbeit.“<BR /><BR /><b>8 Bereiche beleuchtet der Gender Report und in keinem schaut es für Frauen gut aus, gleichberechtigt und gleich behandelt werden sie weiter nur auf dem Papier. Bleibt der Report bei der Ist-Situation stehen?</b><BR />Katharina Crepaz: Nein, keinesfalls. Wir haben ganz bewusst sog. best practices mit aufgenommen, die auch für Südtirol als Anregung für konkrete Maßnahmen dienen können. <BR /><BR /><b>Gibt es ein Hauptproblem aus Ihrer Sicht?</b><BR />Crepaz: Ein ganz wichtiger Faktor ist die Sorgearbeit, die nach wie vor hauptsächlich Frauensache ist. Daran hängt unglaublich viel. Wer die Betreuung der Kinder und später oft auch noch die Pflege von Eltern und/oder Schwiegereltern übernimmt, hat Lücken im Erwerbsleben, muss Teilzeit arbeiten, kommt auf der Karriereleiter nicht weiter, landet nicht in Führungspositionen, hat keine Zeit für politische Teilnahme... Daraus resultieren dann viele weitere Probleme, wie die nach wie vor niedrigere Bezahlung, geringere Renten und schlechtere politische Vertretung. <BR /><BR /><BR /><b>Wo kann man sich da Positives abschauen?</b><BR />Crepaz: Insbesondere von den skandinavischen Ländern können wir da noch viel lernen. Da ist die Sorgearbeit zwischen den Geschlechtern ist ziemlich gleich aufgeteilt. Auch weil es gesetzliche Bestimmungen gibt, so gibt es etwa in Schweden einen verpflichtenden Vaterschaftsurlaub – und insgesamt längere Elternzeiten. Mit dieser Einbeziehung der Väter steht und fällt Vieles. <BR /><BR /><BR /><b>Aber ist das nur ein „gesetzliches“ Problem?</b><BR />Crepaz: Es ist auch eine kulturelles Sache: In den skandinavischen Ländern herrscht eine familienfreundlichere Kultur, auch in den Betrieben. So werden Meetings nach 16 Uhr erst gar nicht angesetzt und dass Mitarbeiter um 20 Uhr noch im Büro sitzen, ist absolute Ausnahme. Gesellschaftlich erwartet wird eher, dass sie bei ihrer Familie sind. Im Norden Europas ist man auch bei der Frauenerwerbsquote führend. In Island kommt man da sogar auf 87 Prozent und liegt fast gleichauf mit den Männern: 91 Prozent. Im Vergleich dazu: Die Frauenerwerbsquote in Italien liegt bei 58 Prozent. <BR /><BR /><BR /><b>Was bedeutet das für die Zukunft? Der Umfang der Sorgearbeit insbesondere im Bereich der Altenpflege wird zunehmen...</b><BR />Crepaz: Es ist in der Tat davon auszugehen, dass das öffentliche System das aufgrund des demografischen Wandels in immer geringerem Ausmaß wird leisten können. Wir müssen hier als Gesellschaft neue Wege gehen, etwa indem auch private Sorgearbeit bezahlt wird. Oder auch mit einem Lebensarbeitszeitmodell, bei dem beide Geschlechter jeweils für Sorgearbeit ihre Arbeitsbelastung reduzieren. Sonst droht Frauen in Zukunft mehr als bisher die Altersarmut.