„Die Tricks des Hotelgewerbes hat mir meine Schwiegermutter beigebracht“, erzählt Magdalena „Leni“ Schmid-Strohmer. Die Metzgermeistertochter hat 1958 Alfred Strohmer senior geehelicht und damit in die Hotellerie eingeheiratet. Ein Trick? Am Morgen immer genau kontrollieren, wer sich im Haus aufhält, sagt „Leni“ Strohmer vielsagend.<BR /><BR />Mit 19 Jahren hatte sie ihren zukünftigen Mann kennengelernt und noch eine Hotelfachschule in der Schweiz besucht. „Hier hat es noch keine gegeben“, sagt sie. Während sich ihr Mann um alles Bürokratische gekümmert habe, hat sie sich um das Wirtschaftliche – Einkauf, Küche, Personal – gekümmert. „Und natürlich um den Kontakt mit den Gästen. Das Persönliche ist im Laufe der Jahre ,a bissl‘ verloren gegangen, aber früher blieben die Gäste auch 14 Tage“, erzählt die vierfache Mutter. Wie hat sie Familie und Betrieb bewerkstelligt? „Wir haben alle im Hotel gegessen und ich hatte eine Hausmädchen – Frauenpower, gell“, sagt „Leni“ Strohmer verschmitzt.<BR /><BR />Neben ihr sitzt Sohn Alfred, der jüngste der vier Strohmer-Kinder. „Wir hatten ein Haustelefon in der Wohnung. Wenn es schellte, wollte niemand von uns Kindern abnehmen, denn das hieß, dass wir irgendwo helfen mussten. Wir mussten alle von klein auf mithelfen und wurden überall hineingeschmissen“, erzählt er.<BR /><BR />„Wenn du studieren willst, geh studieren, aber dann verkaufe ich das Hotel Europa“, hatte Alfred Strohmer senior zu seinem Sohn gesagt. Und so sei er in Vaters Fußstapfen getreten und habe nach der Handelsoberschule nebenher in Innsbruck die Tourismuskaufmann-Ausbildung absolviert.<BR /><BR />Ist die Stadthotellerie schnelllebiger geworden, wie seine Mutter sagt? „Ja, ein Hotel spiegelt die Gesellschaft wider. Die Gäste bleiben weniger lang und wollen viel mehr erleben. Früher war Stammgast, wer jedes Jahr kam, heute ist ein Stammgast der, der alle drei Jahre kommt“, sagt Alfred Strohmer. <BR /><BR />Wegen „der Flugreisen ist die Welt klein geworden. Früher war es noch eine Weltreise von Deutschland nach Meran zu kommen“, so „Leni“ Strohmer.<BR /><BR />In den 1950-er und 1960-er Jahren verfügte das Europa Splendid noch über große Ballsäle. „Ein Mal im Jahr in der Faschingszeit haben wir den Hausball organisiert und am Gründonnerstag den Kinderball. Aber auch Vereine hielten hier ihre Bälle ab“, erzählt die Seniorchefin. Und für Gäste gab es den Tirolerabend im Haus, damals eine regelmäßige Selbstverständlichkeit. „Alle haben gefeiert bis in die Nacht hinein“, sagt „Leni“ Strohmer. <BR /><BR />Anfang der 1970-er Jahre wurde dann alles anders mit der Geselligkeit der Gäste. „Wir waren das erste Hotel in Meran, das in allen Zimmer einen Schwarz-Weiß-Fernseher hatte, und so zogen sich die Gäste abends gern ins Zimmer zurück“, erzählt sie. <BR /><BR />Und wer ist im Europa Splendid in den Jahren abgestiegen? „Als im Stadttheater noch Opern und Operetten aufgeführt wurden Schauspieler, später nur um zwei zu nennen: Otto Waalkes und Hubert von Goisern“, sagen die beiden. Wie schaut’s mit der vierten Generation Strohmer aus? „Meine Tochter (15) besucht die Hotelfachschule, aber da will ich nichts vorwegnehmen“, meint Alfred Strohmer.