Der im Mordfall Garlasco erneut unter Verdacht geratene Andrea Sempio erhält Unterstützung von einer ehemaligen Freundin. Die Frau, die drei Jahre mit dem 38-Jährigen liiert war, erklärte in der Fernsehsendung „Storie Italiane“ des Senders Rai 1, Sempio sei „nie gewalttätig“ gewesen.<BR /><BR /> „Ich habe gute Erinnerungen an ihn“, sagte sie. Sempio ist derzeit der einzige Beschuldigte in den neuen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Pavia zum Mord an Chiara Poggi. Die 26-Jährige war 2007 in ihrem Haus in Garlasco getötet worden. <BR /><BR />Die ehemalige Partnerin beschrieb Sempio als „ganz normalen Menschen“. Von angeblichen Auffälligkeiten, etwa Selbstgesprächen im Auto, habe sie nichts gewusst. „Ich erinnere mich an eine Beziehung ohne besondere Probleme“, sagte sie. Die Trennung sei erfolgt, weil sie sich eine ernsthaftere Beziehung gewünscht habe, er jedoch nicht. „Ich war verliebt und habe unter der Trennung gelitten wie Millionen andere Menschen auch“, erzählte die Frau.<h3> Freundeskreis im Fokus der Ermittler</h3>Weiter im Fokus der Ermittlungen steht auch der frühere Freundeskreis Sempios. So wurde Alessandro Biasibetti, ein ehemaliger Freund der Gruppe, der später Priester wurde, von der Staatsanwaltschaft Pavia befragt. Dabei ging es um die Tage rund um den Mord an Poggi sowie um die Beziehungen innerhalb der Gruppe von Freunden, zu der auch Chiaras Bruder Marco gehörte. <BR /><BR />Laut Vernehmungsprotokoll erklärte Biasibetti, die Gruppe habe sich regelmäßig in den Wohnungen der Freunde getroffen, häufig zum Videospielen. Meist habe man sich im Haus von Marco Poggi. <h3> Medien zu Zurückhaltung aufgerufen</h3>Unterdessen hat die italienische Datenschutzbehörde die Medien wegen der Berichterstattung über den Fall erneut zu mehr Zurückhaltung aufgerufen. In einer Mitteilung erinnerte die Behörde an die Einhaltung der Datenschutzbestimmungen, journalistischen Standesregeln und verfassungsrechtlichen Garantien. <BR /><BR />Anlass war die Veröffentlichung von Mitschnitten eines Gesprächs zwischen dem wegen des Mordes verurteilten Alberto Stasi und seinem früheren Anwalt Angelo Giarda durch die Fernsehsendung „Quarta Repubblica“ des Senders Rete 4. Der Beitrag sei inzwischen entfernt worden, teilte die Behörde mit.<BR /><BR />Die Veröffentlichung vertraulicher Gespräche zwischen Beschuldigten und Verteidigern, die laut Strafprozessordnung verboten sind, wurde auch von der Vereinigung der italienischen Strafverteidigerkammern kritisiert.<BR /><BR />Die Datenschutzbehörde sprach von einer „andauernden und morbiden Spektakularisierung“ des Falls, Garlasco, die gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit der Information verstoße. Der Schutz der Menschenwürde gelte nicht nur für Opfer und Angehörige, sondern auch für Beschuldigte und alle anderen in die mediale Berichterstattung einbezogenen Personen. Die Behörde kündigte an, die Entwicklung weiter zu beobachten, und behielt sich zusätzliche Maßnahmen im Rahmen bereits laufender Untersuchungen vor.