<BR /><b>Wie blicken Sie auf Ihre Zeit als Landeskommandant zurück? <BR /></b><BR />Oberst Raffaele Rivola: Als ich 2021 begann, waren die hier tätigen Carabinieri eigentlich das einzige, das ich von Südtirol noch nicht so gut kannte (lacht). Einheimische gaben mir Wandertipps. Und waren jedes Mal überrascht von meiner Kenntnis über die Südtiroler Berge und Wanderrouten. Meine Leidenschaft für dieses Land hat mir die Chance gegeben, mich ohne „Eingewöhnungsphase“ an die Arbeit zu machen. Und die sehr kompetenten Akteuren in der öffentlichen Verwaltung, aber auch im Vereinswesen und Ehrenamt, denen ich begegnet bin, waren eine große Hilfe und persönliche Bereicherung. Auch deshalb ziehe ich eine positive Bilanz, sowohl auf beruflicher als auch auf menschlicher Ebene. Die Kriminalität ist zwar nicht besiegt, aber unsere Ziele haben wir erreicht. <BR /><BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-67069915_quote" /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><b>Wie ist es Ihnen gelungen?<BR /><BR /></b>Rivola: Durch Präventionsoffensiven, um etwa gegen Jugendkriminalität gezielt dort einzugreifen, wo ein Verhalten noch abweichend und nicht schon kriminell ist. Gegen andere Probleme wie Einbrüche und Ladendiebstähle haben wir unsere Streifen auf der Grundlage von Daten zu konkreten Fällen und Einsätzen organisiert. Ich habe selbst mehr Personalressourcen angefordert – so sorgen jetzt landesweit wieder fast 1000 Carabinieri-Beamte für Sicherheit. Die aktuellen Daten widerspiegeln die positiven Auswirkungen dieser Entscheidungen. <BR /><b><BR /><BR /><BR />Geht die Zahl der Straftaten also zurück? </b><BR /><BR />Rivola: Bei einem Rückgang der Anzeigen stieg die Zahl der Verhaftungen im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent. Letzterer Wert ist auch das Ergebnis der strategischen Organisation von Streifendiensten, die es ermöglichen, Verbrecher auf frischer Tat zu ertappen und damit sofort festzunehmen. Die Daten sind repräsentativ, immerhin wird rund ein Drittel aller Anzeigen in Südtirol bei Carabinieri-Stationen erstattet. Wir stehen im Dienst aller Bürger, auch im entlegensten Tal. Auch deshalb nehmen wir uns die Fälle von Senioren, die betrogen werden, besonders zu Herzen: Es ist schrecklich, was für ein Trauma die Betrüger bei älteren Menschen verursachen, die ein Leben lang für ihre Liebsten gespart haben und plötzlich alles verlieren, weil sie in eine hinterlistige Fallen tappen. <BR /><BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-67069919_quote" /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><b>Die Carabinieri sind tatsächlich überall im Land anzutreffen – auch auf den Skipisten. </b><BR /><BR />Rivola: Ich habe meine Leidenschaft für die Berge immer auch in meine berufliche Tätigkeit eingegliedert. Diesbezüglich wird oft kritisiert, dass die Carabinieri einfach Ski fahren gehen. Die Präsenz der Carabinieri in 29 Skigebieten ist aber notwendig geworden und zeigt Wirkung. 33 Prozent mehr Einsätze, ein Anstieg der kontrollierten Personen von 50 Prozent und 40 Prozent mehr Strafen, die ausgestellt wurden: Das sind nur einige der Daten, die zeigen, dass sich die eine mit der Bevölkerung von Großstädten vergleichbare Zahl an Personen im Winter in den höheren Lagen aufhalten und die Präsenz der Ordnungshüter unabdingbar ist. <BR /><BR /><b><BR /><BR />Sie haben in Kalabrien die 'Ndrangheta bekämpft – wie schätzen Sie nach 3 Jahren die Lage in Sachen organisierte Kriminalität in Südtirol ein? </b><BR /><BR />Rivola: Meiner Ansicht nach ist es für Südtirol von Vorteil, dass viele auch sehr große Unternehmen nach wie vor eine familiäre Struktur aufweisen. Das ist ein Faktor, der die Wahrscheinlichkeit von Unterwanderung durch kriminelle Organisationen senkt. Aber das Risiko besteht immer. Aus diesem Grund ist es wichtig, Unternehmer und Akteure der öffentlichen Verwaltung zu sensibilisieren, um jeglichen Versuch der Unterwanderung im Keim zu ersticken. <BR /><BR /><BR /><BR /><b>Der schwierigste Moment Ihrer Karriere in Südtirol? </b><BR /><BR />Rivola: Die Nacht der Bluttat in Innichen. Ich musste rasch Entscheidungen treffen, wie das Spezialteam der Carabinieri anzufordern. Für jeden Fehler, jedes weitere Opfer, wäre ich verantwortlich gewesen.