Es sind Szenen wie im Hollywood-Schocker „Der Exorzist“: Ein Mädchen, 20 Jahre jung, wälzt sich auf dem Boden, zertrümmert einen Stuhl, verflucht den Priester, der vor ihr den Exorzismus betet. Im Hintergrund dokumentiert der römische Journalist David Murgia mit der Kamera das gruselige Geschehen.<BR /><BR />Plötzlich brüllt ihn die Besessene an: „Du bist auch hier?“ Und dann schreit sie ihm mehrere Vorwürfe ins Gesicht, „es sind Sachen, die ich tatsächlich getan habe und die sonst niemand wissen kann“, erzählt Murgia.<BR /><BR />Für den Dokumentarfilmer ist das einer der vielen Beweise dafür, dass das oder der Böse tatsächlich einen Menschen in Besitz nehmen kann. Er sei kein Priester, kein Theologe, sondern dokumentiere als Journalist für den Fernsehsender TV2000, als Blogger und Buchautor diesen ritualisierten Kampf der Kirche gegen den Höllenfürsten.<h3> „Ritual ist manchmal die einzige Hilfe“</h3>Filmmaterial und persönliche Beobachtungen hat Murgia in rauen Mengen, denn er begleitete über Jahrzehnte den bekannten Exorzisten P. Gabriele Amorth (1925–2016); inzwischen ist er Beauftragter des Vatikans für die Ausbildung von Teufelsaustreibern. Dazu wird jährlich an der Hochschule „Ateneo Pontificio Regina Apostolorum“ in Rom ein Kurs angeboten, den nicht nur Priester, sondern auch Polizisten, Beamte, Mediziner, Psychologen und interessierte Laien besuchen.<BR /><BR />„Es gibt Menschen, die durch das Böse leiden und die einzige Person, die sie davon erlösen kann, ist in einigen Fällen der Exorzist“, fasste Murgia bei einem „Funkenflug“-Abend im Generationenhaus Guggenberg in Brixen seine Reisen in diese düstere Welt zusammen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1355610_image" /></div> <BR /><BR />Als gefährlichste Tür, durch die das leibhaftige Böse in einen Menschen eindringen kann, sieht der Journalist nicht etwa Satanismus oder Schwarze Messen, sondern Sekten und Sondergruppen, die Menschen in ihren Bannkreis ziehen, sie von anderen abschotten und innerlich versklaven.<BR />Als Beispiel nannte Murgia die beklemmende Atmosphäre in einer Industriehalle in der Nähe von Rom, wo sich Hunderte Eltern schweigend versammelt hatten, um mit ihren verstorbenen Kindern im Jenseits Kontakt aufzunehmen. Mit solchen Versprechen würden Menschen in eine finstere Ecke von Manipulation und Macht gelockt.<h3> Künstliche Intelligenz als Einfallstor für Satan</h3>Murgia warnte auch davor, dass Künstliche Intelligenz dieses Einfallstor für die böse Macht weit öffne, „weil wir damit zu jeder Zeit und von überall erfahren, wie wir zum Beispiel Schwarze Messe feiern oder magische Rituale vornehmen können“. Als Anzeichen von Besessenheit nannte der TV-Mann die heftige Abneigung gegen heilige Zeichen und Symbole, solche Menschen sprechen plötzlich ihnen unbekannte Sprachen und sie wüten mit unerklärlichen Kräften. <BR /><BR />Entschieden verteidigte der Dokumentarfilmer die Praxis des Exorzismus. In allen Weltreligionen gebe es Rituale für den Kampf gegen Besessenheit, „einzig die katholische Kirche hat den Exorzismus genau geregelt und damit auch einen Schutz gegen Scharlatane und Missbrauch geschaffen“. <BR />Nach diesen Regeln (siehe eignen Infokasten unten) kämpft der in Bozen wirkende Dominikaner Davide Traina seit zehn Jahren gegen den Satan – „bewaffnet“ mit Gebet, Weihwasser und Kruzifix. „Ich bin kein Super-Priester, sondern sehe mich ganz einfach als Mann der Kirche, der für einige Menschen der allerletzte Strand der Hoffnung ist“, erklärte der Ordensmann seinen Dienst. <BR /><BR />Das Böse beschrieb er als „geschickten Verkäufer“, der viele verlockende Angebote macht, um Menschen in seinen Bannkreis zu ziehen. Unter seinen hinterhältigen Artikeln sind zum Beispiel Voodoo-Puppen, die sogar an Kinder verkauft werden, um fast spielerisch anderen Menschen Schmerz oder Schaden zuzufügen; auf der App TikTok teilen Mädchen ungeniert mit, dass sie Luzifer verehren. „Macht über andere Menschen oder Wissen über Unbekanntes“ sind laut P. Traina die Lockmittel des Leibhaftigen.<h3> „Gott hat den Kampf schon gewonnen“</h3>Aus der Sicht des Theologen ist der Teufel in der Bibel ein Rebell, der Menschen zur Ablehnung Gottes verführen „und damit unsere Partnerschaft mit dem Schöpfer zerstören will“. Der Ordenspriester stellte klar, dass Gott dem Menschen die Freiheit gebe, sich auf die Seite des Bösen zu stellen. Bis zum Schluss werde Satan aber nie die Oberhand behalten, „denn Gott hat schon gewonnen“. <BR /><BR /><h3> STICHWORT: Exorzismus</h3>Die katholische Kirche glaubt, dass das Böse nicht nur eine abstrakte Idee ist, sondern in verdichteter Form als Satan (Teufel) existiert; er will Menschen vom guten Weg abbringen und kann in sehr seltenen Fällen von ihnen sogar Besitz ergreifen. <BR /><BR />An mehreren Stellen der Bibel wird erzählt, wie Jesus Besessene vom Bösen (Dämonen) befreit. Auf dieser Grundlage entwickelte sich der Exorzismus, bei dem Gebete und Beschwörungsformeln gesprochen und Kreuz und Weihwasser verwendet werden. Der Ablauf einer „Teufelsaustreibung“ ist im „Rituale Romanum“ aus dem Jahr 1614 festgelegt. Papst Johannes Paul II. ließ das Buch im Jahr 1999 überarbeiten. <BR /><BR />Der „Große (Feierliche) Exorzismus“ ist ein rund einstündiges und fast vollständig in lateinischer Sprache gesprochenes Gebet; dabei wird der böse Geist im Namen Jesu Christi aufgefordert, einen Besessenen zu verlassen. Nach den neuen Regeln muss vor der Durchführung des „Befreiungsgebetes“ immer mit der Hilfe von Medizinern und Psychiatern geklärt werden, ob nicht eine körperliche oder psychische Erkrankung vorliegt und daher andere Heilungsmöglichkeiten zielführender sind. <BR /><BR />Das Exorzismus-Ritual darf daher nicht spontan durchgeführt werden, grundsätzlich ist die ausdrückliche Erlaubnis des Bischofs vorgesehen. Dieser kann speziell ausgebildete Priester mit dem Dienst als Exorzisten beauftragen. Die vom Vatikan offiziell anerkannte Vereinigung zählt heute rund 900 Exorzisten und Hilfsexorzisten, fast die Hälfte davon ist in Italien im Einsatz.