Medienexperte Magnus Gebauer hat den Überblick und ordnet die Entwicklungen ein.<BR /><BR />Im Zuge eines vom Amt für Film und Medien organisierten Vortrages zeigte Magnus Gebauer, Experte für Bewegtbild- und Medientrends vom MedienNetzwerk Bayern, kürzlich in Bozen maßgebliche Entwicklungen im Mediensektor auf. Er verglich klassische Medien mit neuen Kanälen, skizzierte die Lage in Deutschland und jene in Italien, analysierte die Vorlieben der Nutzer, gab Einblicke in die Märkte. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1308696_image" /></div> <BR />Sein Fazit: Traditionelle Medienschaffende müssten sich dem Wandel stellen, allerdings seien gerade in Zeiten von KI und Fake News Werte wie Glaubwürdigkeit, Transparenz und Echtheit gefragter denn je. Im Überblick einige Schwerpunkte.<BR /><BR /><BR /><b>Dauerberieselung als Stressfaktor</b><BR /><BR />Ob gezielt im privaten Raum oder ungewollt in der Öffentlichkeit, heutzutage vermag man sich dem täglichen bzw. ununterbrochenen Nachrichtenstrom kaum noch zu entziehen. Womöglich ist gerade mit dieser dauerhaften Berieselung das Phänomen der Nachrichtenvermeidung zu erklären. So zeigt die Erhebung im Zehnjahreszeitraum zwischen 2015 und 2025, dass immer mehr Menschen versuchen, Nachrichten zu meiden – zumindest gelegentlich. Faktisch ist dieser Wert von 49 Prozent auf nunmehr 71 Prozent angestiegen. <BR /><BR />Zugleich ist der Anteil jener Personen, die angeben, an Nachrichten „sehr interessiert“ zu sein, von 70 Prozent auf 55 Prozent gesunken. <BR />Mehrere Gründe spielen hierbei eine Rolle: In erster Linie geben die Befragten an, dass die Nachrichten sich negativ auf ihre Stimmung auswirken würden (48 Prozent), dass zu viel über Kriege und Konflikte berichtet werde (39 Prozent) und dass man schlichtweg von der schieren Nachrichtenflut erschöpft sei (39 Prozent). <BR /><BR /><BR /><b>Zielsicher am Publikum vorbei</b><BR /><BR />Ähnlich wie Politiker müssen Medienschaffende permanent ihre Zielgruppe im Auge haben und sich fragen: Wen will ich mit meiner Arbeit erreichen und wie kann das gelingen? Hierbei spielt vor allem der Austausch mit den Menschen, die Ausgewogenheit, natürlich auch das Gespür für Themen und Stimmungen eine große Rolle. In dieser Hinsicht liefert eine Studie der Uni Hohenheim aufschlussreiche Erkenntnisse. So stimmt rund ein Fünftel der Befragten der Aussage zu, dass „die Meinungen in den Medien den eigenen ganz und gar nicht entsprechen“ oder dass „Medien nur bringen, was die Herrschenden vorgeben“. <BR /><BR />Eine vielsagende Erkenntnis: Ein Viertel der Befragten stimmt der Aussage zu, dass „Themen, die mir wichtig sind, in den Medien gar nicht ernst genommen werden“, weitere 30 Prozent können diese Feststellung zum Teil bestätigen. Das passt zum Gesamtbild, dass der Großteil der Befragten (62 Prozent) einer weiteren Umfrage vorgibt, „sich nicht in der Berichterstattung deutscher Medien wiederzufinden“. <BR /><BR /><BR /><b>Trends und neue Perspektiven</b><BR /><BR />Angesichts der Umwälzungen im Sektor wird den aktuellen Trends im Mediensektor besonderes Interesse zuteil. Das Spektrum ist vielfältig und es bricht großteils radikal mit alten Gewohnheiten. So reicht die Bandbreite der Trends vom fluiden Medienerleben (Inhalte können flexibel und jederzeit konsumiert werden) über das erstarkte Bedürfnis nach mehr menschlicher Nähe bis hin zum Wunsch nach Vertrauen und Glaubwürdigkeit. <BR /><BR />Somit gewinnen gerade die Werte, die von den klassischen Medien verkörpert werden, an Bedeutung. Allerdings in neuen Formaten und Ausspielungsarten. <BR /><BR />Ein enormer Wachstumsmarkt wird derzeit den Smartphone-optimierten Micro-Dramas bescheinigt, hierbei werden in ein- bis zweiminütigen Mini-Episoden hochdramatische Plots inszeniert. Großes Potenzial wird auch dem Dialog zwischen Medien und Nutzern zugeschrieben, denn KI-generierte Chatbots eröffnen völlig neue Möglichkeiten der Informationsbeschaffung. Nutzer interagieren wie selbstverständlich mit Plattformen oder Communities, um an die Informationen zu gelangen. „Das Thema KI ist schon jetzt dabei, sämtliche Bereiche gehörig durcheinander zu wirbeln – auf diesen rasanten Wandel müssen sich die klassischen Medien zwangsläufig einstellen“, unterstreicht Gebauer.<BR /><BR /><b>Journalismus am Scheideweg</b><BR /><BR />Was lässt sich aus den Zahlen und Entwicklungen ableiten, in welche Richtung dürfte es gehen? Magnus Gebauer sieht die Rolle des Journalisten weiterhin als unverzichtbare Säule in der Meinungsbildung: „Durch die vielen KI-generierten Inhalte wird es schwieriger, Fake und Fakt zu unterscheiden, hier kommt dem Journalisten eine maßgebliche Aufgabe zu.“ Er rät dazu, bewusster die Vielfalt der Lebensrealitäten und der Meinungen im Blick zu haben und diese auch abzubilden. <BR />Die Stärke des Journalismus liege in einer offenen und vorurteilsfreien Haltung, damit könne er Vertrauen gewinnen und seinen ureigenen Aufgaben gerecht werden.