Der in Brixen wohnhafte Ernährungsfachmann Matthias Unterkircher erläutert die Problematik. <BR /><BR />Vorneweg ein paar aufschlussreiche Daten: In Südtirol sind laut Gesundheitsdaten 22 Prozent der erwachsenen Bevölkerung übergewichtig, während 4,9 Prozent als adipös gelten. Und das Phänomen ist längst auch bei den Kindern angekommen: Annähernd 13 Prozent aller Kinder zwischen 8 und 9 Jahren sind übergewichtig und 2,6 Prozent schlagen sich in dieser Altersgruppe bereits mit Adipositas (schweres Übergewicht) herum. <BR /><BR /><b>Immer mehr Menschen neigen zum Übergewicht</b><BR /><BR />Jeder hat zwar eine Vorstellung von Übergewicht bzw. Adipositas, allerdings wackelt nun eines der hierfür maßgeblichen Kriterien: der Body-Mass-Index (BMI) – also das Verhältnis von Körpergewicht zur Größe. Demzufolge wird man mit einem BMI zwischen 25 und 29,9 als übergewichtig eingestuft, während bei einem Wert von über 30 Adipositas vorliegt. <BR /><BR />Kritik an dieser Formel ist nichts Neues, nun aber hat die internationale „Lancet“-Kommission mit über 50 Medizinern verschiedener Fachgebiete eine Neudefinition des Krankheitsbildes sowie umfassendere Diagnosen gefordert. Man könne nicht allen Menschen mit überschüssigem Körperfett dieselben gesundheitlichen Probleme attestieren, so eines der Argumente.<BR />Dem schließt sich auch der diplomierte Brixner Ernährungsberater Michael Unterkircher an. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1119273_image" /></div> „Der BMI ist zwar ein Richtwert für Normalbürger, doch gerade weil jeder Mensch unterschiedliche Voraussetzungen bzw. etwas anders gebaut ist, sollte man genauer hinschauen“, sagt er. Genauer hinschauen könne man mit neuartigeren, zielgerichteten Methoden – beispielsweise dem THQ (Taille-Hüft-Quotient), der Kalipometrie sowie der BIA-Messung. Die Berechnung des THQ erfolgt, indem der Umfang der Taille durch den Umfang der Hüfte geteilt wird. Demzufolge gilt ein THQ von unter 0,85 bei Frauen und von weniger als 1 bei Männern als gesund. Bei einem höheren Wert habe man ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und weitere Krankheiten, insbesondere dann, wenn das Körperfett als viszerales Fett vorwiegend im Bauchbereich angesiedelt ist („Apfeltyp“). <BR /><BR /><b>Bessere Methoden: THG, Kalipometrie, BIA-Messung</b><BR /><BR />Die Kalipometrie dagegen bedient sich spezieller Zangen, um den Fettanteil in den Hautfalten verschiedener Körperpartien zu messen. „Damit kann man das Fettgewebe punktuell am Bauch, am Rücken oder am Po ermitteln und Rückschlüsse ziehen, ob es sich um metabolisches Fettgewebe handelt, das man auch leichter wegtrainieren kann“, weiß Unterkircher. Bei der dritten Methode – der BIA-Messung – geht es um die exakte Ermittlung von Körperfett, Muskelmasse und Wasserhaushalt einzelner Körperpartien unter der Zuhilfenahme von Elektroden. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1119276_image" /></div> <BR />Der freiberuflich in einer Brixner und Bozner Privatklinik tätige Unterkircher hat sich im Verlauf seines Studiums an der „Deutschen Fachhochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement“ in Leipzig mit den Schwerpunkten Sporternährung, Ernährungspsychologie und Fitnesstraining befasst, im Praxisalltag stellt auch er einen „sehr stark ansteigenden Beratungsbedarf“ fest. <BR /><BR /><b>Unterkircher: „Adipositas ist sehr schädlich“</b><BR /><BR />Er weiß: „Adipositas ist sehr schädlich und gilt als Auslöser für eine Vielzahl von chronischen Krankheiten, allerdings müssen die Patienten gewillt sein, an sich selbst zu arbeiten. In der Regel bedeutet das, eigene Ernährungsmuster umzustellen und sich sportlich zu betätigen.“ Sportliche Betätigung umfasse mehr als bloße Bewegung, bei der Ernährung sei die mediterrane Kost „der Goldstandard“. Die relativ deftige Südtiroler Traditionsküche sei indessen zwar für Arbeiter oder Bauern angebracht, aber nicht für körperlich wenig aktive Büromenschen.