Samstag, 15. Januar 2022

Experten streiten in Italien um Infizierten-Listen

Die Experten, die die italienische Regierung im Umgang mit der Pandemie beraten, diskutieren über neue Kriterien zur Zählung der Corona-Infizierten.

Seit Weihnachten müssen immer mehr Covid-Patienten in Krankenhäusern behandelt werden.
Seit Weihnachten müssen immer mehr Covid-Patienten in Krankenhäusern behandelt werden. - Foto: © APA/dpa / Christoph Soeder
Mehrere Präsidenten der Regionen fordern eine Aktualisierung des Systems, nach dem täglich das Bulletin mit der Zahl der Ansteckungen und der Corona-Todesopfer verfasst wird. Die Regionen fordern, dass symptomfreie Patienten nicht zu den täglich infizierten Personen gezählt werden.

Hinzu könnten Patienten, die nach einer Krankenhauseinlieferung positiv auf das Coronavirus getestet wurden, getrennt von Personen gezählt werden, die wegen Covid im Spital behandelt werden müssen, fordern die Präsidenten der Regionen. Der Vorschlag ist umstritten.

Das wissenschaftliche Komitee CTS, das die Regierung von Premier Mario Draghi im Umgang mit der Pandemie berät, meint, man solle weiterhin auch symptomfreie Patienten berücksichtigen, die aus anderen Gründen ins Krankenhaus eingeliefert werden, aber im Spital auf Corona positiv getestet werden. Damit könne man die Pandemie besser kontrollieren und Varianten identifizieren, betonten die Experten. Man dürfe im Kampf gegen die Pandemie nicht nachlassen.

Gesundheits-Staatssekretär Pier Paolo Sileri sprach sich dafür aus, dass die Zahlen der Corona-Infizierten und Todesopfer nicht mehr täglich veröffentlicht werden, sondern lediglich wöchentlich. Die tägliche Veröffentlichung des Bulletins mit der steigenden Zahl der Infizierten löse Alarm unter der Bevölkerung aus.

Omikron überwiegt in Italien mit Anteil von 81 Prozent

Anders sieht die Lage die Ärztekammer. „Eine Änderung der Kriterien zur Zählung der Covid-Patienten ist sinnlos. Im Fokus muss stets die Belastung der medizinischen und intensivmedizinischen Bereiche stehen, wie auch immer diese bewertet wird“, sagte Filippo Anelli, der Präsident der Föderation der medizinischen Vereinigungen. „Wir fordern Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie und keine Schminkaktionen, die den tragischen Charakter und das Ausmaß der Pandemie verschleiern.“

Indes wurde bekannt, dass die Omikron-Variante in ganz Italien mit einem Anteil von 81 Prozent überwiegt. Das norditalienische Aostatal wird ab Montag als orange Zone eingestuft, es werden mittelstarke Corona-Restriktionen eingeführt.

Die Sieben-Tage-Inzidenz der Corona-Fälle in Italien steigt weiter an. Stand Donnerstag verzeichneten die Behörden in den zurückliegenden sieben Tagen landesweit durchschnittlich 1988 Corona-Infektionen je 100.000 Einwohner, wie das Oberste Gesundheitsinstitut ISS unter Berufung auf Daten des Gesundheitsministeriums am Freitag in Rom mitteilte. Eine Woche zuvor lag der Wert noch bei 1669 Fällen.

Seit Weihnachten zeigt der Trend, dass immer mehr Covid-19-Patienten Betten in den Krankenhäusern belegen. Für die Intensivstationen gab das ISS den Italien-weiten Anteil mit 17,5 Prozent an. Damit liegt der Wert aber noch unter der Alarmschwelle von 30 Prozent.

apa