Donnerstag, 05. März 2020

Expertenkomitee war gegen Schulschließung wegen Coronavirus

Das von der Regierung Conte eingesetzte Expertenkomitee hatte sich am Montagnachmittag eigentlich gegen die Schließung der Schulen ausgesprochen, die am Abend von Ministerpräsident Giuseppe Conte doch beschlossen und verkündet wurde.

Die Schulschließungen  in Italien waren vom Expertenkomitee explizit nicht empfohlen worden.
Die Schulschließungen in Italien waren vom Expertenkomitee explizit nicht empfohlen worden. - Foto: © ANSA / LUCA ZENNARO
Medienberichten zufolge, stufte das Expertenkomitee die Schließung von Schulen und Universitäten als wenig effizient ein. Der Nutzen der Maßnahme sei wissenschaftlich kaum erwiesen. Dem Expertenkomitee gehören Fachleute des Gesundheitsministeriums sowie des „Consiglio superiore di sanitá“ und des „Istituto superiore di sanitá“ an.



Die Regierung habe somit in Eigenregie entschieden, die Schulen und Universitäten italienweit 10 Tage lang zu schließen, über die Expertenmeinung hinweg. Die Experten hatten zudem gemeint, eine Schulschließung habe – wenn überhaupt – erst ab einer Dauer von 2 Monaten eine mögliche Auswirkung auf die Eindämmerung des Coronavirus.

U
m die Ausbreitung zu stoppen, sollen vielmehr neue Verhaltensregeln gelten. Das Expertenkomitee der Regierung riet, bei Treffen zum Verzicht auf Umarmungen und Händeschütteln und einen Meter Abstand zwischen den Personen einzuhalten. Außerdem empfiehlt das Gremium, dass alle Personen im Alter von über 75 Jahren Menschenansammlungen unbedingt meiden und möglichst zu Hause bleiben sollen. In der besonders stark betroffenen Region Lombardei sollten schon Senioren ab 65 nicht mehr ausgehen.

Deutscher Lehrerverband gegen Schulschließungen wie in Italien

Der Deutsche Lehrerverband lehnt flächendeckende Schulschließungen wegen des neuartigen Coronavirus wie in Italien ab. Lange Komplettschließungen ohne „konkret nachgewiesene, bestätigte Verdachtsfälle“ halte er für falsch, sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. „Das wäre ein Maßnahmen-Overkill.“

Zwar gebe es auch in Deutschland sehr große Verunsicherung von Eltern, Lehrkräften und Schülern. Diese werde dadurch verstärkt, dass keine einheitliche Verfahrensweise in den Bundesländern erkennbar sei.

Ministerin in Niedersachsen: Generelle Schulschließungen unnötig

Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann hält generelle Schulschließungen im Kampf gegen das neuartige Coronavirus nicht für nötig. Sollte aber etwa eine Lehrerin erkranken, sei dies ein besonderer Fall. Dann müsse man darüber nachdenken, die Klasse zu Hause zu lassen oder die betroffene Schule für einen gewissen Zeitraum zu schließen, sagte die SPD-Politikerin der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

ds/dpa

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