Ein Mensch verbringt im Laufe seines Lebens durchschnittlich etwa ein Drittel seiner Zeit mit Schlafen. Eigentlich, denn immer mehr Menschen liegen nachts wach. „Die Zahl der Betroffenen ist in den vergangenen Jahrzehnten auch in Südtirol angestiegen“, bestätigt die Neurologin Dr. Viola Gschliesser. Ein hektischer Lebensstil spielt dabei wohl auch eine Rolle. Denn Stress schadet der Schlafqualität. Man möchte alles schaffen: Arbeit, Alltag, Schule, Freizeit. Auf was verzichtet man dann lieber? Auf den Theaterabend mit der Freundin oder den Schlaf? <h3> Wenig Schlaf, große Folgen</h3>„Schlafstörungen sind eine der am weitesten verbreiteten Störungen des Wohlbefindens. Sie belasten unser Gesundheitssystem und unsere Wirtschaft“, weiß Dr. Gschliesser. Ständiger Schlafmangel kann zu depressiven Stimmungslagen führen und langfristig das Risiko für kardiovaskuläre und neurodegenerative Erkrankungen wie Demenz erhöhen. <BR /><BR /> Davon sind längst nicht mehr nur Erwachsene betroffen. Das zeigt auch eine neue Erhebung aus den USA: Im Jahr 2017 schliefen 15,8 Prozent der Jugendlichen höchstens fünf Stunden, im Jahr 2023 waren es bereits 23 Prozent. Diese Entwicklung betrifft alle – unabhängig von Alter, Geschlecht oder anderen Merkmalen. Normalerweise sollten 13- bis 18-Jährige mindestens acht bis zehn Stunden pro Tag schlafen. „Die meisten Jugendlichen in Südtirol schlafen zu wenig“, sagt Dr. Gschliesser. Sie müssen früh aufstehen, um zur Schule zu gehen, und für die Strecke dorthin muss oft noch Zeit für Bus oder Zug eingeplant werden. <h3> Experte: „Smartphone ein möglicher Wachmacher“</h3>„Schlafmangel wirkt sich auf die Tagesleistung aus. Das kann zu Konzentrationsschwierigkeiten und verminderter Leistungsfähigkeit führen“, erklärt die Expertin. Erst vorgestern wurde im Landtag ein Beschlussantrag für einen späteren Schulbeginn angenommen (siehe eigenen Bericht). <BR /><BR />Die Gründe, warum junge Menschen zu wenig schlafen, sind unterschiedlich. Einer davon ist das Smartphone. Das bestätigt auch der Sozialpädagoge Manuel Oberkalmsteiner vom Forum Prävention. „Spätestens eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen sollte das Smartphone beiseitegelegt werden“, rät er. Besonders soziale Medien lenken ab und können schlimmstenfalls zu einer Sucht führen (wir haben berichtet).<BR /><BR />Es gibt aber auch eine gute Nachricht: Immer mehr Menschen mit Schlafstörungen suchen Hilfe. „Das Thema wird ernst genommen“, sagt Dr. Gschliesser, die Leiterin des Schlaflabors Brixen. Dort werden Schlafprobleme umfassend analysiert. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1288287_image" /></div> <BR /><b>Beschlussantrag: Landtag für einen pilotmäßig späteren Schulbeginn</b><BR /><BR />Der Landtag hat am Mittwoch den Beschlussantrag „Schulbeginn später: mehr Schlaf, mehr Lernerfolg“ mit 29 Ja-Stimmen und vier Enthaltungen angenommen. „Neuere Erkenntnisse der Schlaf- und Hirnforschung zeigen, dass Jugendliche morgens mehr Schlaf brauchen und vor neun Uhr häufig nicht leistungsfähig sind“, so Einbringer Thomas Widmann (Für Südtirol mit Widmann). <BR /><BR />Ob ein Unterrichtsbeginn ab neun Uhr sinnvoll ist, soll unter Einbeziehung von Schulen, Eltern, Lehrpersonen und Fachwissenschaften analysiert werden. Bereits ab dem Schuljahr 2026/2027 sollen Pilotprojekte für einen späteren Unterrichtsbeginn an ausgewählten Schulen unterschiedlicher Stufen gefördert werden. „Wir werden gleitende Eintrittszeiten anbieten müssen. Dann ist in der ersten Stunde kein Unterricht, sondern selbstorganisiertes Lernen“, erklärte Landesrat Philipp Achammer in seiner Replik.