„Die ideale Wohlfühltemperatur liegt für die meisten Menschen zwischen 15 und 25 Grad Celsius. Aber auch wenn es wärmer wird, kann unser Körper mit Hitze eigentlich ganz gut umgehen. Kritisch wird es jedoch bei über 36 Grad Außentemperatur und hoher Luftfeuchtigkeit: Da schaffen wir es durch das Schwitzen nicht mehr, unseren Körper ausreichend abzukühlen. In trockener Luft kann man hingegen auch bei höheren Temperaturen noch gut schwitzen“, so Dr. Pycha. <BR /><BR />Droht man zu überhitzen, sorgt das Gehirn dafür, dass mehr Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin ausgeschüttet werden, um den Körper vor der Ausnahmesituation zu warnen. „Und weil sich dieser Stress auf die Gefühlsregulation auswirkt, tendiert man, gereizter und sogar aggressiver zu reagieren.“ <BR /><BR />Nicht umsonst ereignen sich während der Sommermonate mehr Verkehrsunfälle – dies auch, weil Impulskontrolle und Konzentrationsfähigkeit nachlassen: Das liegt daran, dass der Körper dehydriert, wenn er seine Temperatur durch Gefäßerweiterung und Schwitzen reguliert, zugleich aber nicht ausreichend Flüssigkeit zugeführt wird. Damit wird auch das Gehirn nicht mehr mit genug Sauerstoff versorgt.<BR /><BR />Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen die Wechselwirkung zwischen extrem hohen Temperaturen und Gemütszustand. Beispielsweise zeigte im Jahr 2015 eine US-Untersuchung im Profi-Football: Je heißer es war, desto öfter begingen die Spieler Regelverstöße. Einer anderen Studie zufolge, die 2024 in einer Haftanstalt in Mississippi gemacht wurde, stieg die Gewaltbereitschaft der Insassen bei stark erhöhten Temperaturen nachweislich an. <BR /><BR />Tropennächte verschlimmern die Lage. „Wenn es auch in der Nacht nicht abkühlt, kommt der Organismus da auch nicht zur Ruhe. Und Hitze ist nicht gleich Hitze: Je höher die Luftfeuchtigkeit ist, desto gesättigter ist die Luft mit Wasserdampf. Der Schweiß auf der Haut verdunstet kaum mehr, wodurch der kühlende Effekt ausbleibt und der Körper noch mehr schwitzt“, beschreibt Dr. Pycha den Teufelskreis.<BR /><BR />Helfen kann man dem Körper durch ausreichende Flüssigkeitszufuhr, indem man im Schatten bleibt und kühle Räume aufsucht, alles etwas langsamer angehen lässt und – wenn man gerade seinen wohlverdienten Urlaub genießt – natürlich durch einen Sprung ins kühle Nass. Doch die Wetterdaten belegen, dass die Quecksilbersäule von Jahr zu Jahr weiter nach oben klettert, Dr. Pycha sieht darin „eine große Gefahr für die Zukunft“. <BR /><BR />Früher noch die Ausnahme, sind Klimaanlagen am Arbeitsplatz heute kaum mehr wegzudenken, und auch in Privathaushalten sind sie auf dem Vormarsch. „In einigen Ländern wird heute schon mehr Geld für die Kühlung von Räumen ausgegeben als für deren Erwärmung. Und das lässt wiederum den Energieverbrauch in die Höhe schnellen“, gibt Dr. Pycha zu bedenken.