Donnerstag, 29. Juli 2021

Fackelzüge gegen Grünen Pass in Italien

In einigen italienischen Großstädten sind am Mittwochabend Demonstranten auf die Straße gegangen, um gegen den Grünen Pass als Bedingung für die Zulassung in Lokalen, Kinos, Theatern und Sportzentren zu protestieren.

In Mailand gingen Protestanten auf die Straße.
In Mailand gingen Protestanten auf die Straße. - Foto: © ANSA / Mourad Balti Touati
Demonstrationen gab es unter anderem in Mailand, Turin und Rom. Die Demonstranten skandierten Slogans gegen Premier Mario Draghi, gegen prominente Virologen und gegen die Corona-Restriktionen.

Zum zweiten Tag in Folge demonstrierten Menschen auf dem zentralen Piazza del Popolo in Rom gegen den Grünen Pass, den sie als „diskriminierend“ bezeichneten. An der Demonstration, bei der mehrere Personen Fackeln in der Hand hatten, beteiligten sich einige Parlamentarier der rechten Regierungspartei Lega, die sich zuletzt kritisch über die Zulassung in Lokalen mit dem grünen Impfzertifikat erklärt und sich damit Kritik seitens von Premier Mario Draghi zugezogen hatte.

„Wir sind nicht gegen Vakzine, wir sind für die freie Wahl“, so der Lega-Parlamentarier Claudio Borghi. In Mailand demonstrierten rund 200 Personen vor dem Theater La Scala gegen den Grünen Pass.

Mattarella: Impfung ist eine „zivile und moralische Pflicht“

Die Protestkundgebungen folgten auf eine Entscheidung der Regierung von Ministerpräsident Mario Draghi, angesichts steigender Infektionszahlen die Corona-Regeln zu verschärfen. Ab dem 6. August ist in Italien unter anderem für Restaurantbesuche im Innenbereich, in Museen, Fitnessstudios und Schwimmbädern ein Impfnachweis, ein 48 Stunden lang gültiger negativer Corona-Test oder ein Genesungsnachweis notwendig. Die erweiterte Nutzung des Grünen Passes sei kein willkürlicher Akt, sondern eine Bedingung für Öffnungen, begründete Draghi den Beschluss.

Die Regierung prüft derzeit auch die Möglichkeit, nur Passagiere mit Grünem Pass auf Fernzügen zuzulassen. Auch eine Impfpflicht für die Lehrer vor Beginn des Schuljahres wird erwogen.

Präsident Sergio Mattarella rief am Mittwoch die Italiener auf, sich impfen zu lassen. Die Impfung sei eine „zivile und moralische Pflicht“, sagte das Staatsoberhaupt, der Bürger und Politik zu „kollektiver Verantwortung“ aufrief. „Die Pandemie ist noch nicht zu Ende. Das Virus mutiert und ist noch ansteckender. Nur dank der Vakzine können wir die Pandemie eingrenzen“, sagte Mattarella bei einem Treffen mit Journalisten im Quirinalpalast in Rom.

apa/stol