Obwohl das Schiff in Schieflage geriet, habe die Brücke zunächst nicht die Evakuierung angeordnet, berichteten südkoreanische Medien am Donnerstag.Überlebende kritisierten, dass sich mehr Passagiere hätten retten können, wenn diese nicht angewiesen worden wären, sich nicht von der Stelle zu bewegen. Hinterfragt wird zudem, warum die meisten Rettungsboote nicht zu Wasser gelassen worden seien.Kritik gibt es auch an den Behörden, die erst keine Zahlen liefern konnten und später die Angaben über Vermisste und Gerettete korrigieren mussten.Ermittlungen gegen Kapitän Aus Kreisen der Küstenwache verlautete, gegen den 69-jährigen Kapitän seien Ermittlungen aufgenommen worden. Medienberichten zufolge könnte er unter anderem wegen fahrlässiger Tötung angeklagt werden.Unbestätigten Meldungen zufolge soll er als einer der ersten gerettet worden sein. Weder die Küstenwache noch der Betreiber der „Sewol“ nahmen zu den Berichten Stellung.Keine weiteren ÜberlebendenAm zweiten Tag nach dem Untergang haben die Rettungskräfte keine weiteren Überlebenden gefunden. Allein von Mitternacht bis Donnerstagfrüh suchten Taucher nach Angaben der Regierung fünf Mal am Wrack der „Sewol“ nach Hinweisen auf die etwa 290 Vermissten.Zuvor hatten Rettungskräfte Medien zufolge an den Rumpf des gekenterten Schiffs gehämmert in der Hoffnung, eine Antwort aus dem Inneren zu erhalten. Experten schlossen zwar nicht aus, dass weitere Menschen überlebt haben könnten. Die Chance sei „nicht gleich Null“, sagte David Jardine-Smith von der International Maritime Rescue Federation. Allerdings werde die Zeit knapp.Die Ursache des Unglücks war weiterhin unklar. Die Fähre war am Mittwoch etwa 20 Kilometer vor der Südküste der Halbinsel mit 475 Menschen an Bord gekentert und dann gesunken. Neun Leichen wurden nach Angaben der Regierung in Seoul geborgen, 179 Menschen seien gerettet worden.apa/dpa/reuters