Montag, 03. September 2018

Fahrzeugbrand: Wie verhalte ich mich richtig?

Es passiert immer wieder, auch auf Südtirols Straßen und es ist die Horrorvorstellung eines jeden Autofahrers: Das Fahrzeug fängt zu brennen an. Ingenieur Christoph Oberhollenzer, Direktor des Landesverbandes der Freiwilligen Feuerwehren Südtirols, erklärt im Gespräch mit STOL, warum und wie oft das passiert und was dann zu tun ist.

Wie man sich bei einem Autobrand richtig verhält, erklärt Christoph Oberhollenzer, Direktor des Landesverbandes der Freiwilligen Feuerwehren Südtirols. - Foto: Shutterstock
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Wie man sich bei einem Autobrand richtig verhält, erklärt Christoph Oberhollenzer, Direktor des Landesverbandes der Freiwilligen Feuerwehren Südtirols. - Foto: Shutterstock

Ein Auto, das in Flammen aufgeht, ist zum Glück zwar keine Alltäglichkeit, doch völlig gebannt ist die Gefahr nicht. Erst am gestrigen Sonntag kam es, wie berichtet, auf der Südspur der A22 zu einem Fahrzeugbrand in einem Tunnel. Die Gründe für einen solchen Fahrzeugbrand sind vielfältig und reichen von defekten Kabeln über poröse Kraftstoffleitungen bis hin zum Marderbiss. Wirkungsvoll vorbeugen kann man leider kaum, dafür aber im Fall der Fälle richtig handeln.

Alle wichtigen Antworten auf unsere Fragen zum brandheißen Thema liefert Christoph Oberhollenzer, Direktor des Landesverbandes der Freiwilligen Feuerwehren Südtirols. 

Ingenieur Christoph Oberhollenzer, Direktor des Landesverbandes der Freiwilligen Feuerwehren Südtirols

Südtirol Online (STOL): Wie viele Autobrände ereignen sich pro Jahr in Südtirol? Gibt es in letzter Zeit eine Zunahme von Autobränden?

Christoph Oberhollenzer: Durchschnittlich rücken unsere Feuerwehren in Südtirol pro Jahr zu rund 1000 Bränden aus, bei 100 davon handelt es sich um Fahrzeugbrände. Die Anzahl an Fahrzeugbränden ist gemessen an der Einwohner- und damit der Fahrzeuganzahl vergleichbar mit Werten, die mir aus Österreich und Deutschland vorliegen. Gemäß unseren Einsatzstatistiken hat es in den letzten Jahren keine wesentlichen Änderungen bei der Anzahl der Fahrzeugbrände gegeben. Autos brennen viel seltener als allgemein angenommen. Gemäß einem Forschungszentrum in Deutschland ereignen sich bei Fahrzeugen mit klassischem Verbrennungsmotor „nur“ 90 Fahrzeugbrände pro einer Milliarde gefahrener Kilometer. Für Elektrofahrzeuge gibt es noch keine ausreichenden Daten. Man geht davon aus, dass diese Fahrzeuge ein vergleichbares Sicherheitsniveau aufweisen.

STOL: Was sind eigentlich die typischen Brandursachen? Und brennen Autos eher im Sommer?

Christoph Oberhollenzer: Ursache für einen Fahrzeugbrand sind häufig technische Defekte am Kraftstoffsystem und der Fahrzeugelektrik, die auf mangelnde Fahrzeugwartung zurückzuführen sind. Durch unsachgemäß durchgeführte Reparaturen und nicht fachmännisch eingebaute Zusatzkomponenten und Tuningmaßnahmen kann es auch zu Fahrzeugbränden kommen. Brände nach Unfällen sind dagegen ein sehr seltenes Ereignis: weniger als 1 Prozent aller schweren Unfälle führen zu einem Brand. Weitere Brandursachen können Marderschäden und auch die heiße Auspuffanlage beim Parken auf trockenem Gras oder Laub sein. Ein Teil der Fahrzeugbrände hat auch einen kriminellen Hintergrund, wie z.B. Racheakte bis hin zu Versicherungsbetrug. Dass es im Sommer vermehrt zu Fahrzeugbränden kommt ist vor allem auf das erhöhte Verkehrsaufkommen und auch auf die Hitze, welche die Brandentstehung begünstigt, zurückzuführen.

STOL: Wie können Fahrzeugbrände vermieden werden?

Christoph Oberhollenzer: Um technische Defekte zu vermeiden ist eine regelmäßige Überprüfung und Wartung des Fahrzeuges durch Fachwerkstätten notwendig. Etwaige Zusatzkomponenten müssen fachmännisch eingebaut werden. Wenn während der Fahrt Mängel wie Ausfall von Instrumenten oder Leistungsabfall des Motors oder sogar Brandgeruch festgestellt werden, muss eine Fachwerkstatt aufgesucht bzw. das Fahrzeug sogar umgehend abgestellt werden. Um Unfälle, welche einen Brand zur Folge haben können, möglichst zu vermeiden ist eine vorsichtige und umsichtige Fahrweise notwendig.

STOL: Wie entwickelt sich ein Fahrzeugbrand? Kann es zu einer Explosion kommen?

Christoph Oberhollenzer: Fahrzeugbrände verhalten sich keineswegs so, wie es in Filmszenen häufig dargestellt wird: Fahrzeuge explodieren in aller Regel nicht. Brände entstehen vorwiegend im Motorraum und breiten sich in der Regel nur langsam aus. Ein Übergreifen auf den Innenraum bei unbeschädigten Fahrzeugen erfolgt erst nach 5 bis 10 Minuten. Die Gefahr einer Explosion besteht im Brandfall allenfalls bei Fahrzeugen mit Gasantrieb und Wohnmobilen, die Gasflaschen mitführen.

STOL: Welche Gefahren gehen von Fahrzeugbränden aus?

Christoph Oberhollenzer: Wie bei allen Bränden geht auch bei Fahrzeugbränden die Hauptgefahr nicht von Flammen und Hitze, sondern vom Brandrauch aus. Fahrzeuge enthalten Treib- und Schmierstoffe und sind zu einem großen Teil aus Kunststoffen  gefertigt. Bei einem Brand entstehen so verschiedene toxische Gase, welche Menschen gefährden können.

STOL: Was tun, wenn ein Fahrzeugbrand entsteht?

Christoph Oberhollenzer: Im Brandfall gilt folgende Vorgangsweise:

  • nicht in Panik geraten und Ruhe bewahren! Wie schon erwähnt breitet sich ein Brand im Motorraum erst nach 5 bis 10 Minuten auf den Innenraum aus
  • sofort Lüftung ausschalten, um ein Eindringen der Rauchgase in das Fahrzeug zu verhindern
  • Warnblinker einschalten und Fahrzeug zügig in einen sicheren Bereich am Fahrbahnrand abstellen, Handbremse ziehen und Motor ausschalten; aus Tunnels möglichst noch ins Freie fahren
  • alle Insassen müssen das Fahrzeug verlassen
  • Feuerwehr über Notruf 112 alarmieren, Warnweste anziehen und Warndreieck aufstellen
  • Entstehungsbrand sofern vorhanden mit Feuerlöscher bekämpfen; Hinweis: LKW oder Busse haben Feuerlöscher an Bord; diese gegebenenfalls vorsichtig anhalten; nach Ablöschen auf Gefahr von Rückzündungen achten
  • auf Eintreffen der Feuerwehr warten

Wenn keine Löscher zur Verfügung stehen, darf die Motorhaube nicht geöffnet werden, um Luftzufuhr und damit eine schnellere Brandausbreitung zu verhindern. Autos dürfen nach einem gelöschten Motorbrand keinesfalls mehr in Betrieb genommen werden. Sie müssen in eine Werkstatt geschleppt und überprüft werden.

STOL: Sollte man also einen Feuerlöscher im Auto mitführen?

Christoph Oberhollenzer: Im Brandfall ist es natürlich von Vorteil, wenn ein Feuerlöscher zur Verfügung steht. Für Fahrzeugbrände geeignet sind Feuerlöscher mit ABC-Pulver. Um einen wirkungsvollen Löscheffekt zu erzielen, sollte die Pulvermenge mindestens 2 kg betragen. Der Feuerlöscher muss im Fahrzeug gut gesichert werden, um eine Gefährdung bei einer Vollbremsung oder einen Unfall zu vermeiden. Alle zwei Jahre ist eine Überprüfung des Feuerlöschers durch einen Fachkundigen erforderlich, um seine Funktionsfähigkeit sicherzustellen. In Österreich, Deutschland und Italien sind Feuerlöscher in Personenkraftwagen derzeit nicht verbindlich vorgeschrieben.

STOL: Wie wird ein Feuerlöscher gehandhabt? Gibt es dafür eigene Kurse?

Christoph Oberhollenzer: Auf jedem Feuerlöscher ist die Bedienungsanleitung aufgedruckt. Auch wenn alle Feuerlöscher einfach zu bedienen sind, sollte man sich bereits vor einem Notfall im Vorfeld mit der Handhabung vertraut machen. Denn nur was in „Friedenszeiten“ trainiert wird, kann im Ernstfall funktionieren. An der Landesfeuerwehrschule werden Brandschutzkurse für Betriebe und interessierte Personen angeboten, bei welchen auch die Bedienung der Feuerlöscher erklärt und in der Praxis gezeigt wird. Auch bei den örtlichen Feuerwehren kann man sich wichtige Tipps holen.

STOL: Wie wird ein Fahrzeugbrand mit einem Feuerlöscher bekämpft?

Christoph Oberhollenzer: Es sind folgende Punkte zu beachten:

  • Motorhaube entriegeln,
  • Feuerlöscher gemäß Bedienungsanleitung betriebsbereit machen,
  • erste Löschstöße in den Schlitz zwischen Motorhaube und Kühlergrill geben
  • Motorhaube nur einen Spalt öffnen und kurze Löschstöße in den Motorraum richten (dabei jedoch die eigene Sicherheit – Verbrennungsgefahr – berücksichtigen, Handschuhe oder Werkzeug zum Öffnen benützen),
  • darauf achten, dass man den Wind im Rücken hat, damit man kein Löschpulver oder Rauch einatmet,
  • Steigt weißer Rauch auf, ist der Brand gelöscht,
  • wenn möglich einen Rest Löschmittel zurückbehalten, falls der Brand wieder aufflammt.

Vor 5 Jahren hat Christoph Oberhollenzer bereits in einem Video erklärt, wie man sich im Falle eines Fahrzeugbrandes verhält.

Interview: Verena Stefenelli

stol