<b>Von Johannes Vötter</b><BR /><BR />Den Anfang bildet nur ein „Bimm“ am Smartphone. Das Signal einer SMS. Mitunter kommt diese zu ungewöhnlichen Zeiten, etwa mitten in der Nacht oder beim Einschalten des Geräts. Der Inhalt wirkt glaubwürdig: „Auf das registrierte Kenn- zeichen wurde ein Verkehrsvergehen verzeichnet. Wir bitten Sie, die weiteren Details hier einzusehen.“ <BR /><BR />Was folgt, ist ein Link, der auf eine täuschend echt wirkende Plattform führt. Diese sieht wie jene aus, über die Gemeinden italienweit digitale Strafzettel und andere Verwaltungsakte zustellen. Die Kopfzeile trägt den Namen „SEND“, das Erscheinungsbild wirkt seriös, ein Formular fordert zur Eingabe persönlicher Daten und Zahlung auf.<h3> Achtung, genau hier tappen Sie in die Falle!</h3>Denn diese vermeintliche Behördenseite ist ein betrügerischer Klon. Ziel ist es, die Opfer gleich doppelt zu schädigen. Einerseits soll das angebliche Bußgeld abgezockt werden, andererseits versuchen die Täter, an Kreditkartendaten zu gelangen, um später weitere Abbuchungen veranlassen zu können. <BR /><BR />Die Masche nutzt dabei eine reale Entwicklung: Die Gemeinden setzen vermehrt auf die digitale Zustellung von Bescheiden. Gerade nach dem Urlaub kann eine solche SMS auch glaubwürdig erscheinen. Denn wer mit dem Auto unterwegs ist, übersieht leicht mal eine verkehrsbeschränkte Zone (ZTL), parkt falsch oder wird vielleicht geblitzt. Dann ist der Strafzettel nicht weit.<h3> So funktioniert die neue Betrugsmasche</h3>Italienweit wird inzwischen vermehrt vor diesem Nepp gewarnt. Vor allem Behörden aus Regionen mit vielen Urlaubern warnen, etwa in Küstengebieten, wo viele Gäste mit dem eigenen Auto unterwegs sind. Gerade hier können Bußgeldbescheide nach dem Urlaub ein Thema sein. Die verstärkte Digitalisierung der Gemeindeverwaltung macht die Masche besonders wirkungsvoll. Strafzettel und andere Mitteilungen werden nämlich nicht mehr nur per Einschreibebrief (it. „raccomandata“ genannt) zugestellt. Zunehmend erfolgt dies digital – etwa über zertifizierte elektronische Postadressen (PEC) oder über das staatliche Zustellsystem „SEND“.<BR /><BR />Der Zugang zum digitalen Bescheid erfolgt in Wirklichkeit aber nie über direkte Links in SMS oder WhatsApp-Nachrichten. Nein, Nutzer können die Dokumente nur über das offizielle SEND-Portal oder über die staatliche „IO“-App abrufen. Genau diese Unwissenheit machen sich die Betrüger zunutze: Sie umgehen die komplexe Anmeldung – mittels digitaler Identität (SPID) oder elektronischer Identitätskarte (CIE) – und bieten einen scheinbar einfachen Zugang an. Ein paar Klicks genügen, um auf einer gefälschten Seite zu landen. <h3> Wie also nicht in diese böse Falle tappen?</h3>Grundsätzlich gilt: Digitale Strafzettel werden in Italien einzig über die offiziellen Kanäle zugestellt. Die staatliche Agentur für Cybersicherheit (ACN) weist darauf hin, dass Benachrichtigungen ausschließlich über die „IO“-App, die zertifizierte PEC-Adresse oder weiterhin per Einschreiben in Papierform erfolgen. Eine Kurznachricht mit einem bereits integrierten Zahlungslink sei daher ein klares Warnsignal. Eine solche SMS könne der jeweiligen Gemeinde oder per E-Mail an truffe@pagopa.it gemeldet werden. Und was, wenn man bereits gezahlt hat? Dann bleibt laut Verbraucherschützern nur noch eines: Die Kreditkarte umgehend sperren und Anzeige erstatten! Der überwiesene Betrag ist in der Regel aber verloren, eine Rückerstattung durch die Kreditkartenanbieter erfolgt nicht.<BR /><h3> In Südtirol keine Fälle von „SEND“-Betrug bekannt</h3>Während italienweit Behörden vor gefälschten Strafzettel-SMS warnen, gibt es in Südtirol bislang noch keine Hinweise auf eine solche Betrugswelle. Weder Gemeinden noch Sicherheitsbehörden haben entsprechende Fälle registriert. Das ergab eine Anfrage der „Zett“ bei Dominik Oberstaller, Präsident des Südtiroler Gemeindenverbandes.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1342488_image" /></div> <BR />„Grundsätzlich kann man sagen, dass diese Problematik in Südtirol derzeit nicht besteht“, unterstreicht er. Laut Stadtpolizei Bozen und Carabinieri-Landeskommando seien bislang keine Meldungen eingegangen. Dennoch wolle man das Thema genau beobachten. Gemeinsam mit den zuständigen Behörden soll zudem eine Kommunikationslinie aufgebaut werden, um neue Betrugsversuche rasch bekannt zu machen. „Neue Betrügereien tauchen laufend auf. Wir müssen die Bürger hier möglichst früh informieren und unterstützen“, so Oberstaller. <BR /><BR />Denn mit der fortschreitenden Digitalisierung der Verwaltung sieht er zusätzlichen Handlungsbedarf. Neben Bozen nutzen derzeit erst einzelne Gemeinden die digitale Zustellung von Strafzetteln, es dürften jedoch bald mehr werden. Deshalb brauche es neben Prävention mehr Beratungsangebote wie die „Digi-Points“ in den Gemeinden.