Mittwoch, 17. März 2021

Fall Adan: Hauptverfahren beantragt

Im Fall des Todes von Adan Hussein (13) im Oktober 2017 steht eine Entscheidung unmittelbar bevor: Die Staatsanwaltschaft hat am Dienstag für 2 Ärztinnen die Einleitung des Hauptverfahrens wegen fahrlässiger Tötung beantragt. Vorverhandlungsrichterin Carla Scheidle hat beschlossen, die Ärztinnen persönlich anzuhören, bevor sie entscheidet.

Adan Hussein (13) starb im Oktober 2017 an einer Fettembolie. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen 2 Ärztinnen erhoben. Ob es zum Hauptverfahren kommt, entscheidet jetzt die Vorverhandlungsrichterin.
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Adan Hussein (13) starb im Oktober 2017 an einer Fettembolie. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen 2 Ärztinnen erhoben. Ob es zum Hauptverfahren kommt, entscheidet jetzt die Vorverhandlungsrichterin. - Foto: © COLLAB-BZ / Claudia Fornari
In ein mögliches Hauptverfahren wollen sich die Eltern des im Alter von 13 Jahren gestorbenen Jungen als Nebenkläger einlassen. Ob es so weit kommt, hängt nun davon ab, ob die Vorverhandlungsrichterin die Indizienlage für ausreichend ansieht, um dem Antrag der Staatsanwaltschaft zu entsprechen.

Die Verteidiger der Ärztinnen haben hingegen beantragt, das Verfahren bereits in dieser Phase einzustellen, da ihre Mandantinnen sich keinerlei Nachlässigkeit zu Schulden hätten kommen lassen.

Die Richterin wird nicht rein anhand der medizinischen Gutachten aus dem Beweissicherungsverfahren entscheiden. Am 6. April möchte sie die betroffenen Ärztinnen selbst anhören, um sich ein genaues Bild von der damaligen Situation machen zu können.

Medizinisches Gutachten erstellt

Wie berichtet, hatte die Staatsanwaltschaft anfangs die Namen von 10 Ärzten ins Ermittlungsregister eingetragen. Das Verfahren gegen 8 wurde eingestellt. Bei den beiden Ärztinnen glauben die Ermittler aber, eine potenzielle Mitverantwortung an Adan Husseins Tod ausgemacht zu haben. Das medizinische Gutachten, das im Rahmen eines Beweissicherungsverfahrens zum Tod des 13-Jährigen erstellt wurde, dürfte maßgeblich für den Ausgang der Erhebung gewesen sein. Der Amtssachverständige Sandro La Micela und sein Kollegium waren zum Schluss gekommen, dass bei der Diagnose von Adan Husseins Krankheitsbild Fehler unterlaufen sein dürften.

Laut Anklagesatz hätten es die Ärztinnen verabsäumt, anhand des Krankheitsbildes und der Röntgenaufnahme des Brustkorbes rechtzeitig die Diagnose auf massive Fettembolie zu stellen. Diese war ausgelöst worden, nachdem Adan einen Knochenbruch erlitten hatte, wodurch Fettgewebe freigesetzt worden war. Dieses war bis zur Lunge des 13-Jährigen, der an an einer Muskeldystrophie des sehr seltenen Typs Duchenne litt, gelangt. Laut Anklagesatz hätte eine schnellere Diagnose eine effizientere Behandlung garantieren können.

rc