Mittwoch, 14. November 2018

Fall Adan: Prüfung der Therapien

Im Todesfall von Adan Hussein sind noch etliche Punkte ungeklärt. Richter Emilio Schönsberg hat das Beweissicherungsverfahren am Mittwoch ausgeweitet: Bis Mai sollen die Gutachter abklären, ob – und wenn – durch welche Therapien das Leben des 13-Jährigen hätte gerettet werden können, berichtet das Tagblatt „Dolomiten“.

Adan war, laut Autopsie, infolge einer massiven Fettembolie gestorben.
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Adan war, laut Autopsie, infolge einer massiven Fettembolie gestorben.

Wie berichtet, ist Adan zusammen mit seinen Eltern und 2 Geschwistern Anfang Oktober vorigen Jahres von Schweden nach Bozen gelangt. Adan litt an einer Muskeldystrophie des sehr seltenen Typs Duchenne. Bei einem Sturz aus dem Rollstuhl hatte er sich beide Oberschenkel gebrochen. Am 6. Oktober wurde er ins Bozner Spital gebracht, wo die Brüche versorgt wurden.

Da Adan auch an Atemproblemen litt, wurde sein Brustkorb geröntgt. Das zweite Röntgenbild, das im Abstand von einigen Stunden zum ersten von seiner Lunge gemacht wurde, soll den Gutachtern zufolge eine Verschlechterung angezeigt haben – was der Arzt auch angemerkt habe. Adan wurde auf die Intensivstation gebracht, am 7. Oktober starb er.

Tod an einer Fettembolie

Adan war, laut Autopsie, infolge einer massiven Fettembolie gestorben. Fettembolien können aus zertrümmertem Fettgewebe oder durch Freisetzung aus dem Knochenmark bei Brüchen entstehen. Studien zufolge nehme eine Fettembolie zwar nur in rund 10 Prozent der Fälle einen tödlichen Verlauf. Ob dieser Prozentsatz bei Patienten, die an einer Duchenne-Muskeldystrophie leiden, möglicherweise höher ist, sollen die Gutachter nun abklären.

Auch steht noch die Frage im Raum, ob – und falls ja – durch welche unterstützenden Therapien Adans Leben hätte gerettet werden können.

Durch Röntgenbild hätten Alarmglocken schrillen sollen 

Die Gutachter der Ärzte, die Adan behandelt hatten und die unter dem Verdacht der fahrlässigen Tötung ins Ermittlungsregister eingetragen wurden, sind zum Schluss gekommen, dass nichts mehr für den Jungen getan werden konnte. Das berichtet die „Dolomiten“. Den Amtsgutachtern zufolge hätte das Röntgenbild eine Alarmglocke schrillen lassen müssen. Die Gutachter haben sich für die Expertise 90 Tage ausbedungen. Am 15. Mai geht das Beweissicherungsverfahren weiter und dürfte an diesem Tag auch  abgeschlossen werden.

D/rc

stol