Freitag, 12. Juni 2020

Fall Caciula: Staatsanwalt entscheidet über Anklage

Schon im Herbst könnte sich Lorys Daniel Caciula (22) wegen des Todes seiner Tante Nicoleta (46) erneut vor Gericht verantworten müssen. Ob ihm Mord vorgeworfen wird, dürfte sich in Kürze entscheiden. Gestern hat U-Richterin Carla Scheidle die Übermittlung der Fallakte an den Staatsanwalt verfügt.

In diesem Haus in Bruneck fanden Feuerwehrleute Nicoleta Caciula tot auf. Gegen ihren Neffen steht nun wieder der Mordverdacht im Raum.
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In diesem Haus in Bruneck fanden Feuerwehrleute Nicoleta Caciula tot auf. Gegen ihren Neffen steht nun wieder der Mordverdacht im Raum.
Wie berichtet, war Lorys Daniel Caciula schon ursprünglich Mord an Nicoleta Caciula vorgeworfen worden. Er wurde verdächtigt, sie im Juli 2018 in ihrer Wohnung in Bruneck erwürgt zu haben. Das Gutachten von Gerichtsmediziner Dario Raniero zeichnete aber ein anderes Szenario: Nicoleta Caciula war nicht erstickt, sondern einem Herzinfarkt erlegen – ausgelöst durch einen Selbstverteidigungsgriff ihres Neffen.

In der Folge milderte die Staatsanwaltschaft die Anklage in schwere Körperverletzung mit Todesfolge („omicidio preterintenzionale“) ab: Sie ging nun davon aus, dass der 22-Jährige, obwohl er seine Tante am Hals gepackt hatte, sie nicht töten wollte. Fatalerweise habe er ihr die Blut- und Luftzufuhr abgeschnitten. Über Caciula wurde bei einem Vergleich ein Strafmaß von 4 Jahren und 10 Monaten verhängt. Er blieb frei, da der Vergleich keine Rechtskraft erlangte.

Indes hatte nämlich die stellvertretende Generalanwältin am Oberlandesgericht, Donatella Marchesini, Kassationsbeschwerde eingelegt. Ihr zufolge sei die Straftat falsch eingestuft worden: Wenn man jemandem mehrere Sekunden lang die Kehle zudrücke, nehme man durchaus in Kauf, dass die Person sterben könne. Es handle sich doch um Mord – zumindest unter bedingtem Vorsatz, argumentierte sie.

Neuer Anklagesatz wird verfasst

Das Kassationsgericht annullierte den Vergleich, der Staatsanwalt verfasst nun einen neuen Anklagesatz. Der Verteidigung (Rechtsanwälte Angelo Polo und Andreas Stacul) zufolge sei nie bewiesen worden, dass Lorys Daniel Caciula seine Tante mit der Absicht, ihr die Blut- und Luftzufuhr abzudrücken, am Hals gepackt habe. Vielmehr habe er sie nur bewegungsunfähig machen wollen, da – wie sein Mandant ausgesagt hatte – sie ihm Avancen gemacht habe.

Sollte es doch wieder zu einer Mordanklage kommen, dürfte Lorys Daniel Caciula voraussichtlich ein verkürztes Verfahren beantragen.

d/rc