Die Fallakte ist angelegt, der nächste Schritt dürfte ein Rechtshilfeersuchen an Österreich sein, um 6 Rucksacktouristen anzuhören.<BR /><BR />Parallel dazu führt die Staatsanwaltschaft von Florenz Vorerhebungen durch – im Auftrag des italienischen Innenministeriums. 6 Monate hat sie Zeit, die Untersuchungen durchzuführen, um dann zu entscheiden, ob der Fall neu aufgerollt werden sollte. Ob letztendlich – sollten Verdachtsmomente auf eine Straftat gefunden werden – der Fall bei den Ermittlern in Florenz bleibt oder in Bozen, ist vorerst noch offen. <BR /><BR />Mit der Einleitung des Ermittlungsverfahrens durch die Bozner Staatsanwaltschaft verdoppelt sich jedenfalls die Chance, dass doch noch geklärt werden kann, was mit Evi Rauter passiert ist. Ihre Familie glaubt nicht an einen Suizid, nichts habe je darauf hingedeutet, dass Evi Rauter depressiv gewesen sein könnte. <BR /><BR />Im Gegenteil: Im Sommer 1990 hatte die 19-Jährige ihre Matura gemacht, dann war sie nach 2 Auslandsaufenthalten noch zu ihrer Schwester in die Toskana gefahren – am 10. September sollte sie eine Arbeitsstelle in Bozen antreten. Ihre Zukunft schien rosig. Doch am 3. September verschwand sie aus der Studentenwohnung ihrer Schwester Christine in Florenz. Sie hinterließ eine Nachricht, wonach sie nach Siena fahre und am Abend zurückkehren werde. Doch Evi Rauter kehrte nicht mehr zurück. Keine 24 Stunden später wurde in Spanien eine Frauenleiche gefunden, die ohne Namen blieb. Erst heuer im Frühjahr konnte das „Mädchen von Portbou“ identifiziert werden – als die seit 32 Jahren vermisste Evi Rauter aus Lana. <BR /><BR />Wie berichtet, hatte die TV-Sendung „Ungelöst – Cold Case Austria“ einen Bericht über die unbekannte Tote, die in Portbou erhängt aufgefunden worden war, gesendet. Eine Südtirolerin hatte in einem Hotel in Kärnten die Sendung gesehen und Evi Rauter wiedererkannt.<BR /><BR />Auch die katalanische TV3-Serie „Crims“ hatte sich des Falles angenommen. Gegenüber den TV3-Reportern hatte eine heute 90-jährige Anrainerin erklärt, sie habe damals eine Auseinandersetzung in einer ihr fremden Sprache gehört. War es Evi Rauter, die kurz vor ihrem Tod mit jemandem gestritten hat?<BR /><BR />In unmittelbarer Nähe des Fundortes ihres Leichnams hatten 6 junge Rucksacktouristen aus Österreich übernachtet. Sie waren damals von der spanischen Polizei befragt worden und hatten erklärt, sie hätten nichts Ungewöhnliches bemerkt. Nun sollen sie erneut angehört werden – und zwar über ein Rechtshilfeersuchen an Österreich, das die Bozner Staatsanwaltschaft wahrscheinlich schon in Kürze stellen dürfte. Es ist keine Seltenheit, dass sich jemand erst nach vielen Jahren an etwas erinnert, dessen Bedeutung ihm erst später klar wird. Und auf genau so eine Erinnerung hoffen jetzt die Bozner Ermittler.