Wie aus seiner Zeugenaussage bei der Staatsanwaltschaft in Pavia hervorgeht, erklärte Marco Poggi, er habe „niemals intime Videos“ seiner Schwester gesehen. Er wurde im Mai im Rahmen der wiederaufgenommenen Ermittlungen als Zeuge vernommen. Zugleich äußerte er sich zur Nutzung seines Computers durch Freunde aus seinem damaligen Bekanntenkreis. Nach seinen Angaben sei es äußerst unwahrscheinlich, dass diese den Rechner in seiner Abwesenheit benutzt hätten. <BR /><BR />„Wenn wir dort waren, war ich ebenfalls anwesend“, erklärte Poggi laut den Vernehmungsunterlagen. Vollständig ausschließen könne er lediglich nicht, dass er sich gelegentlich kurz entfernt habe, etwa um auf die Toilette zu gehen oder etwas zu trinken zu holen. Konkrete Erinnerungen daran habe er jedoch nicht.<BR /><BR />Die Aussagen stehen im Zusammenhang mit den neuen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zum Tötungsdelikt an Chiara Poggi. Die 26-Jährige war am 13. August 2007 in ihrem Elternhaus in Garlasco in der Lombardei getötet worden. Im Fokus der aktuellen Untersuchungen steht unter anderem Andrea Sempio, gegen den wegen Mordverdacht ermittelt wird. Die Ermittler vermuten, dass Sempio nach einem zurückgewiesenen Annäherungsversuch Chiara ermordet haben könnte. Sempio wird verdächtigt, intime Videos von Chiara mit ihrem Freund Alberto Stasi gesehen zu haben.<BR /><BR />Die Ermittler prüfen derzeit verschiedene Spuren und frühere Beweismittel erneut. Die neuen Aussagen von Marco Poggi sollen dazu beitragen, die damaligen Kontakte und Abläufe im persönlichen Umfeld der Familie genauer zu rekonstruieren. Inzwischen ist eine frühere Ermittlungsentscheidung erneut in den Fokus geraten. Dabei geht es um mehrere benutzte Taschentücher, die am Tattag auf dem Küchentisch des Hauses der Familie Poggi gefunden, jedoch nie kriminaltechnisch untersucht wurden.<BR /><BR />Der frühere Chef der Spezialeinheit RIS, Luciano Garofano, wies den Vorwurf der Nachlässigkeit zurück. Die Taschentücher seien bewusst nicht analysiert worden, sagte er in einer Fernsehsendung. Hintergrund seien die damaligen begrenzten technischen Möglichkeiten bei Ermittlungen gewesen. Nach Angaben Garofanos konzentrierten sich die Untersuchungen seinerzeit auf die Suche nach Blutspuren des Opfers oder eines möglichen Täters. Die verfügbaren Methoden hätten bei den Taschentüchern voraussichtlich keine verwertbaren Ergebnisse geliefert. Deshalb seien sie von weiteren Untersuchungen ausgeschlossen worden.<BR /><BR />Gleichzeitig räumte der ehemalige Ermittler ein, dass nicht ausgeschlossen werden könne, dass sich auf den Taschentüchern Spuren des Täters befunden hätten. Eine entsprechende Analyse sei jedoch nie vorgenommen worden. Garofano, der inzwischen als Berater der Verteidigung von Andrea Sempio tätig ist, hatte bereits Anfang Juni bislang unveröffentlichte Aufnahmen vom Tatort veröffentlicht. Die Bilder zeigen Untersuchungen mit Luminol in Küche und Badezimmer des Hauses.<BR /><BR />Nach seiner Darstellung sprechen die damaligen Spuren dafür, dass sich der Täter nach der Tat im Badezimmer und nicht in der Küche gereinigt habe. Während im Bad Schuhabdrücke sichtbar geworden seien, hätten sich in der Küche keine entsprechenden Spuren gefunden.<BR />Beim Absturz eines Hubschraubers am Lago Maggiore ist am Freitag ein Pilot ums Leben gekommen. Drei Passagiere an Bord des Hubschraubers wurden verletzt, teilten die Rettungskräfte mit. Der Unfall ereignete sich am späten Vormittag in Solcio di Lesa in der Provinz Novara. Nach ersten Informationen war der private Hubschrauber kurz zuvor von einer Villa in der Gegend gestartet. Die Unglücksursache ist noch ungeklärt.