Venditti, ehemals Staatsanwalt in Pavia, wird von der Justiz in Brescia der Bestechung im Amt beschuldigt - im Zusammenhang mit der ursprünglichen Einstellung des Verfahrens gegen Andrea Sempio, einen Freund von Marco Poggi, dem Bruder der Getöteten. Venditti wird bei der Anhörung am Dienstag persönlich anwesend sein. Sein Anwalt Domenico Aiello erklärte, sein Mandant sei durch den Vorwurf der Bestechung schwer belastet. Es handele sich um einen kritischen Moment für ihn. „Vendittis Ruf ist ruiniert - man hat einen Menschen zerstört“, so Aiello.<BR /><BR />Die Ermittlungen gegen Venditti seien, so der Anwalt weiter, „eine Ermittlung der Justiz gegen die Justiz“ und könnten verheerende Auswirkungen haben - selbst dann, wenn sich der betroffene Staatsanwalt als unschuldig erweisen sollte. „Bevor ein Staatsanwalt in das Ermittlungsregister eingetragen wird, wartet man normalerweise auf eindeutige Beweise. Wir befinden uns in einer wirklich traurigen Phase: Schon die Ermittlungen im Mordfall Chiara Poggi haben das Justizsystem erschüttert - und nun erfolgt ein weiterer Angriff auf das Justizsystem, weil behauptet wird, ein Staatsanwalt sei korrupt“, sagte Aiello. <BR /><BR />Venditti wird beschuldigt, Bestechungsgelder angenommen zu haben, um die Ermittlungen gegen Andrea Sempio einzustellen bzw. das Verfahren gegen ihn einstellen zu lassen. Bei den Ermittlungen wurde in einem Notizblock der Eltern von Sempio eine handschriftliche Notiz gefunden, mit Einträgen wie: „Venditti / GIP archivia X 20-30 Euro“. Diese Notiz wird als Indiz gewertet. Die Ermittler vermuten, dass sie sich auf die Verfügung zur Einstellung der Ermittlungen gegen Sempio bezieht. Venditti hatte 2017 und später im Jahr 2020 das Verfahren gegen Andrea Sempio zweimal einstellen lassen. Im zweiten Fall soll dies außergewöhnlich schnell erfolgt sein, was für manche Beobachter Anlass zu Verdacht gibt.<BR /><BR />Es wird kritisiert, dass bei den bisherigen Ermittlungen bestimmte Beweismittel oder wissenschaftliche Erkenntnisse - wie DNA-Spuren oder Zeugenaussagen - keine belastbaren Hinweise gegen Sempio ergeben hätten. Gleichzeitig wurden Vorwürfe laut, dass einige Abhörprotokolle nicht vollständig oder nur teilweise transkribiert bzw. übernommen worden seien. Darüber hinaus gibt es Hinweise auf ungewöhnliche Geldbewegungen innerhalb der Familie Sempio - etwa hinsichtlich Ausgaben, Kontobewegungen oder Transaktionen zwischen Familienmitgliedern -, die nach Ansicht der Ermittler im relevanten Zeitraum von Bedeutung gewesen sein könnten. Diese Aktivitäten fließen in die Gesamtermittlungen ein, um zu prüfen, ob Zahlungen erfolgt sind, die mit dem Vorwurf der Korruption in Verbindung stehen.