Ein Zeuge widerspricht der bisherigen Darstellung zum Parkticket von Vigevano, das Sempio vor Gericht als Beweis vorgelegt hatte. Mit dem Parkticket wollte der 37-Jährige beweisen, dass er sich am Tag des Mordes an Chiara Poggi im August 2007, nicht in Garlasco, sondern in der Stadt Vigevano aufhielt. Dieses Ticket war 2008 ein zentraler Punkt bei der Einstellung des Verfahrens gegen ihn. Sempio hatte damals erklärt, das Ticket sei erst Tage nach der Tat von seinen Eltern gefunden und der Polizei übergeben worden. Nun zeigen neue Ermittlungen Unregelmäßigkeiten bei der Übergabe. Die Staatsanwaltschaft ermittelt weiter. <BR /><BR />Sempio ist seit März im Fall Garlasco angeklagt, bei dem es um den Mord an der Wirtschaftsstudentin Chiara Poggi geht. Der Freund von Chiaras Bruder Marco verkehrte oft in der Wohnung von Chiaras Eltern. <BR /><BR />Inzwischen hat Sempio einen neuen Verteidiger. Dabei handelt es sich um den erfahrenen Anwalt Liborio Cataliotti. Er ersetzt Massimo Lovati, von dem sich der Angeklagte getrennt hatte, nachdem es zu Divergenzen über die Verteidigungslinie gekommen war.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1229055_image" /></div> <BR /><BR />An Sempios Seite steht weiterhin seine Jugendfreundin und Anwältin Angela Taccia. „Andrea vertraut mir sehr - sowohl wegen unserer zwanzigjährigen Freundschaft als auch, weil er mich als professionelle Anwältin kennt. Er hat die Kraft der Unschuld“, berichtete Taccia.„Oft wundere ich mich selbst, wie Andrea es schafft, so ruhig zu bleiben. Er sagt mir: 'Sie können sich nichts ausdenken - ich bin unschuldig. Je mehr sie ermitteln, desto mehr werden sie verstehen, wie und warum sich das alles so zugetragen hat'“, sagte Taccia. Die Anwältin betonte, dass es nicht einfach gewesen sei, ein neues Verteidigungsteam nach der Trennung von Anwalt Lovati aufzustellen. „Ich nenne uns Verteidigungstruppe, weil es am Ende ein echter Krieg ist. Und wer im Recht und in der Wahrheit ist, muss nichts fürchten. Man muss unbeirrt weitermachen, hart, ehrlich und gewissenhaft arbeiten“, berichtete Taccia.<BR /><BR />Für Sempio sei es „eine sehr schmerzhafte Entscheidung“ gewesen, das Mandat seines langjährigen Anwalts Lovati zu widerrufen. „Aber der Mandant entscheidet - ich habe mich da nicht eingemischt. Natürlich wissen Andrea und ich, dass Lovati ein Genie in seinem Fach ist. Doch in letzter Zeit hatte sich einiges geändert. Andrea schien nicht mehr seine erste Priorität zu sein. Besprechungen wurden verschoben, um zum Beispiel an Fernsehsendungen teilzunehmen. Er war bei wichtigen strategischen Sitzungen nicht mehr dabei. Das hat das Vertrauen meines Mandanten verständlicherweise erschüttert. Ich werde Lovati immer dankbar sein - er war mein erster Mentor, von ihm habe ich gelernt, dass am Ende der Mandant das letzte Wort hat“, erklärte die Anwältin. Trotz allem zeigt sich Taccia zuversichtlich, nun ein starkes Team zu haben: „Ich fühle mich nicht mehr allein“.