„Ehre, wem Ehre gebührt“ – doch auf welcher Grundlage werden Menschen geehrt oder gar zu Vorbildern erklärt? Mit dieser Frage setzte sich der Brixner Gemeinderat am Donnerstag auseinander. Anlass war ein Beschlussantrag der Grünen Bürgerliste Brixen (GBL). <BR /><BR />Der Beschlussantrag der Grünen Bürgerliste sieht vor, dass die Gemeinde Brixen Ehrungen, Auszeichnungen und Ehrenbürgerschaften künftig gemeinsam mit dem Historischen Archiv überprüft. Im Fokus stehen Personen, die heute im Verdacht stehen, „verwerfliche Handlungen begangen“ oder „antidemokratischen Bewegungen angehört“ zu haben. Laut Antrag soll dabei auch das Zentrum für Regionalgeschichte in Brixen in die Prüfungen einbezogen werden.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1318323_image" /></div> <h3> „Appell an die Sensibilität“</h3>Gemeinderätin Verena Stenico (GBL) betonte in ihrer Stellungnahme, es gehe nicht darum, „Geschichte zu verdrängen“, sondern vielmehr um einen „Appell an die Sensibilität“. Unterstützung erhielt der Antrag vom Team K. Auch die Mehrheitspartei SVP bezeichnete den Vorstoß laut Fraktionssprecher Alex Fischer als „sinnvoll“. Durch die Einbindung von Historikern und Gemeindeämtern verfolge man einen „ganzheitlichen Ansatz“ und lasse politischer Instrumentalisierung keinen Spielraum.<h3> Die Ehrenbürgerschaft des Alpini-Offiziers Gennaro Sora</h3>Antonio Bova, Fraktionssprecher von Fratelli d’Italia, erklärte, man halte den Antrag grundsätzlich für „richtig“. Gleichzeitig verwies Bova auf den nachfolgenden Antrag der Süd-Tiroler Freiheit (STF), der die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft des Alpini-Offiziers Gennaro Sora (1892–1949) zum Inhalt hatte. „Eine historische Einordnung soll durch Historiker erfolgen“, so Bova. Zudem sprach er sich gegen eine „politische Instrumentalisierung“ aus. Es gebe unterschiedliche Sichtweisen – auch bezüglich des Ersten Weltkrieges. Eine Bewertung von Seiten der Historiker sei richtig, „aber man wolle sich keine Schlacht liefern“. Der Antrag sei richtig, das „Problem aber sei, jemand aus politisch motivierten Gründen“ auszuschließen.<BR /><BR />Volle Zustimmung für den Beschlussantrag kam von STF-Gemeinderat Stefan Unterberger: „Es ist richtig, wenn Überprüfungen samt möglicher Neubewertungen vorgenommen werden.“ Der Beschlussantrag der GBL wurde mit 24 Ja-Stimmen bei zwei Enthaltungen (Fratelli d'Italia) – angenommen.<BR /><BR />Klar abgelehnt wurde hingegen der Beschlussantrag der STF zur Aberkennung der Ehrenbürgerschaft von Gennaro Sora. Antragsteller Unterberger argumentierte, Sora habe sich nicht nur am Abessinienkrieg beteiligt, sondern sei auch mitverantwortlich für das Massaker von Zeret im April 1939 gewesen, bei dem Hunderte Zivilisten getötet wurden. „Die Ehrenbürgerschaft für Sora ist nicht vertretbar. Eine Aberkennung wäre ein klares Signal“, so Unterberger.<h3> Fischer fordert fachliche Prüfung </h3>Gemeinderat Bova zeigte sich damit „nicht einverstanden“. Er erinnerte an die „Pionierarbeit“ Soras im Rahmen der Nordpolexpedition 1928 und betonte erneut, die historische Bewertung müsse Historikern überlassen werden. Er selbst wolle keine „historische Verantwortung über Sora übernehmen“ und unterstrich, man habe „nichts mit dem Faschismus zu tun“.<BR /><BR />Stenico verwies auf den zuvor angenommenen Antrag und betonte, dass eine historische Einordnung Sache der Historiker sei. Das Team K sprach sich für den Antrag der STF aus. Die SVP erklärte hingegen, eine konkrete Prüfung müsse Experten überlassen werden. „Eine fachliche Prüfung ist Voraussetzung für weitere Schritte“, so Fraktionssprecher Fischer. Der Beschlussantrag der STF wurde mehrheitlich abgelehnt.