Dienstag, 29. September 2020

Fall Heuschreck: Haftstrafe für Ester Quici gesenkt

Auf 9 Jahre und 4 Monate Haft reduziert hat das Berufungsschwurgericht in Trient am Montag die Strafe für Ester Quici. Die 36-Jährige war in erster Instanz im Todesfall Alessandro Heuschreck zu einer Haftstrafe von 10 Jahren verurteilt worden – nicht wegen Mordes, sondern wegen schwerer Körperverletzung mit Todesfolge. Am Oberlandesgericht Bozen hatten die Geschworenen das Urteil annulliert, Quici war wegen Mordes zu 16 Jahren Haft verurteilt worden.

Am Berufungsgericht Trient wurde die Haftstrafe für Ester Quici  auf 9 Jahre und 4 Monate gesenkt.
Badge Local
Am Berufungsgericht Trient wurde die Haftstrafe für Ester Quici auf 9 Jahre und 4 Monate gesenkt. - Foto: © ki
Nur eines war am Montag vor der Verhandlung am Berufungsschwurgericht in Trient klar: Ester Quici konnte nicht mehr wegen Mordes verurteilt werden. Dies hatte das Höchstgericht bereits im vergangenen Herbst entschieden. Beniamino Migliucci und Enrico Lofoco, die beiden Verteidiger von Quici, hatten Kassationsbeschwerde gegen das Urteil aus zweiter Instanz eingelegt. Und Recht bekommen. Die Höchstrichter schlossen sich dem Urteil an, zu dem die Geschworenen in erster Instanz gekommen waren. Diese waren zum Schluss gekommen, dass kein klarer Beweis für den genauen Zeitpunkt des Todes von Alessandro Heuschreck erbracht worden war. Bekanntlich war dieser am 21. März 2015 in Folge des hohen Blutverlustes gestorben, den er aufgrund von insgesamt 18 Schnitt- und Stichwunden erlitten hatte.

Die Anklage hatte Quici ursprünglich zur Last gelegt, sie habe ihrem damaligen Gefährten die Verletzungen zugefügt und erst dann den Notruf abgesetzt, als für Heuschreck bereits jede Hilfe zu spät gekommen wäre. Zudem habe sie versucht, die Spuren der Tat zu verwischen. Die Staatsanwaltschaft klagte Ester Quici schließlich des Mordes an.

Die Geschworenen kamen aber zu einem anderen Schluss. Für sie war es nicht Mord, sondern schwere Körperverletzung mit Todesfolge. Denn, wie in der Urteilsbegründung festgehalten, sei keiner der Schnitte oder Stiche für sich genommen lebensbedrohlich gewesen. Auch hätten weder der Zeitraum, in dem der 50-Jährige die Verletzungen erlitten hatte, noch jener, innerhalb dem er verblutet war, genau abgeklärt werden können. Das Urteil: 14 Jahre Haft.

Im September 2018 dann der Paukenschlag. Das Berufungsschwurgericht in Bozen annullierte das Urteil aus erster Instanz. Quici wurde wegen Mordes zu 16 Jahren Haft verurteilt. Dagegen hatten Migliucci und Lofoco Kassationsbeschwerde eingelegt. Und die Höchstrichter folgten der Argumentation der Verteidigung. Es blieb bei schwerer Körperverletzung mit Todesfolge. Der Fall wurde zur Neuzumessung des Strafmaßes an das Oberlandesgericht Trient rückverwiesen.

Am Montag mussten sich die Geschworenen in Trient mit dem Fall beschäftigen. Der Staatsanwalt forderte erneut eine Haftstrafe über 15 Jahre. Die Verteidigung hingegen führte ins Feld, dass ihre Mandantin bislang unbescholten sei, den gesamten Prozessverlauf hinweg stets mitverfolgt hat. Auch auf die schwierige private Situation von Quici – sie ist alleinerziehende Mutter – wurde hingewiesen. All dies wurde als allgemein mildernde Umstände anerkannt. Die 36-Jährige wurde schließlich zu 9 Jahren und 4 Monaten Haft verurteilt. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Quici bleibt auch weiterhin auf freiem Fuß.

em