<BR />Jennifer Scharinger galt seit 22. Jänner 2018 als vermisst. Ihr Arbeitgeber hatte alarmiert, nachdem die damals 21-Jährige nach einem Urlaub nicht zur Arbeit erschienen war. Rasch wurde klar: Weder ein freiwilliges Untertauchen noch Suizid oder Entführung kamen plausibel infrage – die Ermittler gingen früh von einem Gewaltverbrechen aus.<h3> Ein Verdächtiger von Anfang an</h3>Von Beginn an stand Jennifers damaliger Freund im Fokus. Er berichtete von einer Trennung, die er angeblich „sofort akzeptiert“ habe. Doch viele seiner früheren Beziehungen endeten laut Polizei in Streit, Gewalt oder Bedrohungen. Auch im Fall Jennifer gab es Widersprüche – aber keine Beweise: In der gemeinsamen Wohnung fanden kriminaltechnische Experten keinerlei Spuren eines Tötungsdelikts. Auch fehlte die Leiche.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1247763_image" /></div> <BR /><BR />Mehrere Suchaktionen, Grabungen und Einsätze mit Leichenspürhunden blieben über Jahre erfolglos. Dennoch, so betonten Polizei und Staatsanwaltschaft heute in einer rasch einberufenen Pressekonferenz, sei der Fall „niemals ein Cold Case“ gewesen.<h3>Der Wendepunkt: Eine Sprachnachricht im Jahr 2025</h3>Im Frühjahr dieses Jahres kam Bewegung in den Fall: Die Ermittler erhielten Zugriff auf eine Sprachnachricht, in der der Verdächtige detailliert erklärte, wie man eine Leiche spurenlos verschwinden lassen könnte. Es war die Rede von einem „perfekten Mord“. Für die Polizei sei das „hochrelevant“ gewesen – die Ermittlungen wurden erneut intensiviert, Handydaten ausgewertet, Ex-Partnerinnen vernommen.<BR /><BR />Am 2. Dezember wurde der Mann wegen Mordverdachts erneut einvernommen – ohne Geständnis. Nur einen Tag zuvor war gegen ihn aufgrund eines häuslichen Vorfalls ein Betretungsverbot verhängt worden.<h3> Geständnis unter Druck</h3>Wenige Tage später erschien der 43-jährige Verdächtige schließlich auf einer Polizeiinspektion in Niederösterreich. Es tue im Leid und er wollte das nicht, soll er den Beamten gesagt haben. In der anschließenden Vernehmung schilderte er, was am 22. Jänner 2018 passiert sein soll: Jennifer habe sich endgültig trennen wollen, es sei zum Streit und zu einer körperlichen Auseinandersetzung gekommen. Darin habe er sie von hinten gewürgt – so lange, bis kein Puls mehr fühlbar gewesen sei.<h3> Zwei Ablageorte</h3>Der Beschuldigte führte die Ermittler zu zwei Orten:<BR /><b><BR />Erster Ablageort:</b> Ein Windschutzgürtel bei Großweikersdorf. Dort soll er die entkleidete Leiche in einem Koffer transportiert und unter Ästen und Laub abgelegt haben.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1247766_image" /></div> <BR /><BR /><b>Zweiter Ablageort:</b> Weil er nach einer Handy- und Fahrzeugbeschlagnahme Angst vor einer Ortung gehabt habe, brachte er die Leiche Wochen später an einen abgelegenen Waldweg am Truppenübungsplatz Allentsteig.<BR /><BR />Dort fanden Ermittler nun verstreute Knochenteile – vermutlich durch Tiere verschleppt –, aber eindeutig Jennifer Scharingers sterbliche Überreste.<h3> Ermittlungen gehen weiter</h3>Der Mann ist laut Polizei umfassend geständig. Dennoch sind die Ermittlungen nicht abgeschlossen. Geplant sei eine weitere Obduktion,<BR />ein psychiatrisches Gutachten zur Zurechnungsfähigkeit und Gefährlichkeit sowie weitere Auswertungen der beschlagnahmten Mobiltelefone.<BR /><BR />Die Staatsanwaltschaft Wien beantragte Untersuchungshaft wegen Verdunkelungs- und Tatbegehungsgefahr. Die Strafdrohung für Mord liegt zwischen 10 und 20 Jahren Haft oder lebenslang.<h3> „Wir haben niemals aufgegeben“</h3>Die Behörden betonten, dass durchgehend ermittelt wurde – auch wenn entscheidende Beweise lange fehlten. Entscheidend sei gewesen, dass weder ein Tatort noch die Leiche gefunden worden waren.<BR /><BR />Zur Familie der Getöteten stand die Polizei all die Jahre in engem Kontakt. Die Mutter Jennifers sei über die Festnahme informiert worden, hieß es.