Donnerstag, 22. März 2018

Fall Kim Wall: Madsen bestreitet sexuellen Missbrauch

Der wegen Mordes angeklagte dänische Erfinder Peter Madsen hat zugegeben, auf den Leichnam der schwedischen Journalistin Kim Wall eingestochen zu haben. Anders als von der Staatsanwaltschaft angenommen, habe er dabei aber keine sexuellen Gedanken gehabt, betonte der 47-Jährige vor Gericht in Kopenhagen. „Es gab kein erotisches oder perverses Motiv“, sagte Madsen.

Staatsanwalt Jakob Buch-Jepsen vor dem Gericht in Kopenhagen am Donnerstag.
Staatsanwalt Jakob Buch-Jepsen vor dem Gericht in Kopenhagen am Donnerstag. - Foto: © APA/AFP

Zu Beginn des zweiten Verhandlungstages erklärte er sich erneut nicht schuldig und blieb dabei, dass die junge Schwedin im August bei einem Unglück an Bord seines U-Bootes starb. Madsen behauptet, dass Wall erstickte, weil Ventile nicht richtig geöffnet waren und durch den laufenden Motor giftige Gase ins Innere des Bootes kamen.

Die Staatsanwaltschaft dagegen wirft dem Erfinder nicht nur vor, die 30 Jahre alte Wall ermordet zu haben. Er soll sie zudem sexuell missbraucht haben, indem er ihr wiederholt Messer und spitze Schraubenzieher in den Körper rammte. Die Ermittler gehen davon aus, dass der exzentrische Erfinder die Tat im Voraus plante und deshalb Werkzeug mit an Bord nahm, als die beiden für ein Interview hinausfuhren.

Staatsanwalt hält an Theorie des sexuellen Motivs fest

Madsen erklärte, er habe erst auf die junge Frau eingestochen, als sie schon tot war. Das sei nötig gewesen, um sie auf See beizusetzen. Er habe dafür sorgen wollen, dass Gas aus der Leiche entweiche, damit sie nicht wieder an die Meeresoberfläche komme.

Um sie durch den engen Tunnel aus dem Boot zu bekommen, habe er die Leiche zerteilt, sagte Madsen. Warum er dabei auch den Kopf abtrennte, konnte er nicht erklären. Er habe zu dem Zeitpunkt nicht rational gedacht, sondern einfach nur gewollt, dass die Leiche aus dem U-Boot verschwinde.

Staatsanwalt Jakob Buch-Jepsen hielt an seiner Theorie eines sexuell motivierten Mordes fest. Er zeigte vor Gericht auch zwei animierte Videos von Madsens Festplatte, auf denen Frauen geköpft und gepfählt werden. Madsen bestritt, von solchen Videos sexuell erregt zu werden.

Die Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft für den Erfinder. Am Donnerstag soll ein Rechtsmediziner zu dem Fall befragt werden. Später soll auch eine ehemalige Geliebte Madsens aussagen und von seinen sexuellen Vorlieben berichten. Ein Urteil wird für den 25. April erwartet.

Rechtsmediziner haben Zweifel an Madsens Aussagen

Im Mordprozess gegen den dänischen U-Boot-Bauer Peter Madsen hat die Rechtsmedizin Zweifel an dessen Darstellung vom grausigen Tod einer Journalistin. Einige Stichwunden deuteten darauf hin, dass Kim Wall möglicherweise noch am Leben gewesen sei, als Madsen auf sie eingestochen habe, sagte die Rechtsmedizinerin Christina Jacobsen.

Madsen hatte ausgesagt, die Journalistin sei erstickt. Er habe ihre Leiche erst sieben Stunden später zerteilt, um sie über Bord werfen zu können.

„Wenn die Stiche erst vier Stunden oder mehr nach dem Einsetzen des Todes erfolgt wären, wäre kein Blut aus dem Gewebe ausgetreten“, so Jacobsen laut einem Liveblog des Dänischen Rundfunks.

Möglicherweise lebte Wall noch, als er zustach

Zwei der Stichwunden in ihrem Unterleib seien ihr zugefügt worden, als sie noch lebte, höchstens aber eine Stunde nach ihrem Tod. Die Stichwunden seien nicht dazu geeignet gewesen, Gase aus ihrem Körper entweichen zu lassen wie Madsen es als seine Absicht darstellt.

Die genaue Todesursache konnten die Rechtsmediziner nicht feststellen, weil die Leichenteile zu lang im Wasser gelegen hatten. Die von Madsen gelieferte Erklärung, Kim Wall sei möglicherweise an einer Kohlenmonoxidvergiftung im U-Boot gestorben, konnten die Mediziner nicht bestätigen.

Peter Madsen ist angeklagt, die schwedische Journalistin sexuell missbraucht und getötet zu haben. Der 47-Jährige bestritt das und räumte nur die Zerstückelung ihrer Leiche ein.

dpa

stol