Dienstag, 16. Juni 2020

Fall Maddie: Verdächtiger will auf Bewährung aus der Haft

Der Gefangene, der im Fall Maddie als Hauptverdächtiger gilt, hat einen Antrag gestellt, den Rest seiner Freiheitsstrafe für eine andere Tat zur Bewährung auszusetzen.

Der 43-jährige Christian Brückner wird verdächtigt, die kleine Maddie vor 13 Jahren entführt zu haben.
Der 43-jährige Christian Brückner wird verdächtigt, die kleine Maddie vor 13 Jahren entführt zu haben. - Foto: © APA/afp / -
Das Landgericht Kiel wies diesen Antrag jedoch nach Braunschweig zurück. Wie das Landgericht Kiel am Dienstag mitteilte, hält sich die mit der Sache befasste Strafvollstreckungskammer für örtlich nicht zuständig, da sich am Landgericht Braunschweig schon mal mit der Frage befasst worden ist, die Strafe auszusetzen. Damals war der Mann noch in der Justizvollzugsanstalt Wolfenbüttel inhaftiert.

Der Häftling steht im Verdacht, im 2007 die dreijährige Madeleine „Maddie“ McCann aus einer Ferienanlage in Portugal entführt zu haben. Die Ermittler in Deutschland sind überzeugt, dass das Kind tot ist. Die britische Polizei geht hingegen auch nach 13 Jahren weiter von einem Vermisstenfall aus. Bis heute ist Maddie verschwunden.

17 Einträge im Strafregister

Der 43-Jährige ist mehrfach wegen Sexualstraftaten auch an Kindern vorbestraft und sitzt zurzeit in Kiel eine Strafe ab, die 2011 das Amtsgericht Niebüll gegen ihn verhängte. Dabei ging es um den Handel mit Drogen. In Kiel endet die Haft wegen Drogendelikten im Frühjahr 2021. Der Mann hat bereits zwei Drittel dieser Strafe verbüßt. Auch in Italien ist der 43-Jährige kein Unbekannter: Im Jahr 2018 wurde er in Mailand wegen Drogenhandels verhaftet.

Parallel ist gegen ihn wegen Vergewaltigungsvorwürfen eine Untersuchungshaft angeordnet. Zuletzt verurteilte ihn das Landgericht Braunschweig am 16. Dezember 2019 wegen schwerer Vergewaltigung unter Einbeziehung früherer Strafen zu 7 Jahren Haft. Er hatte 2005, rund eineinhalb Jahre vor dem Verschwinden Maddies, in Praia da Luz eine damals 72-jährige Amerikanerin vergewaltigt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Revision liegt beim Bundesgerichtshof.

Als Maddie in Praia da Luz an der Algarve verschwand, war der Mann 30 Jahre alt. Er hielt sich zwischen 1995 und 2007 regelmäßig in der Region auf. Sowohl in Deutschland als auch Portugal wurde er mehrmals straffällig. Laut „Spiegel“ weist sein Strafregister 17 Einträge auf.

Ermittler nehmen erneut Kontakt zu Eltern auf

Deutsche Ermittler haben erneut Kontakt zur Familie McCann in Großbritannien aufgenommen. „Wir haben den Eltern noch einmal geschrieben“, sagte Staatsanwalt Hans Christian Wolters am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Zu den Details äußere er sich aber nicht.



Die Braunschweiger Strafverfolgungsbehörde reagierte damit auf britische Medienberichte, nach denen in dem Schreiben der Tod des Mädchens bestätigt worden sei, jedoch ohne Details zum Beweis dafür. „Die Staatsanwaltschaft hat sich zum Inhalt des Schreibens zu keinem Zeitpunkt geäußert und wird dies auch nicht tun“, sagte Wolters.

Als Anfang Juni mitgeteilt wurde, dass es neue Hinweise im Fall Maddie gebe, hatte es in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ einen erneuten Zeugenaufruf gegeben. Vor dieser Ausstrahlung habe sich die Staatsanwalt nach den Worten von Sprecher Wolters auch schon an die Eltern gewandt, um sie über den Aufruf und die Mordermittlungen zu informieren. Diese Kontakte seien aber nicht direkt, sondern liefen über die britische Polizei, sagte Wolters. „Soweit der vermeintliche Inhalt in verschiedenen Medien kursiert, stammen diese Informationen nicht von der Staatsanwaltschaft“, sagte er.

dpa/stol

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