„Die Gefängnisverwaltung hat meine Suspendierung verlangt. Es tut mir nicht wirklich leid, aber ich finde, das ist juridisch gesehen ein harter Schlag“, meinte Don Giuseppe Bussolino. Er sei jetzt ruhiger und gehe seiner Arbeit als Pfarrer nach. Von Disziplinarverfahren der Diözese gegen ihn sei er nicht in Kenntnis gesetzt worden.Er ist enttäuscht. Es könne doch wohl nicht sein, dass er als der einzig Schuldige bei der Flucht von Max Leitner dastehe.„Wäre er wirklich so gefährlich, hätte man ihm nie einen Freigang gewähren dürfen. Man hätte ihn nie einem einfachen Kaplan übergeben dürfen, der die Aufgabe hat, Gefangene wieder in die Gesellschaft zu integrieren“, meint der Priester.Er hat in diesem Sinne auch einen Brief geschrieben, den er der Gefängnisverwaltung, aber auch den Ermittlern und Gerichtsbehörden zukommen lassen will. Viele Stunden lang sei er verhört worden – unmittelbar nachdem er die Flucht von Max Leitner gemeldet hatte, zwölf Stunden lang von den Verantwortlichen des Gefängnisses, nach Allerheiligen erneut von der Staatsanwaltschaft von Asti – sechs Stunden lang.„Mir wurden immer wieder dieselben Fragen gestellt, es gibt sehr viele verschiedene Hypothesen. Mir wurde vorgeworfen, dass ich vielleicht gar nicht nach Elvas gefahren sei, dass ich Max irgendwo anders hingebracht hätte ... Ich habe das wiederholt, was ich immer schon gesagt habe“, sagt Don Giuseppe Bussolino.Die Familie von Max Leitner habe er seit dem Tag der Flucht nicht mehr gesehen. „Als Max nicht zurückkam, bin ich zur Familie gegangen. Dann haben wir ihn bis elf Uhr abends gesucht, aber nicht gefunden. Seither habe ich nichts mehr von der Familie gehört“, sagt Bussolino. uli/D