Donnerstag, 29. April 2021

Autopsie an Peter Neumairs Leiche: Todesursache bleibt offen

Die Autopsie an der Leiche von Peter Neumair bleibt vorläufig ohne Ergebnis. Nach fast 4 Monaten im Wasser ist der Körper in einem derart schlechten Zustand, dass am Donnerstag äußerlich keinerlei Verletzungen festgestellt werden konnten. Mit Hilfe von Formalin hoffen die Gutachter nun, zumindest am Hals Würgemale nachweisen zu können, die die Todesursache belegen würden.

Die Leichen von Laura Perselli und Peter Neumair wurden von ihrem Sohn Benno in die Etsch geworfen.
Die Leichen von Laura Perselli und Peter Neumair wurden von ihrem Sohn Benno in die Etsch geworfen. - Foto: © privat
In seinem Geständnis hatte Benno Neumair – die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, seine Eltern Peter Neumair und Laura Perselli ermordet und deren Leichen danach in die Etsch geworfen zu haben – ausgesagt, er habe seinen Vater erdrosselt. Knapp 4 Monate nach dem Verschwinden war am Dienstag die Leiche von Peter Neumair südlich von Trient aus der Etsch geborgen worden. Die genaue Todesursache ist aber auch nach der am Donnerstag in Trient durchgeführten Autopsie unklar.

Aufgrund des schlechten Zustandes der Leiche konnten Gerichtsmediziner Dario Raniero (für die Staatsanwaltschaft) und Pathologe Eduard Egarter Vigl (für die Verteidigung) keinerlei Spuren feststellen, die die Todesursache eindeutig belegen würden.

Mit Hilfe von Formalin wird nun versucht, das Gewebe am Hals von Peter Neumair derart zu stabilisieren, dass sich vielleicht doch noch mögliche Würgemale feststellen lassen. Auch die Suche nach vom angeblichen Streit mit Sohn Benno herrührende Abwehrverletzungen verlief ergebnislos. Nicht geklärt werden konnte auch die Herkunft einer Wunde, welche die Leiche angeblich oberhalb eines Ohres aufweisen soll. Sollte sich eine solche finden, würde das laut Verteidiger Flavio Moccia Bennos Aussage bestätigen, wonach er und sein Vater im Streit gestürzt seien und sein Vater den Kopf angeschlagen habe.

Die wissenschaftliche Gewissheit, dass es sich bei der Leiche um Peter Neumair handelt – bislang wurde er nur von seiner Tochter Madè anhand einer Armbanduhr identifiziert –, sollen die Spezialisten des RIS der Carabinieri liefern. Sowohl Zahnabdruck als auch Material für einen DNA-Abgleich wurden entnommen und ins Labor nach Parma geschickt. Das Ergebnis sollte in wenigen Tagen vorliegen.

In einem herzzerreißenden Brief erzählt Madé Neumair wie sie ihre Eltern in Erinnerung behält und wie sie mit dieser schrecklichen Tragödie umgeht.

Am Freitag geht indes die Expertise zum Geisteszustand von Benno Neumair in die nächste Runde. Die Gutachter von Gericht, Anklage, Verteidigung und der Nebenkläger werden in einer Videokonferenz mit dem dringend Tatverdächtigen, der im Bozner Gefängnis in U-Haft sitzt, weitere Tests durchführen. Ein schnelles Ergebnis wird es auch hier nicht geben. Bis 6. Juni sollten die Gutachten vorliegen. Für diesen Termin ist die nächste Verhandlung im Beweissicherungsverfahren vor Richterin Carla Scheidle angesetzt.

Hier lesen Sie die Chronologie im Mordfall Perselli/Neumair.

em/stol