Mittwoch, 30. Dezember 2020

Fall Regeni: Ägypten weist Anklage gegen Polizisten zurück

Ägyptens oberster Staatsanwalt hat am Mittwoch Vorwürfe aus Italien zurückgewiesen, wonach 5 ägyptische Polizisten an der Folterung und Ermordung eines italienischen Politikwissenschaftlers in Kairo im Jahr 2016 beteiligt waren. In einer Erklärung trat die ägyptische Staatsanwaltschaft Beschuldigungen entgegen, dass vier Polizisten und ein Polizist des Nationalen Sicherheitssektors in den Tod von Giulio Regeni verwickelt gewesen seien. Zur Begründung wurde auf fehlende Beweise verwiesen.

Die verstümmelte und mit Foltermalen übersäte Leiche des 28-Jährigen war im Februar 2016 an einer Überlandstraße in Ägypten gefunden worden.
Die verstümmelte und mit Foltermalen übersäte Leiche des 28-Jährigen war im Februar 2016 an einer Überlandstraße in Ägypten gefunden worden. - Foto: © ANSA / WEB / XX
Der junge Wissenschaftler hatte für seine Doktorarbeit in Cambridge über die ägyptische Gewerkschaftsbewegung geforscht – ein sehr heikles Thema in dem autoritär geführten Land. Die verstümmelte und mit Foltermalen übersäte Leiche des 28-Jährigen war im Februar 2016 an einer Überlandstraße in Ägypten gefunden worden. Es besteht der Verdacht, dass Regeni Opfer ägyptischer Sicherheitskräfte wurde. Der Fall erregte internationales Interesse und führte zu diplomatischen Verstimmungen zwischen Kairo und Rom.

Die ägyptische Staatsanwaltschaft wies die Darstellung der Ereignisse der italienischen Ermittler zurück: So habe die Polizei vor Regenis Tod lediglich Nachforschungen über ihn angestellt, nachdem sie eine Beschwerde über sein „verdächtiges Verhalten“ erhalten habe. Darauf bezögen sich die italienischen Behörden fälschlicherweise. Einen alternativen Mordverdächtigen benannte die Staatsanwaltschaft nicht.

Die Erklärung suggerierte jedoch, dass ein unbekannter Mörder den 25. Januar – den Jahrestag des Aufstands des sogenannten Arabischen Frühlings in Ägypten – absichtlich für das Verbrechen ausgewählt habe, um den Tatverdacht auf die Polizei zu lenken. Außerdem hätten Ägypten und Italien feindlich gesinnte Parteien ein Interesse daran, das Verbrechen zu nutzen, um einen Keil zwischen beide Länder zu treiben.

dpa