Freitag, 21. Juni 2019

Fall Schwazer: Anomalien auf den Grund gehen

Paukenschlag im Doping-Krimi um Alex Schwazer: RIS-Chefermittler Oberst Giampietro Lago wird sein Gutachten erst im Herbst abgeben.

Gutachten des Chefermittlers im Fall Schwazer lässt nun weiter auf sich warten.
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Gutachten des Chefermittlers im Fall Schwazer lässt nun weiter auf sich warten. - Foto: © STOL

Im Rahmen der Analysen sollen nämlich etliche Anomalien aufgetaucht sein, die einer genauen Abklärung bedürfen. Eigentlich hätte Oberst Lago seine Erkenntnisse bereits am 5. Juli vor U-Richter Walter Pelino erläutern sollen. Doch jetzt hat er einen Aufschub beantragt. Als er vor fast genau einem Jahr mit dem erweiterten Gutachten betraut wurde, hatte sich der Chefermittler des RIS in Parma eher skeptisch gezeigt, ob neue Untersuchungen wirklich aufzeigen können, dass Alex Schwazers Urin-Probe manipuliert worden sein könnte – wovon Verteidiger Gerhard Brandstätter überzeugt ist.

Inzwischen soll Oberst Lago aber auf etliche Ungereimtheiten gestoßen sein. Und um diesen auf den Grund zu gehen bzw. mögliche Erklärungen für die Anomalien auszuloten, braucht er mehr Zeit. Wie berichtet, sind schon einige brisante Details durchgesickert. Zum einen wies Schwazers Urin-Probe noch 3 Jahre nach der Abgabe eine extrem hohe DNA-Dichte auf, obwohl der Vergleichstest mit 100 Probanden gezeigt haben soll, dass die DNA-Dichte innerhalb von 6 Monaten im Normalfall deutlich abnimmt. Dieser Abbau wird übrigens auch von unabhängigen wissenschaftlichen Studien untermauert.

Somit müsste Schwazers Wert zum Zeitpunkt der Abgabe der Probe astronomisch hoch gewesen sein – wie das zustande gekommen sein könnte, ist eine der Fragen, die Lago beantworten will. Hinzu kommt, dass der Wert von A-Probe und B-Probe nicht derselbe ist, was schwer nachvollziehbar ist: Bei A und B handelt es sich um dieselbe Probe – die Flüssigkeit wurde lediglich auf 2 Phiolen aufgeteilt (wir berichteten). Die weiteren Erhebungen der Forensiker des RIS zielen nun darauf ab, diese eigenartigen Ergebnisse zu deuten. Zu welchen Schlussfolgerungen die Spurensicherer gekommen sind, wird Oberst Lago dem Richter am 12. September zum Abschluss des Beweissicherungsverfahrens darlegen.

In der Folge geht der Ball an die Staatsanwaltschaft. Sie wird entscheiden, ob die Anhaltspunkte ausreichen, um Schwazer ein Dopingvergehen vorzuhalten, oder ob letztendlich als einzig plausible Erklärung übrig bleibt, dass Schwazer Opfer eines Komplotts wurde.

Davon – von einem „Komplott gegen AS“ – ist in E-Mails die Rede, als deren Absender bzw. Empfänger Spitzenvertreter des Welt-Leichtathletikverbandes aufscheinen. Rechtsanwalt Brandstätter hat dazu eine Eingabe gegen Unbekannt gemacht. Es ist nicht auszuschließen, dass die Ermittler diesen E-Mail-Verkehr mittels Rechtshilfeersuchen sichern lassen könnten.

D/rc

stol