Freitag, 09. Juli 2021

Fall Twenty: Spagnolli freigesprochen

Luigi Spagnolli hat sich im Zusammenhang mit der Erweiterung des Einkaufszentrums Twenty keines Amtsmissbrauchs schuldig gemacht. Zu diesem Schluss ist gestern der Strafsenat am Bozner Landesgericht (Vorsitz Richter Stefan Tappeiner) gekommen und hat den früheren Bozner Bürgermeister voll freigesprochen.

Freispruch für Luigi Spagnolli. - Foto: © fm
Wie berichtet, ging es um die 2014 ausgestellte Baukonzession für das Einkaufszentrum. Im Raum stand der Verdacht, Spagnolli habe sein Amt unrechtmäßig genutzt, um den Weg für die Erweiterung des Twenty zu ebnen. Die Baukommission der Gemeinde hatte sich gegen den Ausbau ausgesprochen. Bedenken gab es vornehmlich wegen des möglichen Risikos durch die Nähe des Bozner Flugplatzes. Die Zustimmung der Kommission ist aber nicht bindend.

Der Stadtrat gab schließlich – mit Unterschrift des Bürgermeisters – grünes Licht. Die Staatsanwaltschaft hatte 8 Monate Haft für Spagnolli gefordert. Der Strafsenat befand jetzt aber, dass Spagnollis Handlungen keinen Straftatbestand darstellen. Im Herbst wäre die Verjährung eingetreten.

„Ich verhehle nicht, dass es ein schwieriger Prozess war: 7 Jahre zwischen Ermittlungen und Verfahren sind kein Klacks. Wir sind glücklich über den Ausgang“, sagte Spagnollis Verteidiger Marco Mayr im Anschluss an den Freispruch. „Froh macht mich aber auch etwas anderes – ich bin nämlich überzeugt, dass die öffentliche Meinung Luigi Spagnolli bereits vorab freigesprochen hat, denn jeder, der ihn kennt, weiß, dass er ein grundehrlicher Mensch ist. Luigi Spagnolli ist in den Augen der Bürger schon seit 7 Jahren freigesprochen, heute wurde er es auch vor Gericht.“

Man sei allen Aspekten auf den Grund gegangen, und alle offenen Fragen hätten eine klare Antwort zutage gefördert: „Luigi Spagnolli ist unschuldig. Seine Korrektheit wurde anerkannt.“

So sieht es auch Mayrs Kollege, Rechtsanwalt Alberto Zocchi. „Für unseren Mandanten ist jetzt ein Albtraum zu Ende gegangen. Die langen und tiefgründigen Ermittlungen haben ergeben: Er hat sich nichts zuschulden kommen lassen. Die Baukonzession war nur die letzte Konsequenz einer Prozedur, die auf Landesebene angefangen hat: Es war der Willen des Landes, dass das Twenty das Landeseinkaufszentrum werden sollte.“

Angesichts des Freispruchs gingen die Nebenkläger – Gemeinde Bozen, Aspiag sowie „Habitat“ und „Consortium Centrum“ – mit ihren Schadenersatzforderungen leer aus. Sie haben aber die Möglichkeit, gegen das gestrige Urteil zu berufen. Um darüber zu entscheiden, wollen sie laut Rechtsanwalt Igor Janes (für die Tosolini-Gruppe) die Urteilsbegründung abwarten, die in spätestens 90 Tagen vorliegen soll.

rc

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