Dienstag, 10. Mai 2022

Falle: Statt „Buono“ Verträge über mehrere tausend Euro

Immer wieder wenden sich derzeit besorgte Verbraucher an die Beratungsstellen der Verbraucherzentrale Südtirol (VZS), um Informationen über an der Haustür gemachte Bestellungen zu erhalten. Bei Hausbesuchen der Vertreter werden Verträge zur Unterschrift vorgelegt, mit denen sich die Verbraucher verpflichten, Waren, meist Haushaltsartikel, im Wert von 3000 bis 4000 Euro zu erwerben.

Erst nach der Unterzeichnung wird den meisten bewusst, dass sie sich verpflichtet haben, Waren im Wert von mehreren tausend Euro zu bestellen. - Foto: © dpa-tmn / Christin Klose

Der Kontakt, so erzählen es die Konsumenten, erfolge zuerst telefonisch: Man würde als Werbegeschenk einen Gutschein vorbeibringen, es müssten nur einige Daten angegeben werden. In der Tat kommt dann ein Vertreter der Firma vorbei, und legt ein Blatt zur Unterschrift vor – es handelt sich allerdings um eine Bestellung („commissione“), und nicht um einen Gutschein („buono“), heißt es in einer Aussendung der Verbraucherzentrale Südtirol.

Man riskiert, im Zuge des Vertreterbesuchs einem Irrtum zu erliegen, da die Rede von „buoni“ ist (einige Konsumenten berichten gar von Erzählungen über „Corona-Schecks“ des Landes), die man bei Katalogbestellungen im Laufe der nächsten 3 Jahre nutzen könne. Erst nach der Unterzeichnung wird den meisten bewusst, dass sie sich hingegen verpflichtet haben, Waren im Wert von mehreren tausend Euro zu bestellen.

Was tun?

Die VZS rät grundsätzlich, jedes Dokument gründlich durchzulesen, bevor man seine Unterschrift darunter setzt. Ohne die Haustürgeschäfte in Bausch und Bogen aburteilen zu wollen, möchte die VZS auch daran erinnern, dass die besten Kaufentscheidungen immer dann getroffen werden, wenn man vorher in Ruhe die Angebote und Produkte verglichen hat.


Bei Verträgen, die außerhalb von Geschäftslokalen abgeschlossen werden, hat man das Recht, innerhalb von 14 Kalendertagen zurückzutreten. - Foto: © shutterstock




Bei Verträgen, die außerhalb von Geschäftslokalen abgeschlossen werden (also z. B. eben zu Hause), hat man als Verbraucher das Recht, innerhalb von 14 Kalendertagen ab Erhalt der Ware ohne Angabe von Gründen vom Vertrag zurückzutreten. Dabei muss man nur die Kosten für die Rücksendung der Ware übernehmen (auch die Rücksendung muss innerhalb von diesen 14 Tagen erfolgen), falls der Verkäufer sich nicht bereit erklärt hat, diese Kosten zu tragen, oder die Verbraucher nicht darüber informiert hat, dass diese Kosten zu ihren Lasten gehen.

Wenn die Rücktrittfrist bereits abgelaufen ist, können sich Verbraucher für Rat und Hilfe direkt an die Verbraucherzentrale Südtirol wenden.

Wie übt man das Recht auf Rücktritt aus?

Man kann dazu das vom Händler eigens zur Verfügung gestellte Formular verwenden oder entsprechend eine andere schriftliche (auch handschriftliche) Mitteilung an den Händler versenden. Der Händler kann auch ein Online-Formular für den Rücktritt anbieten bzw. die Zusendung über E-Mail. In diesem Fall muss sofort eine Erhaltsbestätigung auf einem dauerhaften Trägermedium übermittelt werden.

Vorsicht: Die Beweislast liegt beim Verbraucher. Im Zweifelsfall rät die VZS daher, auf den bewährten Einschreibebrief mit Rückantwort zurückzugreifen.

Werden bei einem Vertragsabschluss falsche Informationen vermittelt, um die Kaufentscheidungen zu beeinflussen, spricht der Gesetzgeber von einer „unlauteren Geschäftspraktik“. Wer sich mit einer solchen konfrontiert sieht, kann bei der Aufsichtsbehörde für Wettbewerb und Markt eine entsprechende Meldung machen.

stol

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