Donnerstag, 11. März 2021

Falsche Fährten gelegt: War die Tat geplant?

Falsche Schuhe für die Hundenasen, ein bei der Rombrücke deponiertes Handy, blank geputzte Fliesenfugen und der Plan, nach Indien zu fahren: In den Stunden nach dem Doppelmord soll Benno Neumair laut Ermittlungen beim Versuch, die Fahnder in die Irre zu führen, planmäßig vorgegangen sein. Dass die Tat selbst auch geplant und nicht aus dem Affekt heraus geschehen sein könnte – dafür gibt es zumindest Indizien.

Mehrere Indizien deuten laut derzeitigem Ermittlungsstand darauf hin, dass Benno Neumair den Doppelmord an seinen Eltern geplant haben könnte.
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Mehrere Indizien deuten laut derzeitigem Ermittlungsstand darauf hin, dass Benno Neumair den Doppelmord an seinen Eltern geplant haben könnte. - Foto: © Screen/Youtube
Ein Mord im Affekt nach einem heftigen Streit – und der zweite Mord gleich darauf: So hatte Benno Neumair geschildert, was am 4. Jänner in der Wohnung in der Runkelsteiner Straße 22 in Bozen passiert sei. Doch die bisherigen Ermittlungsergebnisse sollen eine andere Sprache sprechen – der Tathergang, wie ihn Benno Neumair dargestellt hat, bekommt bereits jetzt tiefe Risse.

Aufnahmen von Überwachungskameras zeigen, dass Peter Neumair am 4. Jänner gegen 15.30 Uhr nach Hause gekommen ist, Laura Perselli erreichte die Wohnung erst gegen 18 Uhr. Somit müssten sich Benno Neumairs Streit mit seinem Vater, der tödliche Angriff auf ihn und unmittelbar darauf die Tötung seiner Mutter auch erst gegen 18 Uhr ereignet haben.

Eine Nachbarin soll aber angegeben haben, sie sei gegen 17.30 Uhr heimgekommen, und sie hatte keinen Streit gehört. Gab es möglicherweise gar keinen, oder hatte er vielleicht sogar bald, nachdem Peter Neumair heimgekommen war, stattgefunden? In diesem Fall lägen mindestens eine bis eineinhalb Stunden zwischen den beiden Morden – von einer Tat im Affekt könnte keine Rede mehr sein. Und es gibt noch einen Hinweis: Peter Neumair hatte gegen 16 Uhr eine wichtige Whatsapp-Nachricht erhalten, diese aber nicht einmal angeschaut, worüber sich der Absender gewundert hatte. Möglicherwiese lebte Peter Neumair zu dem Zeitpunkt bereits nicht mehr. Somit bleiben zum Tathergang selbst noch einige Fragezeichen. Vieles, was Benno Neumair den Ermittlungen zufolge danach getan haben soll, dürfte aber klar auf Irreführung hinauslaufen.

Nach 18 Uhr war das Handy von Laura Perselli beim Funkmast eingeloggt, der die Gegend um die Rombrücke speist – das Handy von Benno Neumair aber ebenso. Er wurde dort auch von Kameras gefilmt. Hingefahren war er im Auto seiner Eltern, das diese ihn dem Vernehmen nach fast nie benutzen ließen. Den Erhebungen zufolge soll er Laura Persellis Handy zur Rombrücke gebracht und etwa 3 Stunden versteckt liegen gelassen haben – um vorzutäuschen, dass sich seine Mutter dort aufgehalten habe. Gegen 21 Uhr habe Benno Neumair das Handy abgeholt und in der Folge entsorgt, ebenso wie jenes seines Vaters.

Als das Verschwinden von Peter Neumair und Laura Perselli noch als Vermisstenfall galt, ersuchten die Einsatzkräfte Benno Neumair um Kleidungsstücke seiner Eltern, damit die Suchhunde daran schnüffeln konnten. Er übergab ihnen eine Jacke seines Vaters und Schuhe, von denen er gesagt haben soll, sie gehörten seiner Mutter. Wie sich dann aber herausstellte, sollen die Schuhe seiner Schwester gehört haben, und die Jacke habe er einen ganzen Vormittag von einer Freundin tragen lassen – damit eine falsche Geruchsspur für die Hunde entstehen sollte, glauben die Ermittler.

Hinzu kommt, dass Benno Neumair nach der Tat Putzmittel und einen Wischmopp gekauft und damit eine rund 2 Quadratmeter große Fläche des Bodens in der Wohnung akkurat gesäubert hat – möglicherweise die Stelle, an der eines seiner Opfer gelegen hatte: Die Fugen zwischen diesen Fliesen strahlen förmlich im Vergleich zu den restlichen. Seine Erklärung für die Putzaktion war, dass der Hund sich übergeben habe. Zu guter Letzt hatten die Fahnder auch schon bald den Verdacht, dass sich Benno Neumair aus dem Staub machen wollte: Rund 2 Wochen nach dem Verschwinden seiner Eltern soll er einer Bekannten aus Deutschland am Telefon anvertraut haben, dass er nach Indien fahren wolle.

Im Zuge des 2. Verhörs soll Benno Neumair den Tathergang genau beschrieben haben: Nach einem eigentlich banalen Streit soll Benno Neumair zunächst seinen Vater mit einem Kletterseil erdrosselt haben. Als die Mutter kurz darauf nach Hause kam, hatte er das Seil noch in der Hand – und benutzte es erneut.

Damit scheint das große Schweigen im Fall Perselli-Neumair beendet: Am Dienstag äußerte sich Benno Neumairs Schwester Madé schriftlich zu den jüngsten Entwicklungen ( Das vollständige Schreiben lesen Sie in diesem s+-Artikel).

Jetzt hat sich auch Benno Neumairs Tante und Schwester des noch immer verschwundenen Peter Neumair zu Wort gemeldet ( hier geht es zum s+-Artikel).





rc/liz