<b>Wie erleben Sie die Situation der Familien in Südtirol?</b><BR /><BR />Doris Albenberger: Die Familien schlagen sich irgendwie durchs Leben – Jahr für Jahr, manche besser, manche schlechter. Vom sozialen Umfeld hängt vieles ab: Gibt es Großeltern, die unterstützen? Wie gut sind die Betreuungsangebote in der Gemeinde, in der man lebt? Wie sieht die finanzielle Situation aus? Werde ich in Altersarmut leben müssen, weil ich zu Hause bei den Kindern war? Gleichzeitig gibt es aber auch gemeinsame Sorgen – Themen, die viele Familien in Südtirol stark beschäftigen.<BR /><BR /><embed id="dtext86-74699081_quote" /><BR /><BR /><b>Die wären?</b><BR /><BR />Albenberger: Da wäre zum einen das Thema Rente. Das Elternteil, das zu Hause bleibt oder in Teilzeit arbeitet – meistens ist es die Mutter – hat nicht nur finanzielle Einbußen, sondern auch Nachteile bei der Rente. Wer sich kümmert, muss aber in der Rente abgesichert sein. Es braucht eine finanzielle Anerkennung. Die Rentenabsicherung fällt in die Zuständigkeit des Staates – hier gibt es dringenden Handlungsbedarf. Aber auch das Land Südtirol könnte bestehende Beiträge wie die Absicherung der Erziehungs- und Pflegezeiten durchaus weiter ausbauen.<BR /><BR /><b>Bei dem Flashmob geht es auch um das Thema Kindergarten. Wo hapert es da?</b><BR /><BR />Albenberger: Kleine Kinder brauchen ganzjährige Kontinuität, verlässliche Bezugspersonen und stabile Strukturen. Familien brauchen Planbarkeit. Wir fordern Schluss mit teuren Flickenteppich-Lösungen, die nicht kindgerecht sind und an den Bedürfnissen der Familien vorbeigehen. Das bedeutet nicht, dass ein Ganzjahreskindergarten das ganze Jahr besucht werden muss. Aber es bräuchte das Angebot, die Wahl.<BR /><BR /><embed id="dtext86-74699085_quote" /><BR /><BR /><b>Ist in den vergangenen Jahren zu wenig passiert? Hat die Politik die Familien vernachlässigt?</b><BR /><BR />Albenberger: Es bewegt sich etwas, aber sehr langsam. Wie wir kürzlich nachlesen konnten, belegt die Provinz Südtirol italienweit, was das Thema Vereinbarkeit Familie anbelangt, den letzten Platz – Platz 21 von 21. Das Angebot im Kitabereich wurde ausgebaut; doch beim Kindergarten, den Nachmittagsbetreuungen und bei der Sommerbetreuung gibt es noch viel Luft nach oben. Vielerorts ist es auch eine Preisfrage. Deshalb wären eine einheitliche Angebots- und Preisgestaltung wünschenswert.<BR /><BR /><b>Jetzt wird für bessere Rahmenbedingungen für Familien demonstriert. Lässt sich dadurch etwas bewegen?</b><BR /><BR />Albenberger: Bereits seit vielen Jahren engagieren sich Bürger und Bürgerinnen für eine bessere Familienpolitik. Wie heißt es bekanntlich: „Steter Tropfen höhlt den Stein“ und von nichts kommt nichts. Wenn wir gemeinsam laut werden, können wir vielleicht etwas bewegen.<h3> <b>HINTERGRUND: Flashmob am Samstag</b></h3>Am Samstag, den 16. Mai, findet um 10 Uhr am Silvius-Magnago-Platz in Bozen der sogenannte „Familien-Flashmob“ statt. Menschen gehen auf die Straße für: <BR /><BR /> RENTE: Gefordert wird die Ausweitung der regionalen Absicherung für Care-Arbeitende.<BR /><BR />SCHULE: Alle Kinder haben ein Recht auf gute Nachmittage – leistbar, inklusiv und altersgerecht. Kein zusätzlicher Frontalunterricht, sondern Sport, Musik, Spiel, Förderung und soziale Begegnung. <BR /><BR />KINDERGARTEN: Kleine Kinder brauchen ganzjährig Kontinuität, verlässliche Bezugspersonen und stabile Strukturen. Familien brauchen Planbarkeit. Schluss mit immer höheren Kindergartenkosten.Verlängerungsangebote müssen leistbar bleiben.