„Die Spuren des Faschismus sind Teil unserer Geschichte. Sie dürfen weder einfach ignoriert noch beseitigt werden. Vielmehr müssten diese Orte erklärt und historisch eingeordnet werden – damit sie zu Stätten des Wissens würden, nicht der Verherrlichung“, meint Brigitte Foppa. Jenseits aller Polemiken, die nach dem Einsturz des Gerichtsgebäudes aufgeflammt sind, brauche es einen sachlichen, zukunftsorientierten Ansatz.<BR /><BR />Eben diesen soll der Beitritt zur europäischen Kulturroute Atrium bieten. Das Atrium-Netzwerk biete die Möglichkeit, die Südtiroler Erfahrung mit jener anderer europäischer Städte zu vergleichen, die ähnliche Hinterlassenschaften bewahren und aufarbeiten. Der Beitritt bedeute, in Erinnerungskultur und historisches Bewusstsein zu investieren. „Die Spur der Diktaturen zieht sich durch ganz Europa. Das gemeinsame Aufarbeiten hilft, andere besser zu verstehen – und auch sich selbst“, so die drei grünen Abgeordneten.<BR /><BR /> Zustimmung zum Tagesordnungspunkt, der heute im Zuge des Nachtragshaushalts im Landtag aufs Tapet kommt, signalisiert die Mehrheit. „Er entspricht unserer langjährigen Vorgangsweise“, so Landeshauptmann Arno Kompatscher. Das Siegesdenkmal wurde noch unter Vorgänger Luis Durnwalder mit einem Dokumentationszentrum ausgestattet und in einen historischen Kontext gebettet. Dasselbe geschah unter Kompatscher mit dem Mussolini-Relief am Finanzgebäude.<BR /><BR />Atrium ist eine Kulturroute des Europarates. Sie umfasst Gebäude aus Zeiten totalitärer Regime in Albanien, Bulgarien, Kroatien, Griechenland, Italien, Polen, Rumänien, Serbien und Spanien. Mit dabei sind nicht nur faschistische, sondern auch kommunistische Bauten. In Südtirol ist die Gemeinde Meran bereits Mitglied des Netzwerkes. In diesem Rahmen können in Meran das Rathaus, der Pferderennplatz und die ehemalige „Casa del Fascio“ besichtigt werden, die 1931 anstelle eines mittelalterlichen Spitals errichtet wurde und als Sitz der faschistischen Partei diente.