Mittwoch, 24. Februar 2021

Fast 80 Tote bei Gefängnisrevolten in Ecuador

Bei heftigen Kämpfen zwischen rivalisierenden Banden sind in mehreren Gefängnissen in Ecuador fast 80 Menschen ums Leben gekommen.

Die Angehörigen in Ecuador trauern.
Die Angehörigen in Ecuador trauern. - Foto: © APA (AFP) / MARCOS PIN MENDEZ
Mindestens 79 Häftlinge seien bei den blutigen Auseinandersetzungen in 4 Strafanstalten in Guayaquil, Cuenca und Latacunga getötet worden, teilte die Regierung des südamerikanischen Landes am Mittwoch mit. Mittlerweile sei die Situation wieder unter Kontrolle.

Schwerbewaffnete Polizisten eines Spezialeinsatzkommandos stürmten am Dienstag das Gefängnis von Guayaquil. Sie brachen verrammelte Türen auf und feuerten Tränengaskartuschen in die Zellentrakte, wie in einem von der Zeitung „El Comercio“ veröffentlichten Einsatzvideo zu sehen war. Die Häftlinge eröffneten das Feuer auf die Beamten und legten Brände.

Auslöser der Auseinandersetzungen war offenbar ein interner Machtkampf innerhalb der Bande Los Choneros, nachdem deren oberster Anführer José Luis Zambrano alias „Rasquiña“ im Dezember getötet worden war. „Wir hatten damals eine sofortige Reaktion erwartet, aber sie hat bis gestern auf sich warten lassen“, sagte der Leiter der nationalen Gefängnisbehörde, Edmundo Moncayo.

Nach Angaben der Gefängnisverwaltung hatte ein Justizvollzugsbeamter zuletzt Schusswaffen in das Gefängnis von Guayaquil geschmuggelt. Die Waffen sollten offenbar für Anschläge auf Mitglieder rivalisierender Gruppen innerhalb der Gang dienen. Als die Bandenmitglieder davon erfuhren, brachen die Kämpfe aus.

Los Choneros ist die mächtigste kriminelle Organisation Ecuadors. Die Bande ist in Drogenhandel, Schutzgelderpressung und Auftragsmorde verwickelt und soll mit mexikanischen und kolumbianischen Verbrechersyndikaten zusammenarbeiten.

In Lateinamerika kommt es immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen in Gefängnissen. Viele Strafanstalten werden von Gangs kontrolliert. Oftmals sorgen die Sicherheitskräfte lediglich dafür, dass die Gefangenen in den Haftanstalten bleiben.

Innerhalb der Mauern bleiben sich die Häftlinge weitgehend selbst überlassen. Zahlreiche inhaftierte Gangbosse steuern die Geschäfte ihrer kriminellen Organisationen aus dem Gefängnis heraus.

apa

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