„Ich habe sie getötet.“ Santino Bonfiglio hat nicht versucht, die Tat zu leugnen. Als der 67-Jährige am Donnerstag vor der Ermittlungsrichterin Alessia Smedile und der Staatsanwältin Roberta La Speme erschien, bestätigte er, was er der Polizei bereits kurz nach seiner Festnahme gestanden hatte. Er habe seine Ex-Partnerin Daniela Zinnanti am Montagabend in ihrer Wohnung mit Dutzenden Messerstichen massakriert.<BR /><BR />Er sei zu Daniela gegangen, um über ihre Anzeigen gegen ihn zu „diskutieren“. Dann sei es zum Streit gekommen. Doch die Ermittler der Staatsanwaltschaft unter der Leitung von Antonio D'Amato zeichnen ein völlig anderes Bild. Es war kein plötzlicher Streit, sondern der blutige Endpunkt eines Martyriums, das bereits seit Monaten im Gange war.<h3> Eine Chronik der Gewalt</h3>Wie bereits berichtet, begann die Gewaltspirale fast unmittelbar nach dem Start ihrer Beziehung vor einem Jahr. Damals wurde die Frau so schwer misshandelt, dass sie ins Krankenhaus musste. Bonfiglio kam unter Hausarrest, der später in ein Annäherungsverbot umgewandelt wurde. Doch Daniela Zinnanti zog die Anzeige zurück.<BR /><BR />Anfang Februar dieses Jahres erstattete Zinnanti erneut Anzeige. Sie berichtete von Schlägen, Demütigungen und ständiger Todesangst. Besonders tragisch: Bonfiglio stand theoretisch unter Hausarrest und sollte eine elektronische Fußfessel tragen. Doch wie die Polizei rekonstruierte, war das Gerät zum Zeitpunkt der Anordnung nicht verfügbar. Ohne die digitale Überwachung gelang es dem 67-Jährigen, aus seiner Wohnung zu fliehen, zur Wohnung des Opfers zu fahren und Daniela Zinnanti mit einem Messer, das später in einem Müllcontainer gefunden wurde, brutal zu ermorden.<h3> „Wir wussten, dass es böse endet“</h3>In der Nachbarschaft herrscht Entsetzen, aber kaum Überraschung. „Wir haben oft Schreie gehört“, berichtet eine Nachbarin gegenüber der ANSA. „Das ist eigentlich eine ruhige Gegend, man kennt sich hier“, berichtet sie. Doch mit dem Einzug von Bonfiglio habe sich alles verändert.<BR /><BR />Obwohl die Nachbarn kaum persönlichen Kontakt zu Bonfiglio hatten, entging ihnen der Terror hinter verschlossenen Türen nicht. „Wir haben gesehen, dass er Daniela häufig traf, sie hatte früher sogar bei ihm gewohnt. Aber wir haben immer wieder diese heftigen Streitigkeiten gehört. Wir hörten Daniela schreien“, so die Zeugin. „Wir haben mehrfach miterlebt, wie die Polizei und die Carabinieri einschreiten mussten.“<BR /><BR />Ein Vorfall ist den Anwohnern besonders im Gedächtnis geblieben: „Einmal kam sogar ein Krankenwagen und Daniela wurde ins Krankenhaus gebracht. Uns war allen klar, dass diese Situation unerträglich geworden war. Mehr als einmal hat sie in dieser Zeit ihr Leben riskiert.“