Die für den 14. November im Gerichtssaal von Mestre angesetzte Berufungsverhandlung entfällt somit. Es wird keine Überprüfung der von den Richtern der ersten Instanz nicht anerkannten erschwerenden Umstände - Grausamkeit und Stalking - und auch keine erneute Diskussion über den Vorsatz geben. Diese Entscheidung hatte bereits im Vorfeld zu Kontroversen außerhalb der Gerichtssäle geführt, bis hin zu Drohungen gegen Turettas Verteidiger.<h3> „Verzerrte Vorstellung von emotionaler Bindung und Besitz, die nichts mit Liebe oder Respekt zu tun hat“</h3>Für die Anwälte Nicodemo Gentile, Piero Coluccio und Stefano Tigani, die die Familie Cecchettin vertreten, ist die Entscheidung „kohärent, richtig und vollkommen nachvollziehbar“. In einer Mitteilung erklärten sie, der Verzicht des Angeklagten mache das Urteil der ersten Instanz endgültig und „kristallisiere“ ohne Zweifel den erschwerenden Umstand des Vorsatzes - einen der schwerwiegendsten Tatbestände, die das italienische Recht vorsieht. Der Mord, so die Anwälte weiter, sei „durch abscheuliche, archaische und verachtenswerte Motive“ gekennzeichnet gewesen - Ausdruck einer verzerrten Vorstellung von emotionaler Bindung und Besitz, die nichts mit Liebe oder Respekt zu tun habe. <BR /><BR />Anlass zur Diskussion hatte die Begründung des Schwurgerichts gegeben, dem zufolge die 75 Messerstiche Turettas auf Giulia eher Ausdruck eines von „Unreife“ bestimmten Ausbruchs als von „Grausamkeit“ gewesen seien. Ebenso wurde das Delikt des Stalkings verneint, da weder die Familie noch das Opfer selbst zuvor „Angst“ vor dem dominanten Verhalten des Ex-Freundes geäußert hätten.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1235451_image" /></div> <BR />Für die Familie Cecchettin bedeutet das rechtskräftige Urteil, wie ihre Anwälte betonen, „die Möglichkeit, ein neues Kapitel aufzuschlagen“. <h3> „Geschlechtsspezifische Gewalt erkennen, ihr vorbeugen und sie bekämpfen“</h3>Mit der endgültigen Feststellung der schweren Schuld Filippo Turettas bleibe nun eine wesentliche Aufgabe: „Den Schmerz in Bewusstsein zu verwandeln, damit die Gesellschaft - vor allem die Jüngsten - die tiefen Wurzeln geschlechtsspezifischer Gewalt erkennt, ihr vorbeugt und sie bekämpft“, sagte Giulias Vater, Gino Cecchettin.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1235454_image" /></div> <BR /><BR /> <a href="https://www.stol.it/suche/Giulia%20Cecchettin" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Hier erfahren Sie alle Einzelheiten zum Femizid an Giulia Cecchettin und zum Prozess gegen Filippo Turetta.</a>